Deutsche Konjunktur: Der Exportnation droht Unheil

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Deutsche Konjunktur: Der Exportnation droht Unheil

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Nachdem im März die Auftragszahlen der Industrie noch ein kräftiges Plus verbuchen konnten, scheinen sich nun die Krisensymptome der Weltwirtschaft auf die deutsche Konjunktur auszuwirken - Besonders die Automobilbranche bekommt das momentan zu spüren

von Bert Losse

Es gibt Zahlen, die bekommt man als Bundeswirtschaftsminister lieber nicht auf den Tisch. Doch zum ersten Mal seit Langem musste Philipp Rösler (FDP) zuletzt schlechte Daten aus der deutschen Wirtschaft vermelden.

Die Industrieproduktion ist im April um 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken, die Auftragseingänge gingen um 1,9 Prozent zurück. Während die Bestellungen aus dem Inland um 0,4 Prozent zulegten, brach die Nachfrage aus dem Ausland nach deutschen Gütern und Dienstleistungen um 3,6 Prozent ein. Zugleich meldete das Kraftfahrtbundesamt kräftige Bremsspuren in Deutschlands Vorzeigebranche, der Automobilindustrie. Die Zahl der Neuzulassungen brach im Mai um knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Besonders hart traf es die Hersteller Ford (minus 7,5 Prozent) und Opel (minus elf Prozent).

Zahlen der deutschen Wirtschaft im Überblick (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

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Die Lage verschlechtert sich

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Bislang hatte die deutsche Wirtschaft das Chaos in der Europäischen Währungsunion und die zunehmenden Krisensymptome der Weltwirtschaft ohne größere Blessuren weggegesteckt. Noch im März verzeichnete die Industrie ein kräftiges Auftragsplus von 3,2 Prozent. Doch die Lage wird zunehmend diffus. Auf der einen Seite gibt sich die Wirtschaft, zumindest offiziell, unverändert optimistisch. Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst&Young etwa rechnen nur neun Prozent der Firmenlenker damit, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland in den kommenden Monaten verschlechtert. Die volkswirtschaftlichen Frühindikatoren indes zeigen mittlerweile mehrheitlich bergab. Der viel beachtete Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts krachte zuletzt um drei Zähler nach unten. Und nun hat auch der Earlybird-Frühindikator, den die Commerzbank exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt, den Rückwärtsgang eingelegt.

Das Bruttoinlandsprodukt und Earlybird-Konjunkturbarometer (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Das Bruttoinlandsprodukt und Earlybird-Konjunkturbarometer (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Das Barometer, das einen Vorlauf gegenüber der Realwirtschaft von sechs bis neun Monaten hat, sank – wenn auch nur leicht – auf 2,35 Punkte. Der Indikator erfasst den Außenwert des Euro, die kurzfristigen Realzinsen sowie (als Messgröße für die Lage der Weltwirtschaft) den Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie (ISM).

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Ist also die Stimmung womöglich besser als die Lage? Das Ausfuhrklima ist wegen des schwächeren Euro zwar insgesamt noch stabil, doch die Uhr tickt. Der Exportnation Bundesrepublik droht Unheil aus allen Weltregionen. Das Wachstum in der Euro-Zone ist im ersten Quartal des Jahres zum Erliegen gekommen. Der Einkaufsmanagerindex für Euro-Land sank in der vergangenen Woche auf 46 Zähler, das ist der schwächste Wert seit Juni 2009. Aus den USA kamen überraschend schlechte Arbeitsmarktdaten, Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien verlieren stark an Dynamik. Allzu lange dürfte sich Deutschland davon nicht mehr abkoppeln können.

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