DIW-Präsident Fratzscher: "Die Fed war erfolgreich"

ThemaKonjunktur

InterviewDIW-Präsident Fratzscher: "Die Fed war erfolgreich"

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Ökonom Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

von Frank Doll

Die EZB sollte dem Beispiel anderer Notenbanken folgen und ebenfalls Milliarden in den Ankauf von Anleihen stecken, meint DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Herr Professor Fratzscher, was ist schlimm an Deflation?
Die Erwartung von fallenden Preisen bedeutet, dass Unternehmen und private Haushalte ihre Investitionen und Ausgaben reduzieren. Das führt zu höherer Arbeitslosigkeit und zu weniger Einkommen und Wachstum. Diese Dynamik kann die Deflation noch weiter verstärken, so dass die Volkswirtschaft in eine negative Spirale von Rezession und Deflation geraten kann, aus der es schwierig ist zu entkommen. Denn auch die Zentralbank kann in einer solchen Situation mit ihrer konventionellen Geldpolitik wenig ausrichten. Es ist daher wichtig, solche Risiken einer Deflation frühzeitig zu erkennen und vorzubeugen.

Wie erklären Sie jungen Menschen, dass eine Schuldenkrise ausgerechnet mit noch mehr Schulden gelöst werden kann?  
Eine Schuldenkrise erfordert eine Konsolidierung durch weniger Ausgaben und eine lange Periode mit Überschüssen im öffentlichen Haushalt. Aber sie erfordert auch Wachstum und Beschäftigung. Denn in einer schrumpfenden Volkswirtschaft wird kein Staat seine Schulden nachhaltig abbauen können. Preisstabilität zu gewährleisten und eine Deflation zu verhindern , sind zentrale Voraussetzungen, um eine Konsolidierung und eine Rückkehr zu Wachstum zu ermöglichen.

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Die lockere Geldpolitik ist längst noch nicht zu Ende. Der EZB bleibt kaum etwas anderes übrig, als den USA und Japan nachzueifern. Allmählich spricht sich herum, mit welchen Methoden.

Der EZB bleibt kaum etwas anderes übrig, als den USA und Japan nachzueifern. Quelle: dpa

Sie fordern von der EZB zur Verhinderung einer Deflation ein Anleihekaufprogramm im Volumen von 60 Milliarden Euro pro Monat. Warum 60 und nicht gleich 600 Milliarden Euro?
Ist die Summe eine Schätzung oder wurde sie berechnet auf Basis eine Makro-Modells?
Die Summe über einen Horizont von zwei Jahren entspricht etwa der Liquiditätslücke,  die seit 2008 in der Eurozone durch ein negatives oder schwaches Wachstum der Geldmenge entstanden ist. Sie hat eine ähnliche Größe wie das Ankaufprogramm der US-Notenbank, bei einer ähnlichen Marktgröße. Kurzum, das Programm muss groß genug sein, um die Marktverzerrungen bereinigen zu können, darf aber nicht so groß sein, dass es zu einer Verstärkung der finanziellen Fragmentierung führt.

Führen QE und Nullzinspolitik zu Verzerrungen an den Kreditmärkten, zur Fehlallokation von Kapital und zu Spekulationsblasen?
Die wichtigste Aufgabe der Geldpolitik, und auch des QE-Programms, ist es, Preisstabilität zu gewährleisten, indem es existierende Verzerrungen und vor allem die große finanzielle Fragmentierung, die wir noch immer in der Eurozone haben, reduziert. Vor allem in den Krisenländern kommen kleine und mittelständische Unternehmen zu schwer an Kredite, um Investitionen tätigen zu können und Beschäftigung zu schaffen. Es ist das Mandat der EZB, ihren Beitrag zu leisten, um diese Probleme zu beheben. Aber wir dürfen nicht ignorieren, dass ein QE-Ankaufprogramm auch große Risiken birgt, denn es kann zu einer Blasenbildung in Finanzmärkten und anderen Verzerrungen führen. Dies darf nicht ignoriert und muss ernst genommen werden. Deshalb müssen die Risiken aller Optionen gründlich abgewogen werden. Und ein QE-Programm ist eine dieser Optionen, die wir in Betracht ziehen müssen.

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