Denkfabrik: Steigende Renditen sind nicht in Sicht

kolumneDenkfabrik: Steigende Renditen sind nicht in Sicht

Kolumne

Sie warten darauf, dass die Renditen für Staatsanleihen endlich wieder steigen? Dann viel Spaß beim Warten. Das schwache Wachstum und die niedrigen Teuerungsraten in der Euro-Zone werden die Kapitalmarktzinsen noch lange nach unten drücken.

Die aktuellen Tiefstände bei den Renditen von Staatsanleihen sind die Folge eines lang anhaltenden Abwärtstrends, der zunächst durchaus durch Fundamentalfaktoren gedeckt war. Zinssenkungen sowie die „Great Moderation“ bei Wachstum und Inflation drückten die Renditen. Was jedoch überraschte, war der extreme Renditerückgang in den Hochzeiten der Krise. Besonders deutlich wurde dies in den Konsensschätzungen der Analysten, die im jährlichen Durchschnitt um 90 Basispunkte bei Bundesanleihen und 115 Basispunkte bei US-Staatsanleihen danebenlagen.

Diese konstant vergeblichen Vorhersagen höherer Renditen erinnern stark an ein Theaterstück von Samuel Beckett: Zwei Landstreicher warten auf einen gewissen „Godot“. Sie sind sicher, er wird kommen – doch er taucht niemals auf.

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Klaus Wiener ist Chefvolkswirt von Generali Investments Europe Quelle: Presse

Klaus Wiener ist Chefvolkswirt von Generali Investments Europe

Bild: Presse

Heute lässt sich nachvollziehen, warum die Renditen derart gesunken sind. Eine Reihe beispielloser Krisen seit 2008 hat Kapital in liquide und sichere Anleihemärkte gedrängt. Mitte 2012 aber kam die Wende.

Die US-Wirtschaft löste sich zunehmend aus der Krise, und auch im Euro-Raum gab es erste Anzeichen für eine Entspannung. Initialisiert durch Mario Draghis „Koste-es-was-es-wolle“-Rede zur Euro-Rettung zogen auch fundamentale Daten nach. Mittlerweile sind die Leistungsbilanzdefizite in Südeuropa und Irland abgebaut, das Bankensystem in der Währungsunion ist deutlich stärker kapitalisiert.

Kaum vorhersehbar

In der Folge fielen die Renditen, wenn auch in einem noch vor wenigen Monaten kaum vorhersehbaren Ausmaß. In Spanien, Italien und Irland fielen die Renditen für ein- bis dreijährige Staatsanleihen auf Rekordwerte von unter einem Prozent, und auch länger laufende Papiere erlebten eine massive Rally. Allerdings, während die Peripherierenditen zurückgingen, blieben die Renditen der Staatsanleihen in den Kernmärkten der Währungsunion auf ihren niedrigen Niveaus. Dies ist ein krasser Unterschied zu den Marktbewegungen während der Krise, als man eine stark negative Korrelation zwischen Kern- und Peripherierenditen in Europa beobachten konnte.

Brendan Simms "Europa muss das deutsche Problem lösen"

Historiker Brendan Simms fordert Europa auf, die Lehren aus 500 Jahren europäischer Geschichte zu ziehen – und Berlin in eine wirkliche politische Union zu drängen.

Deutschland ist größer, mächtiger und wirtschaftlich stärker als seine Nachbarn - und damit ein Problem, sagt Historiker Brendan Simms. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Hauptverantwortlich dafür sind die Zentralbanken. Mit Leitzinsen bei oder nahe null versuchen sie, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. In den USA ist dies zunehmend der Fall. Zwar war das Wachstum im ersten Quartal noch einmal leicht rückläufig. Dies ist aber Sonderfaktoren geschuldet.

Deutliche Gegenbewegung

Bereits im aktuellen Quartal ist mit einer deutlichen Gegenbewegung auf rund vier Prozent in der Jahresrate zu rechnen, und auch danach dürfte das Wachstum die Potenzialrate von 2,5 Prozent übertreffen. Entsprechend wird sich der Preisauftrieb beschleunigen. Erste Anzeichen gibt es bereits, Produzenten- und Importpreise zogen zuletzt an.

Zudem hat sich der Lohnauftrieb beschleunigt, was bei einer Arbeitslosenquote von aktuell nur noch 6,3 Prozent wenig überrascht. In diesem Umfeld wird die US-Notenbank voraussichtlich Mitte 2015 den Zinserhöhungszyklus einläuten – was die Kapitalmarkzinsen in den USA steigen lässt.

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