Denkfabrik: In den USA steigt die Inflationsgefahr

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Ökonom Martin Feldstein

Kolumne von Martin S. Feldstein

Die US-Notenbank hat mit ihrer Geldpolitik die Aktien- und Immobilienpreise nach oben getrieben. Jetzt fühlen sich die Bürger reich - doch nun muss die Fed die Inflation bekämpfen.

Vor einem halben Jahr habe ich eine halbwegs optimistische Konjunkturprognose für die USA abgegeben: Das Wachstum in meinem Heimatland werde sich 2014 auf drei Prozent erhöhen. So weit die Prognose – und was ist in Wirklichkeit geschehen? Nachdem die Wirtschaft nicht mehr wie zu Jahresanfang unter fürchterlichem Wetter zu leiden hat, scheint die Wirtschaft tatsächlich einen dynamischen Kurs eingeschlagen zu haben.

Der wichtigste Faktor für den schnelleren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr ist das Wachstum des Vermögens der amerikanischen Haushalte. Nach Zahlen der Notenbank Fed dürfen sich die Amerikaner über einen Wertzuwachs bei Wohneigentum von zwei Billionen Dollar freuen, bei Aktien, sonstigem Unternehmensbesitz und anderen privaten Kapitalanlagen sind es gar acht Billionen Dollar.

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Das sagen Ökonomen zur Fed-Entscheidung

  • Thomas Gitzel (VP Bank):

    „Die Fed tat gut daran das Wertpapieraufkaufprogramm zu reduzieren. Wichtige globale Konjunkturindikatoren überraschten zuletzt positiv. Überrascht auch die US-Wirtschaft auf der positiven Seite, hätte die Fed bei Fortsetzung des Programms zu einem späteren Zeitpunkt umso deutlicher reagieren müssen. Deshalb war die Entscheidung richtig, jetzt zu handeln.

    Die Fed verankerte gleichzeitig die Zinserwartungen auf tiefem Niveau durch die Bekanntgabe einer neuen 'Zielarbeitslosenquote'. Auch die Finanzmärkte reagierten gelassen. Die große Katastrophe scheint auszubleiben.“

  • Essener National-Bank:

    „In den kommenden Monaten darf man sich darauf einstellen, dass das QE-Volumen nach und nach weiter reduziert wird. Bislang gehen die Marktakteure jedoch nicht davon aus, dass die Leitzinswende näher rückt. Allerdings ist die Zielarbeitslosenquote von 6,5 Prozent nicht mehr soweit entfernt. Kommt die US Wirtschaft im kommenden Jahr gut aus den Startlöchern, ist der Wert möglicherweise schneller erreicht, als es Fed und Marktteilnehmer erwarten.“

  • Dirk Chlench (LBBW):

    „Die Entscheidung der Federal Reserve, ihr Ankaufvolumen herunterzufahren, war überfällig. Der Reigen guter Konjunkturnachrichten hat ihr kaum noch eine andere Wahl gelassen. Dies gilt umso mehr, da mit der Einigung im Kongress auf einen Haushalt für die nächsten zwei Fiskaljahre auch das Risiko eines erneuten Regierungsstillstandes vom Tisch ist.“

  • Christian Schulz (Berenberg Bank):

    „Der Schlüssel ist der Inflationsausblick. Da die Inflationsrate bis in das Jahr 2016 hinein unter der Zielmarke von zwei Prozent bleiben dürfte, könnten die Zinsen noch für eine sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben.“

  • Christiane von Berg (BayernLB):

    „Auf Grundlage des Statements der Fed bleiben wir bei unserer bisherigen Prognose zum Ausstieg der Fed aus ihrer expansiven Geldpolitik. Wir erwarten weiterhin das Ende des Taperings im vierten Quartal, welches konsistent mit den Aussagen Bernankes zur schrittweisen Reduzierung der Anleiheankäufe ist. Zudem erwarten wir die erste Leitzinsanhebung unverändert Mitte 2015. Trotz der Tapering-Ankündigung für Januar waren die Ergebnisse der heutigen Sitzung weniger überraschend als auf den ersten Blick gedacht.“

  • Andy Weir (Fidelity):

    "Trotz der leichten Reduzierung der umfassenden Anleihekäufe durch die Fed ab Januar sind wir von einer Anhebung der Zinsen - also einem tatsächlichen Entzug von Liquidität - statt nur einer Verlangsamung des Zuflusses, noch weit entfernt. Janet Yellens oberste Priorität bleibt die Senkung der Arbeitslosenquote und sie dürfte dafür auch einen leichten Inflationsanstieg in Kauf nehmen."

  • Matthias Hoppe (Franklin Templeton Solutions):

    Thema Tapering: "Die wirtschaftlichen Folgen werden unserer Meinung auch noch in 2014 überschätzt – auch wenn die Aktienmärkte auf die Ankündigung erst einmal positiv reagiert haben."

    Thema Emerging Markets: “Viel wurde und wird darüber spekuliert, wie sich die geringere Liquidität auf die Emerging Markets auswirken wird. Unserer Meinung nach hat die schlechte Wertentwicklung von Emerging Markets allerdings mehr mit den gesunkenen Wachstumsaussichten für die Länder und der Gewinnentwicklung der Unternehmen als mit „Tapering“ zu tun.

Die Erfahrung lehrt, dass private Haushalte bei einem Wachstum ihres Vermögens den Konsum langsam hochfahren, und zwar bis zu einer Steigerung von rund vier Dollar pro 100 Dollar Vermögenszuwachs. Dies würde bedeuten, dass der 2013 beobachtete Vermögenszuwachs von zehn Billionen Dollar den Konsum in den USA um etwa 400 Milliarden Dollar nach oben treibt – mithin rund 2,5 Prozent vom BIP. Selbst wenn dieser Effekt 2014 nur zur Hälfte eintritt, würde das immer noch für ein BIP-Wachstum von über einem Prozentpunkt sorgen.

Im ersten Quartal des Jahres stiegen die Konsumausgaben im Vergleich zum Vorquartal bereits um real drei Prozent, Tendenz: steigend. Gleichzeitig sinkt die Sparquote in den USA. Die Haushaltsersparnisse gingen in Relation zum verfügbaren Einkommen von etwa sechs Prozent im Jahr 2011 auf nur noch 3,8 Prozent im vergangenen Quartal zurück.

Harvard-Ökonom Feldstein Die Fed muss Inflation im Griff behalten

Der Harvard-Ökonom Martin Feldstein sagt den USA eine wachsende Inflation und steigende Kreditzinsen voraus.

Dollarscheine und eine Flagge der USA Quelle: dpa

Gestiegene Vermögen bedeuten auch mehr Neubauten. Als die US-Notenbank Fed voriges Jahr ankündigte, sie werde ihre Strategie des „quantitative easing“ aufgeben, stiegen die Hypothekenzinsen. Darum wurden weniger Neubauten in Angriff genommen, und der zusammengerechnete Wert aller neuen Wohnbauprojekte ging zurück. Doch hier hat sich der Wind nun wieder gedreht. Im April wurden 26 Prozent mehr Bauprojekte begonnen als im Vorjahresmonat. Die Preise für Wohnimmobilien steigen wieder schneller. Das gilt für Neubauten und Altbestand gleichermaßen.

Die höheren Konsumausgaben und der Anstieg der Investitionen im Wohnungsbau haben die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen lassen. Dies hat im April zu einem Anstieg der Zahl der abhängig Beschäftigten um 288 000 Personen geführt. Anfang des Jahres lag der Monatsdurchschnitt noch unter 200 000 Personen. Setzt sich diese Entwicklung fort, führt das zu einem noch schnelleren Wachstum von Einkommen und Konsum.

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