DIW-Chef rät zu Investitionen: Die Deutschen sparen zu viel

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DIW-Chef rät zu Investitionen: Die Deutschen sparen zu viel

Ob Bildung, Infrastruktur oder Energie - wenn Deutschland in zehn Jahren gut dastehen will, muss es laut DIW-Chef Fratzscher investieren statt sparen. Zudem seien die Geldanlagen viel zu schlecht.

Das meint zumindest der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. "Deutschland spart zu viel und legt das Geld viel zu schlecht an", sagte er im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Er sieht sowohl staatliche als auch private Investoren in der Pflicht, ihr Geld lieber in Deutschland anzulegen anstatt in marode ausländische Banken oder dubiose Immobilienkredite in den USA.

Was für und gegen eine Rezession in Deutschland spricht

  • Dafür: Exporte

    Bislang haben sich die Exporteure wacker geschlagen. Um mehr als vier Prozent haben sie ihren Auslandsumsatz in den ersten neun Monaten gesteigert, die Umsatzgrenze von einer Billion Euro dürfte das zweite Jahr in Folge geknackt werden. Doch die Tendenz zeigt deutlich nach unten: Im September fielen die Ausfuhren um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat - das war das erste Minus seit Anfang 2010 und zugleich das stärkste seit November 2009. Grund: Die Nachfrage aus den Euro-Ländern - wohin etwa 40 Prozent der Waren "Made in Germany" gehen - bricht wegen der Rezession in Italien, Spanien & Co ein. Sie fiel um 9,1 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Die Industrieaufträge aus der Euro-Zone sanken zuletzt um 9,6 Prozent. Und die EU-Kommission sagt wichtigen Handelspartnern wie Italien und Spanien auch für 2013 eine Rezession voraus. "Außenwirtschaftliche Impulse dürften in den kommenden Monaten ausbleiben", befürchtet das Bundeswirtschaftsministerium. "Das nächste Jahr wird zäh", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier.

  • Dafür: Investitionen

    Wegen der ungewissen Aussichten - nicht zuletzt im Exportgeschäft - investieren viele Unternehmen weniger. Seit Ende 2011 gehen ihre Investitionen in Maschinen, Anlagen und Geräte von Quartal zu Quartal zurück. "Das ist gewöhnlich ein Vorbote für eine Rezession", sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. Die Investitionen dürften in diesem Jahr um 3,3 Prozent schrumpfen, sagen die Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten für die Bundesregierung voraus. 2013 rechnen sie nicht mit einer echten Erholung, sondern nur mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. 2011 sah das noch ganz anders aus: Damals zogen die Ausrüstungsinvestitionen um 7,0 Prozent an und verhalfen der Wirtschaft zu einem kräftigen Wachstum von 3,0 Prozent. "Die Unternehmen warten ab, wie sich die Schuldenkrise weiter entwickelt", sagt DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle.

  • Dagegen: Konsum

    Das einstige Sorgenkind hat sich zur großen Stütze der deutschen Wirtschaft entwickelt. Wegen der niedrigen Arbeitslosigkeit und steigender Reallöhne sitzt das Geld bei den deutschen Verbrauchern wieder lockerer. Die Chancen stehen gut, dass dies auch so bleibt. Denn alle Experten sagen einen stabilen Arbeitsmarkt voraus. Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2013 sogar mit einem Beschäftigungsrekord. Zudem sollen die Bruttolöhne mit 3,2 Prozent fast genauso schnell steigen wie im zu Ende gehenden Jahr mit 3,7 Prozent. Entlastet werden viele Deutsche zudem von der Senkung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Krankenversicherung, der von 19,6 auf 18,9 Prozent fällt. Zusätzlich entfallen die zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal. "Es ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, dass der Konsum in den kommenden Monaten nachgibt", sagt der Präsident des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser.

  • Dagegen: Bauboom

    Stabiler Arbeitsmarkt gepaart mit extrem niedrigen Zinsen - diese Mischung sorgt seit vielen Monaten für einen Boom des Wohnungsbaus in Deutschland. Und der dürfte sich fortsetzen. "Die Konjunktur wird weiterhin dadurch unterstützt, dass der Wohnungsbau von den günstigen Finanzierungsbedingungen, dem Mangel an Alternativanlagen und der gestiegenen Verunsicherung profitiert", ist sich die Bundesbank sicher. Das strahlt auf viele Bereiche ab - vom Handwerk über baunahe Dienstleister bis hin zu Baumärkten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass die Branche nach der Stagnation in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen wird - auch weil die Kommunen angesichts rekordhoher Steuereinnahmen wieder mehr investieren dürften.

Auch wenn die staatlichen Ausgaben in puncto Bildung beispielsweise im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 110 Milliarden erreichten, so sieht es im internationalen Vergleich düster aus. Die aktuellsten endgültigen Zahlen für 2009 belegen, dass der Bildungsbereich 10,5 Prozent des gesamten Haushalts ausmachte, der OECD-Schnitt lag bei 13 Prozent. Andere Länder schnitten also deutlich besser ab. So flossen in Neuseeland und in Mexiko zum Beispiel mehr als 20 Prozent der öffentlichen Ausgaben in die Bildung, in der Schweiz waren es 16,4 Prozent. Als weitere Baustellen, in die Deutschland investieren muss, nannte Fratzscher die Energie und Infrastruktur.

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Obwohl Deutschland sich schneller als der Rest der Euro-Zone von der Krise erhole, warnte der DIW-Chef vor Überheblichkeit: "Wir schwimmen auf einer Welle der Euphorie, weil wir uns mit dem Rest Europas vergleichen." Vielmehr solle sich die Bundesrepublik an Schwellenländern oder den USA messen. In Sachen Euro blickt der Ökonom optimistisch in die Zukunft. "Ich bin überzeugt, dass es den Euro in zehn Jahren und auch in 100 Jahren noch geben wird."

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