Erdöl: Nahost-Krisenstaaten drücken den Ölpreis

ThemaKonjunktur

Erdöl: Nahost-Krisenstaaten drücken den Ölpreis

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Das Öl läuft wieder - Eine Raffinerie im Irak

von Hans Jakob Ginsburg

Der Ölpreis sinkt, es gibt ein Überangebot. Irak und Libyen konnten ihre Produktion deutlich hochfahren - schneller als erwartet. Das liegt auch an der Feindschaft mit dem Nachbarstaat.

Zumindest einen positiven Effekt haben die wachsenden Ängste um die Weltkonjunktur – sie helfen, den Ölpreis nach unten zu drücken. Die schwache Konjunktur in Europa und das nachlassende Industriewachstum in China etwa bremsen die Ölnachfrage und treiben so die Notierungen nach unten. In London fiel der Rohölpreis in der vergangenen Woche auf knapp 98 US-Dollar, das sind 30 Dollar weniger als vor drei Monaten. Seit Februar 2011 war das Barrel Nordseeöl nicht mehr so billig.

Es gibt aber auch Gründe für diese Preisentwicklung, die mit der Ölproduktion und -vermarktung zu tun haben. Die Mitgliedstaaten des Produzentenkartells Opec haben nach Angaben ihrer Wiener Zentrale im vergangenen Monat insgesamt 7,7 Prozent mehr Rohöl gefördert als verkauft. Einen solchen Angebotsüberhang gab es zuletzt 1997 zur Zeit der Asienkrise.

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Das hat paradoxerweise mit der politischen Krisenlage im Nahen Osten zu tun. Unter dem Druck westlicher Sanktionen exportiert die iranische Regierung derzeit so viel Öl wie technisch möglich (etwa nach Indien und China), um halbwegs liquide zu bleiben. Die arabischen Ölmonarchen, politische Widersacher des Iran, tun das Gleiche, um den westlichen Industrieländern die Angst vor einem potenziellen iranischen Exportstopp zu nehmen. Und jetzt kehren auch noch der Irak und Libyen ins große Geschäft zurück.

Mit 115 beziehungsweise 46 Milliarden Barrel offiziell nachgewiesener Vorkommen sind diese beiden Staaten potenziell die Erdölnationen Nummer vier und Nummer acht auf der Welt. Im Vergleich zu diesen Zahlen war die tatsächliche Produktion dort lange Zeit sehr niedrig. Libyen verfügte 2010 über 3,4 Prozent der Weltreserven, sorgte aber nur für zwei Prozent der globalen Ölförderung. Im Irak war die Diskrepanz noch größer: 9,3 Prozent der weltweiten Reserven standen 3,1 Prozent der globalen Förderung gegenüber.

Zurück zur Normalität

In Libyen erlebte die Ölproduktion ihren Tiefpunkt im Sommer 2011. Zwischen Februar und September wurden fast alle Küstenstädte des Landes irgendwann zu Frontstädten im Bürgerkrieg. Hafenanlagen wurden zerstört, Pipelines beschädigt, nach Schätzung der am Ende siegreichen Aufständischen gab es insgesamt 25.000 Kriegstote. Die Tagesförderung brach auf 45.000 Barrel ein, gerade mal drei Prozent der Vorkriegsleistung. Doch seitdem ist das Land überraschend schnell zur Normalität zurückgekehrt – auch dank deutscher Hilfe. Die BASF-Tochter Wintershall hatte vor dem Bürgerkrieg im Tagesdurchschnitt 100.000 Barrel im Reich des Diktators Gaddafi gefördert. Nach Beginn der Kämpfe fuhr der deutsche Konzern sein Libyen-Geschäft auf null herunter, sorgte aber dafür, dass einheimische Mitarbeiter über Umwege weiter ihre Löhne erhielten – und dafür die Förderanlagen nach Kräften vor den Angriffen der Bürgerkriegsparteien schützten.

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