Ende des Booms: China fällt als Retter der Weltwirtschaft aus

Ende des Booms: China fällt als Retter der Weltwirtschaft aus

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Bauarbeiter in China

von Matthias Kamp

Anders als vor drei Jahren kann China diesmal die Weltwirtschaft nicht stabilisieren. Verschärft sich die Krise in den USA und den Euro-Ländern, kommen Chinas exportabhängige Unternehmen unter Druck - mit schlimmen Folgen für Deutschland.

Mit einer Mischung aus Staunen und Bewunderung blickte der Westen im Herbst 2008 nach Peking. Die Lehman-Bank war gerade in die Pleite gerutscht, die Weltwirtschaft stand am Rande des Abgrunds – und Chinas kommunistische Führer demonstrierten Entschlossenheit. Binnen weniger Tage brachte die oft schwerfällige Pekinger Parteibürokratie ein beispielloses Konjunkturprogramm auf den Weg. Umgerechnet 586 Milliarden Dollar pumpte die Regierung in ihre Wirtschaft. China blieb von der Rezession weitgehend verschont, Europa und die USA profitierten von der erhöhten Nachfrage im Reich der Mitte, deutsche Konzernchefs applaudierten.

„Dieses Mal haben Chinas Politiker weniger Spielraum“, befürchtet Barry Eichengreen, Ökonom der University of California in Berkeley. Das Land wächst zwar immer noch mit Raten von über neun Prozent, kämpft aber mit den Spätfolgen des damaligen Konjunkturprogramms und der massiven Liquiditätsausweitung. Die Inflationsrate hat im Juli mit 6,5 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Große Möglichkeiten, ihre zuletzt straffe Geldpolitik zu lockern und die auf 6,56 Prozent gestiegenen Leitzinsen zu senken, hat Chinas Zentralbank nicht.

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Inflationsrate in China

Inflationsrate in China

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die hohe Verschuldung. Zwischen 1,5 und 2,1 Billionen Dollar an Verbindlichkeiten haben allein Städte, Gemeinden und Kreise im Zuge des Konjunkturprogramms angehäuft. Nach offiziellen Angaben liegt die Schuldenquote zwar nur bei 17 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Experten bei Dragonomics in Peking, einem angesehenen Analystenhaus, gehen dagegen von 89 Prozent aus. Das wäre höher als in Portugal. Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, befürchtet sogar, dass „China Auslandsanlagen auflösen muss, um überschuldete Städte, Provinzen oder Staatsbetriebe vor der Pleite zu retten.“ Das wäre vor allem für die USA ein Fiasko: China hält US-Anleihen im Wert von 1,260 Billionen Dollar.

Wie bedenklich die Situation ist, zeigen auch Berechnungen der Schweizer Investmentbank UBS. Zwischen 2008 und 2010 sind die Kredite des chinesischen Bankensektors von 121 auf 180 Prozent des BIPs gestiegen. Eingerechnet haben die UBS-Experten offizielle Bankkredite, Engagements in Anleihen sowie Schätzungen zu außerhalb der offiziellen Bilanz vergebenen Kredite. „Ein Anstieg um 35 bis 40 Prozentpunkte über einen Zeitraum von fünf Jahren hat historisch immer zu einer Krise geführt“, warnt UBS-Analystin Wang Tao.

Kein Wunder, dass Regierung und Währungshüter alles daransetzen, eine weitere Ausweitung der Kreditmenge zu verhindern. Die Folgen der restriktiven Geldpolitik sind inzwischen im ganzen Land zu spüren. Vor allem die vielen oft privat geführten mittelständischen Betriebe – in der Vergangenheit der Jobmotor Chinas – bekommen kaum noch Kredite. In Wen-zhou, der Wiege der Privatwirtschaft an der Ostküste, sind 90 Prozent der kleinen und mittleren Firmen betroffen. Viele der Unternehmen versorgen sich inzwischen bei illegalen Geldverleihern – zu Zinsen von bis zu 60 Prozent. Konjunkturell ist das ein Roulettespiel; immer mehr Firmen rutschen bereits in die Pleite.

Weniger deutsche Autos

Sollte sich die Krise in den USA und Euro-Land verschärfen, kommen Chinas exportabhängige Unternehmen zusätzlich unter Druck. Ein Rückgang des Wachstums in den USA und der EU um jeweils einen Prozentpunkt führt zu einem Minus des chinesischen Exportwachstums von sieben Punkten, rechnen die Experten der Deutschen Bank in Hongkong vor.

Verliert Chinas Wirtschaft an Dynamik, hätte dies auch Folgen für Deutschland. 2010 war das Land mit einem Anteil von fast sechs Prozent der siebtgrößte Abnehmer deutscher Waren. Die deutschen Autohersteller etwa konnten sich zuletzt über Absatzsprünge von 50 bis 60 Prozent freuen. Damit dürfte es erst mal vorbei sein. Mercedes-Benz etwa verkaufte im Mai noch fast 17.000 Autos in China, im Juli waren es nur noch knapp 14.500.

Als Retter der Weltwirtschaft dürften die Chinesen diesmal ausfallen.

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