Deutscher Aufschwung: Der Druck im Euro-Kessel nimmt zu

KommentarDeutscher Aufschwung: Der Druck im Euro-Kessel nimmt zu

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Während sich in Deutschland und einigen kleineren Ländern der Euro-Zone der Aufschwung fortsetzt, fallen die Krisenländer im Süden der Währungsunion wirtschaftlich immer weiter zurück. Der Druck im Kessel der Währungsunion nimmt zu, die Europäische Zentralbank steckt in einem Dilemma.

Der Wintereinbruch Ende vergangenen Jahres hat der deutschen Wirtschaft nur wenig angehabt. Das reale Bruttoinlandsprodukt legte im vierten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erwiesen sich die Exporte sowie die Ausrüstungsinvestitionen als wichtigste Triebfedern des Aufschwungs. Auch die privaten Konsumausgaben legten vor dem Hintergrund der besseren Entwicklung am Arbeitsmarkt leicht zu. Dagegen brachen die Bauinvestitionen angesichts des kalten und schneereichen Winterwetters ein. Im Dezember lag die Produktion am Bau um rund 24 Prozent unter dem Niveau vom November.

Ohne den schweren Wintereinbruch wäre die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal nach Berechnungen von Analysten um 0,7 Prozent gewachsen – ebenso stark wie im dritten Quartal. Damit bleibt Deutschland der wichtigste Konjunkturmotor der Euro-Zone. Nur die kleineren Länder des alten D-Mark-Blocks konnten mithalten. In den Niederlanden und Österreich legte das reale Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um jeweils 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.

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Wirtschaftsleistung schrumpft spürbar

Die Krisenländer der Euro-Zone rutschen dagegen konjunkturell immer weiter ab. In Spanien (plus 0,2 Prozent) und Italien (plus 0,1 Prozent) legte das BIP zwar minimal zu. In Portugal (minus 0,3 Prozent) und Griechenland (minus 1,4 Prozent) schrumpfte die Wirtschaftsleistung jedoch spürbar. Experten gehen davon aus, dass die griechische Wirtschaft frühestens Ende dieses Jahres die Rezession überwinden wird.  

Die diametralen Konjunkturverläufe zeigen, dass die Euro-Zone weit davon entfernt ist, ein optimaler Währungsraum zu sein. Sie wird es in absehbarer Zeit auch nicht werden. Denn die  einheitliche Geldpolitik, die die Europäische Zentralbank für die Währungsunion betreibt, kann für einen solch heterogenen Haufen wirtschaftlich auseinander strebender Länder nicht funktionieren. Deutschland mit seiner starken Wirtschaft benötigt einen deutlich höheren Zins als das in Rezession und Anpassungskrise gefangene Griechenland.

Euro-Leitzins

Die Hoffnung der EZB, sie könne sich mit ihren Zinsentscheidungen am Durchschnitt der Euro-Länder orientieren, erweist sich immer mehr als Illusion. Dieser Ansatz mag funktionieren, wenn die Varianz der Wachstumsraten gering ist. Er funktioniert aber nicht mehr, wenn die Raten so stark streuen wie derzeit. In ihrer Sorge um die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität der Südländer und die Zukunft der Euro-Zone betreibt die EZB daher schon längst eine Geldpolitik, die sich an den Bedürfnissen der Krisenländer orientiert.

In der Folge  wird der Euro-Leitzins für Deutschland noch längere Zeit zu niedrig bleiben. Kurzfristig wird das die Binnennachfrage ankurbeln und den Aufschwung verstärken. Doch mittelfristig drohen hierzulande als Folge zu niedriger Zinsen Fehlinvestitionen, Blasen und eine beschleunigte Inflation. So könnte Deutschland unter dem Regime der einheitlichen Geldpolitik der EZB seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit, die es sich in den vergangenen Jahren mühsam erarbeitet hat, mittelfristig wieder verlieren.

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