Diskussion um Leistungsüberschüsse (1): Deutschland hat die richtige Strategie

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kolumneDiskussion um Leistungsüberschüsse (1): Deutschland hat die richtige Strategie

Kolumne

Deutschland erwirtschaftet seine viel kritisierten Leistungsbilanzüberschüsse vor allem mit Ländern außerhalb der Euro-Zone. Die EZB-Geldpolitik und die Rettungskredite an die Euro-Krisenländer tragen dazu nicht bei. Höhere Investitionen in Deutschland würden helfen, die Überschüsse abzubauen.

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Marcel Fratzscher

Die EU-Kommission, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Regierung der USA kritisieren Deutschland für seine hohen Exportüberschüsse. Deutschland schade seinen Nachbarn, weil die Wirtschaft zu wettbewerbsfähig sei und dies Unternehmen in anderen Ländern keine Chance lässt, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten.

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn dagegen sieht Deutschland als den Geschädigten. Er argumentiert, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den hohen Exportüberschüssen beiträgt. So haben die Liquidität oder Rettungskredite der EZB privates Kapital ersetzt und es den Krisenländern zum einen ermöglicht, weiterhin Importe vor allem aus Deutschland zu kaufen und über ihre Verhältnisse zu leben. Zum anderen seien diese Kredite von den Krisenländern dafür genutzt worden, ihre Schulden bei anderen Ländern zurückzuzahlen, welche dann wiederum für den Kauf deutscher Exporte verwendet wurden. Faktisch, so Sinn, bezahle Deutschland mit seinen exportierten Autos die Schulden der Krisenländer.

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Denkfabrik Kredite stützen die deutschen Überschüsse

Kein anderes Land hat 2013 derart hohe Leistungsbilanzüberschüsse erzielt wie Deutschland. Eine Trendwende ist 2014 nicht in Sicht. Wie kann das sein, wo doch die Wirtschaft in Europa lahmt?

Quelle: Falk Heller für WirtschaftsWoche

Die Wirklichkeit ist jedoch eine andere. Tatsache ist, dass Deutschland 2013 einen Leistungsbilanzüberschuss von 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aufwies, diesen Überschuss aber hauptsächlich gegenüber Ländern außerhalb der Euro-Zone erwirtschaftet hat. Dagegen haben die Krisenländer Spanien, Italien und Portugal heute alle eine ausgeglichene Leistungsbilanz und importieren sehr viel weniger Güter aus Deutschland als noch zu Beginn der Krise. Gleichzeitig sinkt seit dem Sommer 2012 die Inanspruchnahme der Kredite der EZB, die Targetforderungen der Deutschen Bundesbank gehen deutlich zurück. Dies bedeutet, dass netto wieder privates Kapital in die Krisenländer fließt. Die von Sinn richtigerweise betonte Identität von Kapitalverkehr und Leistungsbilanz schließt also den Zusammenhang zwischen den Überschüssen Deutschlands und den Leistungsbilanzen beziehungsweise Kreditrückzahlungen der Krisenländer aus.

Diese Tatsachen zeigen auch, dass die Rettungspolitik der EZB erfolgreich war: die von der EZB bereitgestellte Liquidität hat den Unternehmen und Menschen in den Krisenländern während der vergangenen Jahre Zeit verschafft, Reformen umzusetzen und einen geordneten Anpassungsprozess – auch der Leistungsbilanzdefizite – zu ermöglichen. Dieser Prozess ist auf einem guten Weg, das Vertrauen und private Investitionen aus Deutschland und anderen Ländern kehren wieder zurück. Dies verdeutlicht, dass Deutschland nicht der Geschädigte dieses Prozesses ist: EZB-Kredite haben es bis 2012 deutschen Investoren ermöglicht, ihre Gelder aus Krisenländern abzuziehen und höhere Verluste zu vermeiden.

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