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Denkfabrik: Sollen wir immer weiter wachsen?

von Karl-Heinz Paqué und Meinhard Miegel

Ein steigendes Bruttoinlandsprodukt gilt als wichtigste Quelle von Wohlstand und Innovation. Doch immer mehr Experten hinterfragen das klassische Wachstumsmodell.

Pro

Karl-Heinz Paqué Quelle: Foto: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Karl-Heinz Paqué Quelle: Foto: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Wachstum der Wirtschaft heißt vor allem Wachstum des Wissens. Wir Deutsche sind durch den Fortschritt unserer Technik im globalen Wettbewerb wohlhabend geworden, durch Ideen und Innovationen, durch den Einfallsreichtum der Menschen. Das statistische Ergebnis ist ein hohes Pro-Kopf-Einkommen. Wichtiger noch ist aber das, was wir dadurch gesellschaftlich erreicht haben – eine hohe Lebensqualität mit guter medizinischer Versorgung, ausgebautem Sozialstaat, solider Bildung, vielfältiger Kultur und gepflegter Umwelt.

Auf Wachstum verzichten hieße nicht nur, auf neue Ideen zu verzichten, sondern auch auf deren sozialen Ertrag. Das wäre ein hoher Preis. Und er würde in der Zukunft umso höher ausfallen, je schneller Asien, Lateinamerika und irgendwann auch Afrika wirtschaftlich aufholen. Unser Vorsprung würde dahinschmelzen. Es gibt in der Geschichte genug Beispiele von ehemals stolzen Wirtschaftszentren, die im Wettbewerb mit anderen die Führung einbüßten. Stets empfanden dabei die Menschen vor Ort die Stagnation nicht als kluge Selbstbescheidung, sondern als demütigenden Niedergang. Die fatale politische Antwort hieß oft genug: Abschottung statt Weltoffenheit. Wachstumskritiker gehen indes noch einen Schritt weiter. Sie sehen das Wachstum zwingend an Grenzen stoßen. National sind es die Grenzen der Innovationskraft in einer alternden Gesellschaft, die für sie zählen. Global sind es die Grenzen der Ökologie, allen voran der weltweite Klimawandel.

Die Fähigkeit der Menschen, diese Herausforderungen zu bewältigen, wird dabei als viel zu gering eingeschätzt. Beispiel Alterung: Gibt es nicht viele Möglichkeiten, die betriebliche Arbeitsteilung zwischen (mehr) Älteren und (weniger) Jüngeren so zu verbessern, dass genug Innovationskraft herauskommt? Können wir nicht Jüngere von unnützen Aufgaben entlasten und Ältere zu neuen Leistungen motivieren? Können wir nicht auch durch geeignete Zuwanderer unsere Innovationskraft ergänzen und stärken? Ähnliches gilt für die globalen Aufgaben, vor denen wir stehen. Der weltweite Energieverbrauch wird massiv steigen, denn große Entwicklungsländer industrialisieren sich. Die Menschen dort wollen auch wohlhabend werden, und niemand sollte versuchen, sie daran zu hindern. Um deren Wachstum in Einklang mit globalen ökologischen Zielen zu bringen, braucht die Welt neues technisches Wissen – in Deutschland genauso wie in China, Indien und Bangladesch. Dieses Wissen fällt nicht vom Himmel, sondern es entsteht vor allem durch eines: Wachstum.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.07.2010, 17:09 UhrAnonymer Benutzer: Libero

    ich halte diese Fragestellungen für absolut unzulässig und einen Ausdruck neokolonialistischer Weltmachtsansprüche. JETZT, wo die westliche Welt einen/ mehrere neue "Gegner" auf der Weltbühne bekommen hat, proklamieren WiR den Verzicht ? Wie arrogant ! Wollen wir tatsächlich den Menschen in Asien empfehlen, Verzicht zu üben nur weil "wir" nicht mehr mithalten? Unsere alternden, den leistungslosen Konsum (durch gesell. Umverteilung zu Lasten der Noch-Arbeitenden) propagierenden Lebensstil den anderen als Vorbild zu empfehlen ist eine maßlose Arroganz. WiR haben die Kontinente (Amerika, Afrika, Asien) ausgeplündert, die bevölkerung entweder ermordet und bis zum heutigen Tage in Sklaverei gehalten. WiR westl. Gesellschaften werden in Zukunft gar nichts mehr voranbringen. Wir werden in Schönheit untergehen und die Tigerstaaten & Co. preschen voran. WiR werden nicht mehr wachsen, wenn wir konsumieren nur noch - und das von Chinas Gnaden. Unsere Arroganz widerspieglt sich sei Jahren nur noch im Herrschaftsanspruch, der sich in immer mehr Kriegen manifestiert. Tatsächlich sind es Zeichen eines Unterganges unserer westl. Dekadenz. Ob wie die andern mitreißen steht in den Sternen und ist nicht zu hoffen.

  • 20.07.2010, 17:09 UhrAnonymer Benutzer: Libero

    ich halte diese Fragestellungen für absolut unzulässig und einen Ausdruck neokolonialistischer Weltmachtsansprüche. JETZT, wo die westliche Welt einen/ mehrere neue "Gegner" auf der Weltbühne bekommen hat, proklamieren WiR den Verzicht ? Wie arrogant ! Wollen wir tatsächlich den Menschen in Asien empfehlen, Verzicht zu üben nur weil "wir" nicht mehr mithalten? Unsere alternden, den leistungslosen Konsum (durch gesell. Umverteilung zu Lasten der Noch-Arbeitenden) propagierenden Lebensstil den anderen als Vorbild zu empfehlen ist eine maßlose Arroganz. WiR haben die Kontinente (Amerika, Afrika, Asien) ausgeplündert, die bevölkerung entweder ermordet und bis zum heutigen Tage in Sklaverei gehalten. WiR westl. Gesellschaften werden in Zukunft gar nichts mehr voranbringen. Wir werden in Schönheit untergehen und die Tigerstaaten & Co. preschen voran. WiR werden nicht mehr wachsen, wenn wir konsumieren nur noch - und das von Chinas Gnaden. Unsere Arroganz widerspieglt sich sei Jahren nur noch im Herrschaftsanspruch, der sich in immer mehr Kriegen manifestiert. Tatsächlich sind es Zeichen eines Unterganges unserer westl. Dekadenz. Ob wie die andern mitreißen steht in den Sternen und ist nicht zu hoffen.

  • 15.07.2010, 13:55 UhrAnonymer Benutzer: Alex

    So hab ich den Text verstanden:
    Sollen wir immer weiter wachsen?
    Pro: Wir müssen unseren Vorsprung vor den Schwellenländern halten.
    Wirtschaftliche Stagnation empfinden die Menschen als Niedergang.
    Wirtschaftswachstum führt zu Wachstum des Wissens.
    Contra:Wachstum führte bisher zum Raubbau der Ressourcen.
    Das muss sich ändern, aber "Zukunft braucht ein Wachstum, [..]".
    Also wurde die Frage nicht beantwortet.
    Letztlich sagen doch beide das gleiche aus, dass wir nämlich eine Wissensgesellschaft sind und weniger auf materielles Wachstum, sondern mehr auf bildung und innovation gesetzt werden solle. Das ist natürlich beleide nichts neues, wie auch im zweiten Absatz der Contra Argumentation geschrieben.
    Es hat jedoch absolut nichts mit der ursprünglichen Frage zu tun.

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