Deutscher Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit im Oktober weiter gesunken

Deutscher Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit im Oktober weiter gesunken

, aktualisiert 26. Oktober 2015, 08:33 Uhr
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Ein Kunde geht durch die Tür des Jobcenters.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich gebessert. Allerdings dürften die Zeiten der sinkenden Arbeitslosenzahlen bald vorbei sein.

Dank des jährlichen Herbstaufschwungs dürfte sich die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Oktober weiter verbessert haben. Nach wie vor sei der Jobmarkt in guter Verfassung, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Daher werde die Zahl der Erwerbslosen voraussichtlich bei etwa 2,66 Millionen liegen. Das wären rund 70.000 weniger als im Vorjahr.

Doch die Zeiten stagnierender oder gar sinkender Arbeitslosigkeit gehen nach Einschätzung der Experten allmählich zu Ende. „Ein paar Bremseffekte werden in den nächsten Monaten zu sehen sein“, sagte etwa Stefan Kipar von der Bayerischen Landesbank.

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  • Arbeitslosenquote

    Rund 2,7 Millionen Menschen in Deutschland - das sind 6,3 Prozent - sind heute arbeitslos (Stand: Oktober 2014). Vor zehn Jahren war noch jeder Zehnte (10,1 Prozent) ohne Job, 4,4 Millionen Menschen hatten keine Arbeit (Stand: Oktober 2004). Im darauffolgenden Jahr erreichte die Arbeitslosigkeit mit rund fünf Millionen Arbeitslosen ihren Spitzenwert seit der Wiedervereinigung. Im Wesentlichen hing diese Entwicklung mit der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammen („Hartz-IV-Effekt“).

  • Geschlecht

    Den Zahlen nach zu urteilen haben Frauen heute wie damals kein größeres Risiko als Männer, arbeitslos zu werden. Der tatsächliche Anteil arbeitsloser Frauen dürfte dennoch höher liegen: Statistiker vermuten, dass insbesondere unter Frauen die stille Reserve höher liegt, weil viele keine Vermittlungschancen mehr sehen.

  • Ost-West-Vergleich

    Im Jahresmittel 2004 betrug die Arbeitslosigkeit im Westen 8,5 Prozent, im Osten war sie mit über 18 Prozent mehr als doppelt so hoch.

    Der Abstand hat sich inzwischen merklich verringert, ist aber weiterhin groß: Im Westen liegt die Quote heute bei etwa sechs Prozent, im Osten bei etwa zehn Prozent. Während das Potenzial an Menschen, die einer Arbeit nachgehen können, in Gesamtdeutschland stieg, sank es im Osten leicht.

  • Jugendliche

    Der Anteil der Arbeitslosen unter 25 Jahren ist in den vergangenen zehn Jahren zwar zurückgegangen. 2005 waren in dieser Altersgruppe noch knapp 15 Prozent arbeitslos, heute hat sich die Zahl mehr als halbiert. Ein Grund zum Jubeln ist das aber nur bedingt: Schließlich sinkt aus demografischen Gründen seit Jahren die Zahl der jungen Erwachsenen insgesamt. Die Arbeitslosenquote der Unter-25-Jährigen liegt seit zehn Jahren konstant etwa drei Prozentpunkte über der Gesamtquote.

  • Ältere

    In den vergangenen zehn Jahren stieg der Anteil der 55- bis 64-Jährigen an der Gesamtarbeitslosigkeit von 25 auf über 33 Prozent. In absoluten Zahlen waren aber weniger Ältere arbeitslos. Denn auch hier spielt die demografische Entwicklung eine Rolle. 2005 waren gut 15 Millionen Menschen zwischen 50 und 64 Jahre alt, 2015 werden es bereits über 18 Millionen sein. In dieser Gruppe hat sich der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit 2005 um knapp zehn Prozentpunkte erhöht, denn die Zahl der arbeitenden Älteren ist auf knapp 9 Millionen angestiegen.

  • Offene Stellen

    Die bei der Bundesarbeitsagentur gemeldeten offenen Stellen sind in den vergangenen zehn Jahren mehr geworden - mit einem deutlichen Knick zur Finanzkrise 2009. Im Jahr 2005 waren 256.000 Stellen als offen gemeldet, 2013 waren es 434.000. Seit 2012 ist die Zahl der offenen Stellen wieder rückläufig.

Für das kommende Jahr rechnen die meisten Volkswirte mit leicht steigenden Arbeitslosenzahlen. Sie führen dies auf die Konjunkturabkühlung in Schwellenländern wie etwa in China zurück, aber auch auf die große Zahl von Flüchtlingen, die nicht sofort in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden könnten. Auch der VW-Abgas-Skandal könnte den Jobmarkt treffen, befürchten einzelne Volkswirte.

Nach ihrer Anerkennung werden sich viele Flüchtlinge zunächst arbeitslos melden, sind sich die Experten einig. Denn für viele sind mangelnde Deutschkenntnisse und fehlende Qualifikationen ein Problem. „Dies wird dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt über der von 2015 liegen wird“, sagte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. Während die Volkswirte für dieses Jahr von einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 2,8 Millionen ausgehen, könne diese Zahl 2016 auf 2,9 Millionen steigen.

Die Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt werde zudem Jahre dauern, sagte Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. „Das ist ein sehr langer Prozess, der da ansteht - auch, weil die Anerkennung als Asylbewerber sich bei vielen sehr stark verzögert.“

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) können nur knapp zehn Prozent der anerkannten Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter sofort eine Arbeit in Deutschland aufnehmen. Erst nach vier Jahren steigt der Anteil auf annähernd 50 Prozent. Nach 14 Jahren sind demnach drei Viertel der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt integriert. Stefan Kipar betont dennoch: „Das kann der deutsche Arbeitsmarkt stemmen. Es ist eine Herausforderung, aber schaffbar.“

Die meisten Experten glauben nicht, dass der Abgas-Skandal große negative volkswirtschaftliche Auswirkungen haben wird. „Den VW-Effekt wird man sehen, aber das wird kein sehr starker Effekt sein“, sagte etwa Kipar. Vorstellbar sei, dass zunächst Neueinstellungen gestoppt werden, etwa bei VW selbst oder bei Zulieferern. Heiko Peters von der Deutschen Bank sagte, durch den Rückruf könnte es zunächst sogar mehr Arbeit geben. Gefährlich werde es erst dann, wenn deutsche Produkte insgesamt infrage gestellt würden. „Das halten wir aber für relativ unwahrscheinlich.“

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Mehr Sorgen macht den Experten die Entwicklung in Schwellenländern - allen voran in China. „Das internationale Umfeld ist eine Belastung. Das wird sich nächstes Jahr auch auf dem Arbeitsmarkt zeigen“, sagte Michael Holstein von der DZ-Bank. Auch Tuchtfeld sagte: „Die Abkühlung ist im Gange und Schleifspuren sind auch in Deutschland zu erkennen.“ Der Abbau der Erwerbslosigkeit werde dadurch nicht mehr so schnell vonstattengehen wie zuletzt.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahl im Oktober geht vor allem auf den üblichen Herbstaufschwung zurück. Nach den Sommerferien stellen viele Firmen wieder verstärkt Mitarbeiter ein. Auch Ausbildungsabsolventen finden nach vorübergehender Arbeitslosigkeit einen Job. Die offiziellen Erwerbslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag (29. Oktober) veröffentlichen.

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