Einzelhandel: "Die deutschen Verbraucher sind eine Wirtschaftsmacht"

Einzelhandel: "Die deutschen Verbraucher sind eine Wirtschaftsmacht"

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Stefan Genth

von Mark Fehr

Ökonomen erwarten von den Verbrauchern starke Konjunkturimpulse. Der Einzelhandel sieht das vor dem alles entscheidenden Weihnachtsgeschäft skeptisch. Zudem leide die Branche unter der Steuerpolitik, sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland im Gespräch mit wiwo.de.

wiwo.de: Herr Genth, der private Konsum wird nach Ansicht von Ökonomen "zur entscheidenden Triebkraft der Konjunktur". Merken Läden und Supermärkte schon etwas davon?

Genth: Die deutschen Verbraucher sind eine Wirtschaftsmacht und haben im Krisenjahr 2009 die Konjunktur maßgeblich stabilisiert. Die Umsätze im Einzelhandel sanken leicht, während das Bruttoinlandsprodukt stark schrumpfte. Doch es ist zu bezweifeln, ob vom Konsum über die Stabilisierung hinaus wesentliche Wachstumsimpulse ausgehen können.

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Warum? Genth: Die deutschen Verbraucher sind üppig versorgt. Anders als etwa in Schwellenländern oder zu Wirtschaftswunder-Zeiten besteht kein Nachholbedarf, der zu hohen Wachstumsraten führen könnte. Übrigens fließen momentan weniger als 30 Prozent der Verbraucherausgaben in den Einzelhandel – vor rund zwanzig Jahren waren es noch 40 Prozent.

Das Weihnachtsgeschäft entscheidet

Trotzdem steigt nicht nur die Laune der Verbraucher, sondern auch die Stimmung der Händler. Genth: Ja, das Klima im Einzelhandel ist momentan so gut wie zuletzt vor zehn Jahren. Bisher sind die Umsätze 2010 verglichen mit den Vorjahresmonaten um 1,5 Prozent gestiegen. Entscheidend wird aber – wie in jedem Jahr – das Weihnachtsgeschäft. Uhrmacher oder Juweliere erzielen rund die Hälfte ihrer Umsätze in der Vorweihnachtszeit.

Produktinnovationen gehen von den Herstellern aus. Was unternehmen Kaufhäuser und Ladeninhaber, um Kunden zu locken? Genth: Auch der Handel entwickelt neue Produkte. Supermarktketten vertreiben zum Beispiel Eigenmarken, deren Auftritt sie selbständig gestalten. Buchhändler etwa bieten Lesern in neu gestalteten Verkaufsräumen eine Atmosphäre, die sich zum stöbern und entspannen eignet. Mit diesem Konzept behaupten sich Buchläden am Markt, obwohl die Preise größtenteils gesetzlich vereinheitlicht sind und Internethändler identische Produkte den Kunden direkt nach Hause liefern können.

Der Staat schont energieintensive Betriebe vor der Ökosteuer, dafür steigt die Tabaksteuer. Schlecht für den Handel?

Genth: Der Einzelhandel leidet unter der Steuerpolitik. Auf ihn kommen im nächsten Jahr Mehrbelastungen von mehr als 500 Millionen Euro infolge gestiegener Energiesteuern zu. Denn nicht nur die Industrie verbraucht große Mengen Energie. Auch Kaufhäuser und Supermärkte geben Unmengen aus, um Schaufenster und Verkaufsflächen zu beleuchten, Aufzüge und Rolltreppen zu betreiben oder Nahrungsmittel zu kühlen. Begünstigungen wie für manche Industriebetriebe gibt es aber keine. Für einen durchschnittlichen Supermarkt würden sich deshalb die zusätzlichen Energiekosten auf bis zu 15.000 Euro im Jahr belaufen. Und dieser Mehraufwand kann bis zu einem Viertel der ohnehin niedrigen Marge eines Händlers verschlingen. Außerdem werden wegen der höheren Tabaksteuer zahlreiche Händler und Kioske mit Sicherheit Umsatz verlieren.

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