EM 2012: Wachstumsfantasien in den Gastgeberländern

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EM 2012: Wachstumsfantasien in den Gastgeberländern

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Große Sportveranstaltungen wie die EM 2012 beeinflussen die Wirtschaft des Gastgeberlandes meist positiv - Der Effekt wird allerdings oftmals überschätzt

Kurbelt die Fußball-EM die Wirtschaft der Gastgeberländer an? Ja, sagen Experten. Doch die Fans tragen nur wenig dazu bei.

Zwei Gewinner der EM stehen schon fest: Polen und die Ukraine. Das erwarten zumindest die Ökonomen der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts in einer neuen Studie. „Mit der Ausrichtung eines Mega-Events wie der Fußball-EM gerät ein Land, das vorher ein weißer Fleck auf der Landkarte der globalen Wirtschaft war, oftmals erst in das Bewusstsein von Investoren und Konsumenten“, schreiben die Ökonomen.

Sportliche Großveranstaltungen sorgen für kein Wirtschaftswunder

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Normalerweise, so die Autoren, überschätzen Ausrichter die Effekte sportlicher Großveranstaltungen, denn Fußballfans sind nicht sonderlich spendabel: Sie kaufen zwar Eintrittskarten, Trikots oder Fernsehgeräte, sparen das Geld jedoch anderswo wieder ein. Ausländische Gäste bezahlen zwar höhere Preise für Hotelzimmer und bescheren der Gastronomie wahre Traumumsätze. Doch im Gegenzug verzichten „normale“ Touristen wegen des EM-Trubels und der Angst vor grölenden Fan-Horden auf einen Besuch. Eine Erfahrun6697838g, die auch Deutschland machen musste: Vor der WM 2006 hatte der Fußballweltverband Fifa der deutschen Wirtschaft einen Gesamtimpuls von bis zu zehn Milliarden Euro prognostiziert. Am Ende ereilte die Wachstumfantasien das gleiche Schicksal wie die deutschen Titelhoffnungen: Das „Sommermärchen“ steigerte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2006 nur um 0,02 Prozent. Zum Vergleich: Der zusätzliche Tag des Schaltjahres 2012 erhöht das deutsche BIP rein rechnerisch um 0,1 Punkte, also um das Fünffache.

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„Die volkswirtschaftlichen Effekte der Euro 2012 liegen in Polen und der Ukraine zumindest oberhalb der Spürbarkeitsschwelle“, heißt es in der Studie. Der Grund: Die hohen Investitionen in die zum Teil marode Infrastruktur machen die Gastgeber für Investoren attraktiver. Schließlich profitieren Unternehmer auch dann noch von neuen Verkehrswegen, wenn die Fußballfans längst abgereist sind. So hat Polen für die EM insgesamt 35 Milliarden Euro ausgegeben, das entspricht sieben Prozent vom BIP. Die Ukraine, die im „Doing Business“-Index der Weltbank auf einem unrühmlichen Rang 152 (von 183 Ländern) liegt, lässt sich das Fußballspektakel sogar noch mehr kosten: Rund 10,5 Prozent vom BIP (elf Milliarden Euro) flossen in neue Straßen, Landebahnen und Eisenbahnstrecken. Die Zugfahrt von der Hauptstadt Kiew nach Lemberg etwa dauerte früher bis zu zehn Stunden. Heute schaffen neue Schnellzüge die 540 Kilometer lange Strecke in der Hälfte der Zeit.

Gesamtwirtschaftlich gehören die Gastgeber also zu den Gewinnern. Auf dem Platz sieht es dagegen finster aus: Wettbüros taxieren die Siegchancen beider Mannschaften auf jeweils nur 2,1 Prozent.

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