Erdöl: Der Ölpreis macht keine Sorgen mehr

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Erdöl: Der Ölpreis macht keine Sorgen mehr

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Ölhändler schauen skeptisch auf 2013, das halten Analytiker für unbegründet

von Hans Jakob Ginsburg

Neue Fördertechnologien sorgen für mehr Angebot und halten den Preisauftrieb in Grenzen. Doch politische Risiken sorgen für Unsicherheit.

Vergleicht man die vergangenen zwei Jahre dieses Jahrzehnts mit der vorausgegangenen Zeit, dann scheint es am Ölmarkt geradezu langweilig geworden zu sein. Keine Rede mehr von einem lang anhaltenden, für die Weltkonjunktur höchst unangenehmen Preisanstieg wie zwischen der Jahrtausendwende und dem Jahr 2008, vor allem wegen des gewaltigen Nachfrageanstiegs in den asiatischen Schwellenländern. Keine Rede aber auch mehr von erratischen Zuckungen wie 2008 und 2009 im Zeichen von spekulativen Übertreibungen, Ängsten vor dem physikalisch oder politisch bedingten Versiegen der Ölquellen in Texas, Arabien und schließlich der Weltfinanzkrise.

Die Konjunktur bestimmt den Ölpreis

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Ölpreis

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Jetzt also die große Beruhigung: China wächst weiter, aber nicht mehr so stürmisch; Krisen im Nahen Osten haben mittelfristig immer nur zu sehr beschränkten Angebotsausfällen geführt; neue Technologien erlauben die Versorgung des Weltmarktes mit Erdöl aus der Tiefsee, aus kanadischen Ölsänden und bis vor Kurzem noch wirtschaftlich nicht nutzbaren Gesteinsformationen in den USA und prinzipiell vielen anderen Ländern.

Kein Wunder also, dass nach Meinung fast aller Analysten auch 2013 nicht Ölversorgung und Ölpreis die Weltkonjunktur bestimmen werden, sondern umgekehrt: Je besser es der Weltwirtschaft geht, umso teurer wird es für die Verbraucher in der Industrie und an den Tankstellen. Ein gemäßigter Preisanstieg aus solcher Ursache wäre zu verschmerzen.

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Ölhändler sind skeptisch

Fragt sich nur, ob es dabei bleibt. Ölhändler, immer noch gebrannte Kinder des verfehlten Konjunkturoptimismus der Jahre vor 2008, sehen seitdem die Weltwirtschaft tendenziell eher skeptisch. Technische, ökologische und politische Probleme der Ölversorgung werden dagegen gerne ignoriert, solange die Medien nichts über explodierende Ölplattformen im Meer oder Blutvergießen im Nahen Osten zu berichten haben. Was aber, wenn es im Irankonflikt zum Krieg kommt, wenn der syrische Bürgerkrieg in einen kurdischen Unabhängigkeitskrieg mündet, der unter anderem auch den Norden des Irak erschüttert? Wenn der 88-jährige König von Saudi-Arabien als Stabilitätsfaktor ausfällt und wenn gleichzeitig vielleicht ein Unglück oder ein Fehlschlag bei wichtigen Explorationen die Ausbaupläne brasilianischer Tiefseebohrer oder kanadischer Ölsanderschließer zurückwirft?

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"Wir sind der Ansicht, dass der Markt die Angebotsperspektiven zu optimistisch und die Nachfrageperspektiven zu pessimistisch einschätzt", schreiben die Analytiker der Commerzbank. Ganz ähnlich auch ihre Frankfurter Nachbarn von der DekaBank, die den Barrelpreis der Erdölsorte Brent darum von derzeit 82 Euro über 89 Euro im Sommer auf 103 Euro zum Jahresende 2013 steigen sehen (siehe Grafik).

Sehr angenehm wäre das nicht, aber wahrscheinlich nicht übermäßig schlimm. Erdöl, so hat die Internationale Energieagentur in Paris jetzt herausgefunden, wird schon bald seine weltweite Spitzenstellung unter den Energieträgern der Welt verlieren. Vor allem wegen vieler neuer Kraftwerke in China und in Indien und keineswegs zur Freude der Klimaschützer: Der wichtigste Energieversorger ist von 2017 an die Kohle.

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