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kolumneDie Freytags-Frage: Sind Inflationsängste Ausdruck einer Neurose?

Kolumne von Andreas Freytag

Die Deutschen fürchten wegen der Schuldenkrise um den Wert ihres Geldes. Doch wi e berechtigt ist die Angst vor Inflation? Unser Kolumnist antwortet.

Die Bevölkerung im Jemen fordert, ihren ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh zur Rechenschaft zu ziehen - für die getöteten Bürger während der Jasmin-Revolution. Das Land verzeichnet derweil eine Inflation in Höhe von 17,61 Prozent.

Quelle: IWF, Angaben in Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat

Bild: dpa

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In der öffentlichen Diskussion ist viel von Inflationsängsten der Deutschen die Rede, die in anderen Nationen weniger weit verbreitet seien. Vor allem vor dem Hintergrund der erfolgreichen Geldpolitik der EZB in den ersten 13 Jahren ihrer Existenz (mit Inflationsraten unter denen der Deutschen Bundesbank) werden die Warnungen vor Inflation oftmals als überflüssig, gar schädlich abgetan. Diese Lässigkeit ist nicht geboten, wie bereits wenige Überlegungen zu den Wirkungen der Inflation zeigen.

Erstens ist Inflation ungerecht, denn sie benachteiligt die Sparer und bevorzugt die Schuldner. Wer zehn Jahre sein Geld dem Bundesfinanzminister überlässt (zu 1,8 Prozent jährlichen Nominalzinsen), erleidet bei einer jährlichen Inflationsrate von 2,5 Prozent einen kumulierten Realverlust von etwas über 6,5 Prozent; bei vier Prozent durchschnittlicher Inflation beträgt der Verlust schon nahezu 25 Prozent, und bei sechs Prozent Inflation verliert man in zehn Jahren bereits ein Drittel an realem Vermögen. Der Bund vermindert seine Schulden um den gleichen Anteil. Diese einfachen Rechnungen erklären das Interesse von Regierungen an Inflation, das regelmäßig aus offiziellen Äußerungen herauszuhören ist. Der Prozess wird als finanzielle Depression bezeichnet; er findet bereits statt; Festgeldbesitzer werden noch stärker geschröpft.

Wie dieses Beispiel außerdem anschaulich zeigt, ist die Gruppe der Gewinner wesentlich kleiner als diejenige der Verlierer. Große Schuldner und Banken gewinnen, viele kleine Gläubiger verlieren (denn die Reichen, also großen Geldbesitzer finden regelmäßig Mittel und Wege, ihr Kapital außer Landes zu bringen). Insbesondere die Mittelschicht, das sogenannte Bürgertum, verliert. Armut greift um sich. Somit drohen weiterhin erheblich soziale Spannungen, die letztlich neben der ökonomischen auch die gesellschaftliche Stabilität in Frage stellen. Die Weimarer Republik hat in Zeiten der Hyperinflation diese Erfahrung machen müssen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.12.2012, 20:18 UhrGesang

    Jürgen E. Gesang, Hamburg

    Sehr gut zu wissen, dass wir in inflationären Zeiten leben. Die meisten ahnen es, viele spüren es und dem Mittelbau schlottern die Knie. Zu Recht. Ich erinnere mich noch an einen frechen Satz des Herren Ottmar Issinger, damals noch Chef-volkswirt der EZB, er sprach den fast beleidigenden Satz - gegen die Deutschen - im Interview mit der WIRTSCHAFTSWOCHE aus..."...Wer ANgst hat, der sollte zum Pschychiater gehen". Kurz, der Euro hatte einfach keine Verteuerungen der Güter zu HABEN ! Rumms. Issinger hatte gesprochen. So ein wenig verstehe ich ja nun auch von Statistik, immerhin zwei intensive Semester gleistet, verstehe ein wenig davon, wie man Einflusssvariable konstruiert.
    Sehr stark vereinfacht , aber im wesentlichen sehr anschaulich und treffsicher pointiert, mach ich jedem selbst ernannten " Statistik-Wissenschaftler " aus einem runtergewirtschafteten Habenichts im Eilverfahren einen Millionär! Man nehme einen Einkommensbezieher von jährlich vier Millionen Euro Einkünften, bastelt eine Grundmenge von vier Personen, von denen drei monatlich 1000 verdienen, dividiere durch vier und fertig sind die MILLIONÄRE: So primitiv arbeiten Statistiker natürlich nicht, sie schon durchtriebener und raffinierter, aber unterm Mikroskop gesehen wird so und nicht anders von der Zunft gearbeitet... Man baut Warenkörbe und packt Dinge hinein, die die Preise insgesamt kräftig nach unten drücken. Warum also sollen wir hinterlistige Trickser, Wissenschaftler genannt, für seriöser halten als sie wirklich sind ? Im Ernst jetzt mal...Man möge doch bitte nicht jeden im Lande für unkritisch und manipulierbar halten. Gell!
    Jürgen E. Gesang

  • 30.11.2012, 09:24 UhrRepublikaner

    Inflation ist zutieftst unsozial und hinterhältig. Klar ist, daß die EZB ihrem Auftrag nicht nachkommt und darüberhinaus Staatsfinanzierung mit der Notenpresse betreibt.Die offiziellen Infaltionszahlen sind getürkt bis zum geht nicht mehr. Ich habe neulich mit dem Leiter eines Suüpermarktes gesprochen. Er berichtete von Preisstiegerungen bis zu 15% in den letzten Monaten. Beispiele: 1kg Trauben € 5 (ein Luxusartikel geworden!) i kg Wahlnüsse € 8(letztes Jahr noch die Hälfte - fröhliche Weihnacht)
    Inflation trifft vor allem diejenigen mit geldwerten Ansprüchen auf Lebensversicherungen und Renten - die werden regelrecht entwertet! 1923 dem Jahr der Hyperinflation war gekennzeichnet durch bitterste Armut und lange Schlangen vor den öffentlichen Suppenküchen. Sinniger Weise ist Inflation für den öffentlichen Schuldner(nehmen wir GR) eine tolle Party. Ich habe auch nicht den eindruck, daß ein einziger unserer Politiker Geldwertstabilität irgendwie ernst nimmt. Wir brauchen in diesem Land eben neue Parteien - die alten habens hinter sich.

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