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Kommentar Ethikkodex für Ökonomen: Kampf gegen den schlechten Ruf

von Bert Losse

Der Verein für Socialpolitik will einen Ethikkodex für Ökonomen durchsetzen. Das ist eine gute Idee.

Claudia Buch, Wirtschaftsweise Quelle: dapd
Die Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium, Claudia Maria Buch Quelle: dapd

Rund 3800 Ökonomen haben einen Brief aus Frankfurt bekommen. Der Verein für Socialpolitik (VfS), einer der weltweit bedeutendsten Ökonomen-Zusammenschlüsse, befragt seine Mitglieder darin im Vorfeld seiner Jahrestagung über eine organisationspolitische Innovation: Der 1873 gegründete Verein, in dem unter anderem Bundesbank-Chef Jens Weidmann und die Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt und Claudia Buch mitwirken, will die im Zuge der Finanzkrise gesunkene Reputation der Zunft mit einem Ethikkodex aufpolieren.

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Da ein VfS-Mitglied den Brief in den Internet-Blog „Wirtschaftsphilosoph“ eingestellt hat, kann schon jetzt alle Welt nachlesen, was der Verein vorhat. Er will nicht nur einen Ethikbeauftragten und eine dreiköpfige Ethikkommission einsetzen, sondern auch mehr Transparenz im Forschungsgebaren der Zunft schaffen, die sich bisweilen dem Vorwurf der Käuflichkeit ausgesetzt sieht.

Dem VfS gebührt Respekt

In wissenschaftlichen Arbeiten seien „alle in Anspruch genommenen Finanzierungsquellen, Infrastruktureinrichtungen und sonstigen externen Unterstützungen...anzugeben“. Ökonomen müssten alle Sachverhalte benennen, „die auch nur potenziell zu Interessenskonflikten oder Befangenheit führen könnten“. Und zu guter Letzt: „Das Ergebnis der Analyse soll von der Interessenlage des Auftraggebers unbeeinflusst sein.“

Nun lässt sich gegen derartige Selbstverpflichtungen einiges sagen. Dass die beschriebenen Verhaltensweisen für seriöse Wissenschaftler selbstverständlich sein müssten. Dass Papier geduldig ist und jedes VfS-Mitglied, das etwas zu verbergen hat, dies auch künftig tun kann, indem es den Kodex ignoriert oder beim VfS austritt.

Wie Banker zu ihrem Gehalt und Boni stehen

Das britische St. Paul’s Institute ist eine kirchliche Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, Banken mit moralischen Fragen zu konfrontieren. Wie stehen diese zu Gehaltsabständen? Wie denken sie über Boni und ethisches Handeln? Die Umfrage unter Finanzexperten soll außerdem die Bedeutung des Finanzsektors für die Bevölkerung beleuchten.

Bild: Reuters

Gleichwohl gebührt dem VfS Respekt. Der Kodex zeigt, dass die Zunft ihren massiven Reputationsverlust nicht weiter hinnehmen will. Damit können sich Wissenschaftler an Hochschulen und Instituten klar abgrenzen von interessengeleiteten Banken-Volkswirten, die allzu oft die öffentliche Debatte prägen – gerade in der Euro-Krise.

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Am Ende könnte ein Ethikkodex auch das Selbstbewusstsein der Volkswirte stärken, sich gegen ausuferndes Ökonomen-Bashing zu wehren. Es ist ein Ärgernis, wie derzeit jeder sach- und fachfremde Hinz und Kunz seine Häme über den Berufsstand des Wirtschaftswissenschaftlers ausgießt. Zumal die Attacken nicht selten von Leuten kommen, die Wettbewerb für fies und markwirtschaftliche Regeln für neoliberales Teufelszeug halten.

Bei aller berechtigten Kritik an der Prognosequalität und der Befangenheit mancher Vertreter: Die Verdienste der Zunft sollten nicht unter den Tisch fallen. Die Konstruktionsmängel des Euro etwa haben Volkswirte schon vor Jahren glasklar analysiert. Die Ökonomen müssen sich in diesem Punkt vor Kritik nicht verschämt wegducken, sondern sollten mit Verve die Bedeutung ihres Fachs kommunizieren. Und dabei kann eine Selbstverpflichtung auf Transparenz nur dienlich sein.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 31.08.2012, 07:36 UhrWegweiser

    Politische Zielsetzungen, betriebswirtschaftlicher Eigennutz und persönliche Abhängigkeiten haben diese Analysen bestimmt. Das trifft leider heute noch auf viele Bereiche zu. Konkrete, seriöse Daten und Fakten, aber auch die damit verbundenen Ursachen und Zusammenhänge sind in der öffentlichen Berichterstattung nicht erwünscht, da dies ein kritisches und konstruktives Hinterfragen zur Folge hätte.

    Gerade diese Währungszonenkrise ist ein gutes Anschauungsbeispiel dafür, wie politische Zielsetzungen und ökonomische Eigeninteressen das Handeln bestimmen. Wissenschaftlich seriöse und fundierte Analysen und Berichte findet man häufig nur im Internet und das nur bei sehr wenigen Anbietern. Zufall? Absicht? Das mag jeder für sich selbst einschätzen.

    Eine Buchempfehlung für eine seriöse wissenschaftliche Analyse:

    Wilhelm Hankel,
    Die Euro Lüge und andere volkswirtschaftliche Märchen,
    3. Auflage,
    erschienen im Signum Verlag

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