Löhne und Preise in Kerneuropa steigen wieder
Mitnichten. Aus makroökonomischer Perspektive spricht viel dafür, dass die Wettbewerbsprobleme der Peripherieländer schon bald der Vergangenheit angehören. Gesamtwirtschaftliche Anpassungsreaktionen sind bereits voll im Gange und werden sich noch über Jahre fortsetzen. Vor allem dürfte die Arbeitslosigkeit angesichts der Konsolidierung der privaten und staatlichen Haushalte vorerst hoch bleiben. Dies und sinkende Löhne im öffentlichen Sektor dürften den Lohnanstieg deutlich verlangsamen, in einigen Ländern, etwa in Irland, sind die Pro-Kopf-Löhne bereits im vergangenen Jahr gesunken.
2010 dürfte sich der Rückgang beschleunigen und der Preisauftrieb in den Peripherieländern nachlassen. Möglicherweise wird das Preisniveau in einigen Ländern über mehrere Jahre hinweg fallen. Dies bedeutet, dass die EZB die Zinsen vermutlich noch über Jahre niedrig halten kann, ohne die Preisstabilität zu gefährden.
Aber auch in Kerneuropa sind Anpassungsreaktionen zu erwarten – in die andere Richtung. Die niedrigen Zinsen und die relativ robusten Arbeitsmärkte – in Deutschland ist die Arbeitslosigkeit in der Rezession kaum gestiegen und sinkt bereits wieder – beschleunigen den Lohn- und Preisauftrieb. Rascher steigende Preise in Kerneuropa und stagnierende oder fallende Preise in der Peripherie bedeuten, dass sich die Wettbewerbspositionen und Leistungsbilanzsalden in Zukunft annähern werden, so wie dies bereits seit dem Ende der Rezession zu beobachten ist.
Der „Schock“ der Währungsunion ist überstanden. Die Anpassung hat viele Jahre gedauert, weit mehr als im Maastricht-Konvergenzprozess vorgesehen. Sie ist noch nicht abgeschlossen, aber auf gutem Weg; in zwei Jahren wird niemand mehr über das Thema „Ungleichgewichte im Euro-Raum“ sprechen. Ein neuerliches Problem dieser Größenordnung ist nicht zu erwarten, in Zukunft dürfte die Geldpolitik weitaus gleichmäßiger wirken als bisher. Statt in eine neue Regelungs- oder Koordinierungswut zu verfallen, sollte Europa nun die Scherben aufkehren und optimistisch nach vorn blicken. Die Währungsunion hatte Kinderkrankheiten. Doch dem langfristigen Erfolg des Experiments stehen diese nicht im Wege.














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Alle Kommentare lesen27.07.2010, 18:28 UhrAnonymer Benutzer: mathias
Diese Ansicht zu vertreten, mag zwar legitim sein,und sein gutes Recht
Aber das er dafür auch bezahlt wird, zeigt nur das manche das Geld
mit beiden Händen rausschmeißen!
"Herr vergib ihnen,denn Sie wissen nicht was Sie tun"