Denkfabrik: Neue Phase

Bild vergrößern

Euromünzen

Die weltweiten Inflationsrisiken nehmen zu. Das liegt an teuren Rohstoffen, der expansiven Geldpolitik der Notenbanken – aber auch am Aufstieg der Schwellenländer, die Inflation in die Industriestaaten exportieren.

Die jahrzehntelange Phase der Disinflation geht zu Ende. Das schließt zyklische Inflationsschwankungen nicht aus; vor allem 2012 könnte es global leicht rückläufige Preissteigerungsraten geben. Mittelfristig aber geht der Trend klar nach oben.

Dies hat vor allem drei Gründe. Zum einen treiben hohe Rohstoffpreise die Inflation und Zinsen nach oben, zum anderen begünstigen strukturelle Effekte die Entwicklung. Drittens schließlich spiegeln sich hier die Konsequenzen der expansiven Geldpolitik des letzten Jahrzehnts wider.

Anzeige

Die Rohstoffpreise sind heute auf einem hohem Niveau, und es spricht einiges dafür, dass die Nachfrage und damit die Preise weiter steigen. In der Vergangenheit ist die Nachfrage nach Rohstoffen erst ab einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 15.000 Dollar pro Kopf abgeebbt. In China, dem weltweit größten Rohstoffkonsumenten, liegt das Pro-Kopf-BIP derzeit jedoch erst bei rund einem Drittel, in Indien bei einem Viertel und in Brasilien bei rund zwei Dritteln dieses Wertes. Es ist deswegen absehbar, dass die Nachfrage allein in diesen drei großen Volkswirtschaften in den kommenden Jahren hoch bleiben wird.

Das Rohstoffangebot dagegen ist limitiert. Die Produktionskosten steigen, weil die Erschließung technisch immer schwieriger wird. Es fehlen in vielen Bereichen ausreichend Fachkräfte und Geräte zur Erschließung und zum Transport der Rohstoffe. Das gilt gleichermaßen für den Energiebereich, für Industriemetalle und Agrarrohstoffe.

Löhne steigen

Strukturelle Effekte, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu niedrigen Preisen beitrugen, laufen aus oder kehren sich um. Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 und die wirtschaftliche Neuausrichtung Chinas seit Ende der Siebzigerjahre hatten große Auswirkungen auf den internationalen Arbeitsmarkt. Hunderte von Millionen Arbeitskräften standen danach weltweit zur Verfügung und sorgten indirekt für Lohndruck in den entwickelten Ländern. Die Lohnquote fiel im Westen auf das tiefste Niveau seit den Fünfzigerjahren.

In vielen Schwellenländern steigen die Reallöhne inzwischen aber wieder deutlich, vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich die aufstrebenden Staaten derzeit vom Exporteur von Deflation zum Exporteur von Inflation. In den meisten Industrieländern dürften sich auch die zunehmende Regulierung von Dienstleistungs- und Gütermärkten sowie steigende Steuern zur Deckung der immensen Budgetdefizite – zumindest teilweise – preissteigernd auswirken.

Lockere Geldpolitik

Ohne eine expansive Geldpolitik wäre ein Anstieg der Inflation längerfristig nicht vorstellbar. Nach dem Platzen der IT-Blase vor etwa zehn Jahren waren die Zentralbankzinsen weltweit jahrelang viel zu niedrig – insbesondere in den Vereinigten Staaten. Dadurch stiegen Geld- und Kreditaggregate. Nach der Finanzkrise 2008/09 schleusten die Notenbanken die Zinsen erneut auf ein extrem niedriges Niveau. Der Kreditzyklus ist in den Industrienationen zwar noch nicht wieder richtig in Schwung gekommen, aber Umfragen deuten auf eine Entspannung im Kreditangebot und bei der Kreditnachfrage hin.

Es bleibt fraglich, ob die Zentralbanken die Zinsen dieses Mal rechtzeitig und vor allem in ausreichendem Maß anheben und nicht-konventionelle Maßnahmen der Liquiditätsbereitstellung zurückfahren. Die Skepsis bezieht sich vor allem auf die amerikanische Fed und die Bank of England, da deren Staaten hoch verschuldet sind. Um die Wirtschaftsaktivität nicht zu sehr abzukühlen, deutet sich hier eine lockere Geldpolitik über eine längere Zeitspanne hinweg an.

Wie die Geschichte zeigt, erlaubt diese Politik auch eine relativ einfache Staatsentschuldung. Die USA etwa haben ihren hohen Verschuldungsgrad nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zuletzt durch niedrige Realzinsen und „Inflationsüberraschungen“ reduziert. Niedrige Realzinsen schließen steigende Nominalzinsen dabei nicht aus. Zur Erleichterung des Schuldenabbaus der öffentlichen Hand genügt es schon, dass das Zinsniveau niedriger als das Wirtschaftswachstum ist.

Eine expansive Geldpolitik und niedrige Realzinsen dürften wiederum wie schon so oft in der Vergangenheit die Rohstoffmärkte anheizen. Das Ergebnis kann da nur lauten: mehr Inflation. 

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%