Der Ökonom: Schillernd-bunte Theorieoffensive gegen Armut

Der Ökonom: Schillernd-bunte Theorieoffensive gegen Armut

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Xavier Sala i Martín, Ökonom und Fußball-Funktionär

Xavier Sala i Martín zählt zu den weltweit schillerndsten Vertretern der Ökonomenzunft – und hat die neoklassische Wachstumstheorie umgekrempelt.

Er liebt es bunt. Xavier Sala i Martín, 45, trägt bei seinen Auftritten gerne ein knallrosa Jackett mit Schweinchenkrawatte oder ein Zebra-Sakko mit Dalí-Schlips. Die grelle Kostümierung steht in starkem Kontrast zu den ernsten Themen, mit denen sich der Professor der Columbia University in New York befasst: Armut, Ungleichheit und Wachstum.

Seit Anfang der Neunzigerjahre hat der Katalane die Wachstumsforschung entscheidend geprägt, 2003 verfasste er gemeinsam mit dem Havard-Ökonomen Robert Barro ein Standardwerk zu diesem Thema. Darin fordern die beiden, Wirtschaftspolitik auf das langfristige Wachstum auszurichten, statt Konjunkturschwankungen ausgleichen zu wollen: „Wenn wir mehr herausfinden können über Politikoptionen, die auch nur einen kleinen Effekt auf langfristige Wachstumsraten haben, dann können wir sehr viel mehr zur Erhöhung des Lebensstandards beitragen als die gesamte makroökonomische Analyse von antizyklischer Politik und Fine-Tuning.“

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Sala i Martín wendet sich damit gegen eine Generation von Makroökonomen, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren ihren Blick auf Konjunkturschwankungen verengt haben. Er argumentiert, dass die Auf- und Abschwünge der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Gesellschaft keine großen Kosten auferlegt haben. Deswegen hält er es für bedeutend wichtiger, langfristig Wachstum anzukurbeln. Er warnt sogar davor, dass krampfhafte kurzfristige Stabilisierung kontraproduktiv sein kann, wenn es die langfristigen Wachstumsaussichten bremst.

Der in Harvard promovierte Ökonom schuf gemeinsam mit Barro ein hybrides Wachstumsmodell, das eine neue Phase in der Wachstumstheorie einläutete. Nach dem neo-keynsianistischen Harrod-Domar-Ansatz, dem neoklassischen Modell von Robert Solow und Trevor Swan und dem endogenen Modell von Paul Romer und Robert Lucas entwickelten Sala i Martín und Barro das vierte große Modell in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Darin wird das Wachstum der Weltwirtschaft langfristig von den Innovationen in den führenden Ländern bestimmt. Da Imitation einfacher ist als Innovation, ist es für die Mehrzahl der Länder interessanter, den technologischen Vorreitern zu folgen, statt selbst zur Avantgarde zu zählen. Weil Nachmachen relativ kostengünstig ist, wachsen die nachfolgenden Länder schneller als die Vorreiter. Langfristig tendieren die Wachstumsraten überall zur Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts in den Vorreiter-Ländern.

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