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Denkfabrik: Lohnerhöhungen unter Ökonomen umstritten

Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland setzt sich 2011 fort. Ob und wie stark die Löhne zulegen müssen, zählt zu den zentralen ökonomischen Streitfragen des neuen Jahres.

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Von Gustav Adolf Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in Düsseldorf

Die deutsche Wirtschaft hat sich dank der Konjunkturpakete hier und andernorts überaus kräftig erholt. Besonders hilfreich war es, dass es den Tarifparteien gelungen ist, den internen Arbeitsmarkt durch flexible Arbeitszeiten in der Krise sehr robust zu machen. Und dass die Bundesregierung der großen Koalition dieses Potenzial weiter unterstützt hat, indem sie die Kurzarbeit finanziell förderte. All dies hat dazu geführt, dass die deutsche Wirtschaft bereits 2011 das Produktionsniveau von vor der Krise wieder erreichen dürfte.

Nun gilt es, die Erholung in einen möglichst lang anhaltenden Aufschwung gleiten zu lassen. Das wird nur gelingen, wenn die Binnennachfrage hinreichend kräftig wird. Denn zum einen ist die Lage jenseits unserer Grenzen nicht wirklich erfreulich. Der Ausfall der USA als Motor der Weltwirtschaft und die Euro-Krise können auch durch ein boomendes China nicht ausgeglichen werden. Unser Aufschwung muss also auf heimatlichen Beinen stehen. Vonseiten des Staates ist da nicht viel zu erwarten. Die Konjunkturprogramme laufen aus, die Bundesregierung setzt mit ihrem Sparpaket einen negativen Nachfrage-Impuls.

Das heißt: Ein Aufschwung lässt sich nur erreichen, wenn die private Nachfrage merklich zunimmt. Und das erfordert deutlich höhere Lohnzuwächse als im vergangenen Jahrzehnt. Insbesondere müssen die Lohnsteigerungen mindestens wieder auf einen Pfad einschwenken, der dem Trend des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachses entspricht, plus einen Inflationsaufschlag in Höhe der Zielrate der EZB von fast zwei Prozent. Zusammengenommen impliziert das gesamtwirtschaftliche Lohnsteigerungen in der Gegend von drei bis dreieinhalb Prozent – auch dem Wachstum zuliebe.

Davon sind wir noch weit entfernt. Solche Werte erreichen bislang nur einzelne Branchen. Dabei würde eine solche Rate die starke Wettbewerbsfähigkeit und die Renditen der deutschen Exportwirtschaft auf ihrem derzeit hohen Niveau stabilisieren – die Unternehmen verlören keinen Deut an internationaler Konkurrenzfähigkeit. Zugleich würden aber die Einkommenszuwächse den binnenwirtschaftlichen Konsum und die Investitionen anregen und damit die Binnennachfrage kräftigen. Die Ära der Umverteilung von Arbeits- zu Gewinneinkommen wäre zu Ende. Und der Aufschwung stünde endlich auf zwei Beinen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.01.2011, 16:46 UhrAnonymer Benutzer: waehlerstimme

    Die Argumentation der meisten Wirtschaftsamateure und -Experten ist doch leicht zu verstehen.

    Während eines wirtschaftlichen Abschwungs müssen wir die Wirtschaft von Lohnerhöhungen verschonen, damits wieder aufwärts geht.

    Während eines wirtschaftlichen Aufschwungs müssen wir die Wirtschaft von Lohnerhöhungen verschonen, damits nicht wieder abwärts geht.

    Die Essenz aus dieser sonderbaren Rechnung: Die Löhne sind der kontraproduktivste Faktor einer kapitalistischen Marktwirtschaft.

    Wenn andere Länder genauso denken, dann bricht nicht nur unser binnenmarkt, sondern auch der Export massiv ein....

  • 11.01.2011, 10:38 UhrAnonymer Benutzer: Lenny

    Wenn niedrige Löhne zu mehr beschäftigen führen, warum haben wir dann nach über 10 Jahren mit realem Lohnminus immer noch ca. 6 Millionen Arbeitslose? Überprüfen diese sogenannten Fachleute ihre Therorien auch an der Realität, oder ist die Realität nur vernachlässigbarer Faktor für diese?

    Einerseits schreit Snower nach dem freien Markt, will aber andererseits staatliche Hilfen für Arbeitstellen in Anspruch nehmen....

    2 x 3 macht 4 widdewiddewitt und Drei macht Neune. ich mach' mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt.....

  • 09.01.2011, 12:17 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Selbst Hans-Werner Sinn räumt ein, dass jetzt wieder massiv Kapital nach Deutschland zurückfließt. Die banken haben offensichtlich in irland, Spanien und Griechenland zu viel Geld in den Sand gesetzt. Daher wäre es sehr wohl gerecht, nun den Lohnsteuerzahlern mehr Geld zukommen zu lassen. Die Drohung, dass dadurch das Kapital vertrieben wird, zieht in diesem Umfeld nicht mehr. Außerdem sind Gewinneinkommen in den letzten 12 Jahren massiv entlastet worden: Körperschaftsteuersenkung, Abgeltungsteuer und Senkung der Lohnnebenkosten für GKV und GRV. Jetzt sind die Arbeitnehmer dran!

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