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Deutsche Konjunktur: Deutsche Kommunen versinken in Schulden

Quelle: Handelsblatt Online

Das Haushaltsdefizit vieler deutscher Kommunen gerät immer mehr aus dem Ruder. Trotz der guten Wirtschaftslage versinken die Städte und Gemeinden in den Schulden. Die Experten sehen nur noch einen Ausweg.

Nordrhein-Westfalen

Das bevölkerungsreichste Bundesland hatte 2011 die höchste Neuverschuldung mit über 2,9 Milliarden Euro. Damit stieg die Gesamtverschuldung Nordrhein-Westfalens auf insgesamt 126 Milliarden Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung ist allerdings vergleichsweise gering gestiegen, nämlich um 165 Euro pro Landesbürger.

Bild: dpa

Trotz der guten Wirtschaftslage droht einer wachsenden Zahl von Städten die Schuldenfalle. Fast jede zweite Kommune wird einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge in den kommenden Jahren tiefer in die roten Zahlen rutschen. "Dass sie überhaupt aus eigener Kraft ihre Schulden jemals werden tilgen können, erwarten nur noch zwei von drei Kommunen", erläuterte Ernst & Young-Partner Hans-Peter Busson.

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Die Kämmerer stellen sich für 2013 auf weniger Einnahmen ein. Zudem fürchten sie steigende Sozialausgaben, etwa für die Grundsicherung im Alter. Bürger klammer Kommunen müssen sich zugleich auf höhere Steuern und Gebühren gefasst machen. Jede dritte Gemeinde will die Grundsteuer für Immobilienbesitzer erhöhen.

Die im Grundgesetzt verankerte Schuldenbremse schreibt vor, dass die Bundesländer ab 2020 ohne neue Schulden auskommen müssen. Bis dahin sollte der Haushalt strukturell ausgeglichen sein. "Der Vergleich der sehr unterschiedlichen finanziellen Rahmenbedingungen der Bundesländer zeigt, wo die Konsolidierung der Länder- und Kommunalfinanzen ansetzen kann", kommentiert PwC-Vorstandssprecher Norbert Winkeljohann. In der Studie wurde auf Basis der Finanzsalden 2011 berechnet, in welchem Maß Länder-und Kommunalausgaben bis 2020 sinken beziehungsweise steigen sollten. Dabei wurden Steuereinnahmen, Mittel aus dem Länderfinanzausgleich und Bundesergänzungszuweisungen berücksichtigt und die Ausgabenseite um Zins-und Pensionsverpflichtungen bereinigt.

Bild: dpa

Wie Ernst & Young in der Umfrage unter 300 Kommunen mit jeweils mehr als 20.000 Einwohnern ermittelte, rechnen die Kämmerer für 2013 mit um 0,9 Prozent schrumpfenden Gesamteinnahmen im Vergleich zum Jahr 2011. Die Gelder aus der Gewerbesteuer sollen 2013 sogar um 1,1 Prozent zurückgehen: "Offensichtlich rechnen die Kommunen mit einer schwachen Konjunkturentwicklung", erklärte Busson. Zugleich weisen immer mehr Städte ein Defizit auf. Voraussichtlich mehr als die Hälfte werden das Haushaltsjahr 2012 mit roten Zahlen abschließen - drei Prozentpunkte mehr als 2011. Der Anteil der Gemeinden mit Haushaltsüberschuss sinkt sogar um 13 Punkte. Immer mehr Städte und Gemeinden müssen daher sogenannte Haushaltssicherungskonzepte erstellen, wobei die Kommunalaufsicht den Kämmerern genau auf die Finger schaut. In den vergangenen drei Jahren mussten 45 Prozent der Kommunen den Aufsehern Spar- und Schuldenabbaupläne vorlegen. In den kommenden drei Jahren werden es voraussichtlich 64 Prozent sein.

Schuldenlast erdrückend

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Jede fünfte Kommune weist einen Gesamtschuldenstand auf, der das jährliche Haushaltsvolumen übersteigt. Fast jede zweite Stadt rechnet damit, dass der Schuldenberg in den kommenden drei Jahren größer wird. Zugleich geht die Schere zwischen armen und reichen Gemeinden immer stärker auseinander. Von den Kommunen, die 2012 einen Haushaltsüberschuss aufweisen, gehen 61 Prozent davon aus, dass sie ihre Schulden in den kommenden drei Jahren verringern können. Die Kommunen mit Haushaltsdefizit sind pessimistischer: Nur 28 Prozent erwarten einen Rückgang.
Um der Finanzmisere Herr zu werden, setzen Städte und Gemeinden weiter den Rotstift an. 41 Prozent planen, Leistungen zu reduzieren oder abzuschaffen - etwa bei der Straßenbeleuchtung oder bei der Kinderbetreuung. 81 Prozent der Kommunen wollen 2012/13 zudem Steuern und Gebühren erhöhen. (Reporter: Reinhard Becker; redigiert von Thomas Seythal)


8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.11.2012, 21:50 Uhrshadowdancer

    Der Staat spart ja gar nicht ! Wir könnten schon längst einen ausgelichenen Haushalt haben !

  • 02.11.2012, 13:04 UhrPFDE

    Die Politik schon gar nicht, aber auch die Presse und die Kommentartoren befassen sich nicht wirklich mit modernen Lösungsansätzen. Wir bewegen uns noch immer in veralterten Strukturen, die dem 21. Jahrhundert nicht mehr gerecht werden.
    Die Politik muss erst mal die gesamten staatlichen Strukturen auf den Prüfstand stellen und verändern, anstatt immer die Bürger zu belasten. Wo soll das enden, wenn wir uns nicht mehr neu verschulden können, die Wirtschaft mal schwächelt und die Arbeitslosenzahl grösser wird?
    Die Lösung muss sein: Kompetenz in die Verantwortlichen bei der Politik, gute Bezahlung, keine Nebenjobs, keine Lebensrenten und Haftung für grob fahrlässiges Verhalten bei den Steuerausgaben. Alle zahlen in die Sozialtöpfe und alle die wirklich die Solidarität benötigen bekommen würdevolle Hilfe. Alle Behörden werden neu strukturiert, ohne Ausnahme. Die Mehrwertsteuersätze werden neu geregelt. Die Versorger der Bevölkerung, z.B. mit Energie, werden reguliert. Die Politik steht der Wirtschaft nicht mehr im Wege. Da die Bundesrepublik ein föderaler Staat in der EU ist und die EU auch immer mehr diese Struktur fordert, braucht Deutschland auch keinen nationalen Föderalismus. Also mittelfristig Abschaffung der Landesregierungen und hin zu regioanlen Kompetenzzentren. Regionale Kultur fördern, aber die Politik zentralisieren. Wenn diese und viele, viele weitere Maßnahmen ergriffen worden sind, gibt es auch genug Mittel für die Menschen, die Kommunen und die Schwachen. Wir vom Vorstand der PFDE haben Lösungen aufgezeichnet, die eine moderne Politik verkörpern und die Bürger nicht als Melkkühe mißbraucht, solange die eigenen Hausaufgaben nicht gemacht sind.
    Ihr Michael Romeiser

  • 02.11.2012, 10:50 Uhrallesverloren

    Der Bund sollte alle kommunalen Schulden übernehmen. Dann haben wir dort ein Problem weniger und die Begehrlichkeiten unserer Eurofreunde bleiben im Zaum.

    Sobald nämlich die Banken-Union realisiert sein wird, sind unsere Ersparnisse ohnehin weg, aber in Griechenland etc. Deshalb ist es besser, jetzt etwas für unsere Kommunen zu tun.

    Also liebe Bundesregierung, übernehmt alle kommunalen Schulden.

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