Denkfabrik: Ist die Angst vor der Preisblase berechtigt?

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kolumneDenkfabrik: Ist die Angst vor der Preisblase berechtigt?

Kolumne

Die extrem lockere Geldpolitik der großen Notenbanken weckt Ängste vor neuen Vermögenspreisblasen. Für Asien, insbesondere China, sind diese Sorgen berechtigt. In den Industrieländern hingegen sind Preisblasen für Vermögensgüter auf breiter Front noch nicht erkennbar.

Die Aktienkurse sind weiter auf Kletterpartie, die Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen sinken, die Immobilienpreise in vielen Ländern steigen zum Teil rasant. Viele Investoren fragen sich deshalb: Handelt es sich hier um Anzeichen einer neuen Vermögenspreisblase, deren Ursprung in der extrem expansiven Geldpolitik der Zentralbanken in den Industrieländern zu suchen ist?

Laut dem renommierten Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger laufen Blasenbildungen so gut wie immer nach dem gleichen Muster ab und sind durch wiederkehrende Eigenschaften gekennzeichnet. Die Conditio sine qua non einer jeden Blase ist die deutliche Überbewertung einer Vermögensklasse in der Breite.

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Gemessen am zyklusbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), sind US-Aktien bei einem aktuellen Stand des KGVs von rund 25 im Vergleich zum langfristigen Durchschnitt von etwa 16 demnach deutlich überbewertet. Der Wert heute ist mit den Jahren 2006, 1996 und 1966 vergleichbar, wenn auch deutlich geringer als im Jahr 2000 (KGV: 44). Die aktuelle Bewertung lässt zwar auf unterdurchschnittliche inflationsbereinigte Aktienerträge in den USA in der nächsten Dekade schließen, aber von einer Aktienblase würden wir noch nicht sprechen. Europäische Aktien, auch der Dax, sind im historischen Vergleich sogar eher unterdurchschnittlich bewertet. Auch japanische Aktien oder die Aktienmärkte in Schwellenländern sind als nicht teuer einzustufen.

Börse im Blick Das Märchen von der Aktienblase

Die Hausse an den Börsen hat durchaus ein Fundament: Deutsche Unternehmen sind wachstumsstark, effizient und stabil wie nie zuvor.

Quelle: REUTERS

Sind hingegen Anleihen teuer? Staatsanleihen erstklassiger Emittenten wie der USA und Deutschland rentieren deutlich niedriger als der Referenzmaßstab, das Wachstum des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Sie sind somit im Langfristvergleich hoch bewertet. Die Erklärung dafür liegt in der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken. Relativ zu diesen Staatsanleihen sind Unternehmensanleihen nicht als teuer einzustufen: Denn die in den Zinsen enthaltenen Ausfallwahrscheinlichkeiten sind in den allermeisten Ratingklassen immer noch höher als diejenigen, die historisch beobachtet wurden. Aus ähnlichen Überlegungen halten wir Anleihen aus Schwellenmärkten nicht für überteuert.

Übertreibungen lassen sich jedoch in ausgewählten Immobilienmärkten beobachten. Gemessen an der Mietrendite oder am Verhältnis von Immobilienpreisen zum Einkommen, erscheinen die Häuserpreise in Hongkong, Singapur, Australien und Kanada deutlich, in Frankreich, England, Norwegen und Schweden moderat überteuert. Andererseits sind in den USA, Deutschland und China die Immobilienpreise in der Breite nicht zu hoch.

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