Denkfabrik Hans-Werner Sinn: "Es gibt nur einen Ausweg aus der Euro-Krise"

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Ein Frau steht im Regen mit einem blauen EU-Schirm vor dem Gebäudekomplex des EU-Parlaments in Brüssel. Foto: Thierry Monasse/dpa

Kolumne

Nur durch eisernes Sparen kann der Euro gerettet werden, sagt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Deshalb müssten die Regierungen der Eurozone ein Modell schaffen, das den Krisenstaaten hilft - und gleichzeitig Anreize zur Eindämmung der Verschuldung bietet.

Die peripheren Länder des Euro-Raums stecken in einer Zahlungsbilanzkrise von der Art, wie sie gegen Ende des Bretton-Woods-Systems in den USA bestand. Man ist zu teuer und hat riesige Leistungsbilanzdefizite, die nicht mehr finanziert werden können. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Staatengemeinschaft halten dagegen, indem sie unter Verletzung des Maastrichter Vertrages Hunderte von Milliarden Euro an billigen Krediten zur Verfügung stellen.

Diese Politik ist nicht nur rechtlich unzulässig, sie ist auch ökonomisch falsch, weil sie das Absinken der Kurse, Preise und Löhne und damit die Rückkehr zu einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht verhindert. Zum einen werden die Märkte verunsichert, weil durch die Stützung der Kurse privater und öffentlicher Papiere ein einseitiges Abwärtsrisiko erzeugt wird.

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Entwürdigendes Spiel

Die Anleger wissen ja, dass die Kurse von ihrem künstlich hochgehaltenen Niveau nur noch fallen können. Deshalb bleiben sie nervös und schauen argwöhnisch darauf, ob genug Geld zur Rettung zur Verfügung steht. Schon der kleinste Zweifel schürt die Krise von Neuem und zwingt die Staaten, noch mehr Geld bereitzustellen. Das ist nicht nur ein entwürdigendes Spiel für die Parlamente Europas, sondern auch ein sicheres Mittel, das private Kapital aus den Krisenländern fernzuhalten. Ließe man die Kurse fallen, ohne zu intervenieren, wären zwar Verluste in den Bankbilanzen zu verbuchen, die abgefangen werden müssten, doch wäre danach dauerhaft Ruh. Zu niedrigeren Kursen wäre das private Kapital wieder bereit, die Außenhandelsdefizite zu finanzieren.

Zum anderen perpetuiert die Rettungspolitik diese Defizite, weil sie die überzogenen Güterpreise und Löhne stützt, die aus der Zeit des billigen Kredits resultieren. Auch wenn es die Politik nicht wahrhaben will: Nur wenn Löhne und Preise im Vergleich zu den anderen Ländern fallen, können die Importe gedämpft und die Exporte angekurbelt werden. Nur so werden die Krisenländer wieder wettbewerbsfähig.

Jenen Staaten, die im Zuge dieser Entwicklung von Insolvenz bedroht sind, sollte die Staatengemeinschaft über ihren Luxemburger Fonds EFSF helfen, aber nicht, indem man diesen Fonds als Selbstbedienungsladen ausgestaltet, sondern indem man ihm die Rolle eines Kreditversicherers gibt, der zwar exzessive Risiken deckt, doch den Gläubigern zugleich einen Selbstbehalt für kleinere Risiken abverlangt. Diese Grundidee ist von der European Economic Advisory Group (EEAG) formuliert worden.

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