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Euro-Krise: Deutsche Wirtschaft im Crashtest

von Jan Mallien Quelle: Handelsblatt Online

Die Euro-Krise stellt die deutsche Wirtschaft auf eine harte Probe: Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen für 2012 nur noch mit einem mageren Wachstum. Verschärft sich die Krise, drohe Deutschland sogar eine Rezession.

Gewitter über Berlin: eine Rezession ist nicht auszuschließen. Quelle: Reuters
Gewitter über Berlin: eine Rezession ist nicht auszuschließen. Quelle: Reuters

DüsseldorfDie fünf Wirtschaftsweisen erwarten für 2012 eine deutliche Abkühlung des Wirtschaftswachstums in Deutschland. In ihrem Jahresgutachten gehen sie zwar von einer sanften Landung aus und prognostizieren für 2012 ein Wachstum von 0,9 Prozent. Gleichzeitig verweisen sie in ihrem am Mittwoch vorgelegten Gutachten jedoch auf die große Unsicherheit ihrer Prognose.

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Bei einer Verschärfung der Euro-Krise und einem Übergreifen auf die Weltwirtschaft sei auch eine Rezession nicht auszuschließen. Im schlimmsten Szenario könne der Welthandel im kommenden Jahr stagnieren und die deutsche Wirtschaft um 0,5 Prozent schrumpfen.

In ihrer Prognose gehen die Wirtschaftsweisen jedoch vom optimistischeren Fall aus und rechnen mit einem Wachstum des Welthandels von 4,8 Prozent. Gerade diese Annahme ist jedoch mit großen Risiken behaftet. Gerade der Außenhandel hat sich in der Vergangenheit als extrem schwankungsanfällig erwiesen: In der Finanzkrise brach das Welthandelsvolumen viermal stärker ein als während der Großen Depression in den 1930er Jahren.

Die Wirtschaft im Euro-Raum befinde sich „in einem Teufelskreis aus Staatsschulden- und Bankenkrise, und die politischen Unwägbarkeiten verunsichern nach wie vor die Märkte“, warnen die fünf Weisen. Einige Tendenzen erinnerten „fatal“ an die Lage im Jahr 2008, dem Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte bereits vor einer „Abwärtsspirale aus Ungewissheit, finanzieller Instabilität und dem Zusammenbruch der globalen Nachfrage“. Die Weltwirtschaft stecke „in einer gefährlichen und ungewissen Phase“, rief die IWF-Chefin am Mittwoch in einer Rede in Peking zum gemeinsamen Handeln auf. Ansonsten könnte sich die Welt „einem verlorenen Jahrzehnt niedrigen Wachstums und hoher Arbeitslosigkeit“ gegenübersehen.  

„Es hängen dunkle Wolken über der Weltwirtschaft, und Asien muss sie aufmerksam beobachten“, sagte die IWF-Chefin. Sie sei ermutigt über die jüngsten Schritte zur Lösung der europäischen Schuldenkrise und des Gipfels der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20). „Aber die Risiken bleiben ernst.“ Asien sei „ein Lichtblick“, allerdings auch nicht immun gegen Entwicklungen im Rest der Welt.  


Unternehmen sind verunsichert

Die Euro-Krise bedroht auch die Aussichten für den Konsum: Die Wirtschaftsweisen rechnen zwar mit einem Zuwachs der privaten Haushaltsausgaben von 0,9 Prozent. Bei einer Verschärfung der Euro-Krise sei jedoch eine Stagnation zu befürchten. Als Stütze für den Konsum sehen die fünf Experten nach wie vor den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit werde sich weiter verringern - von drei auf 2,9 Millionen, so ihre Prognose.

Außerdem würden die Bruttoanlageinvestitionen, die sich aus den Ausrüstungs- und Bauinvestitionen zusammensetzen, um 2,2 Prozent steigen. In diesem Jahr hat vor allem der Wohnungsbau überproportional zum Wachstum beigetragen. Laut Prognosen soll er in diesem Jahr um 6,5 Prozent steigen.

Auch die Investitionen hängen jedoch von den Erwartungen der Unternehmen ab. Zwar sind deren Kassen dank Rekordgewinnen prall gefüllt. Doch die Unsicherheit führt dazu, dass sie sich mit Investitionen zurückhalten. Zuletzt hatte der Chemie- und Pharmakonzern Bayer angekündigt, dass er seinen Liquiditätspuffer im Vergleich zu Nichtkrisenzeiten verfünffacht habe.

Inzwischen deuten Indikatoren außerdem darauf hin, dass sich die Kreditvergabebedingungen für Unternehmen im dritten Quartal 2011 verschlechtert haben. Auf diese Weise könnte sich die Krise ebenfalls noch selbst verstärken. Die vom Münchner ifo-Institut berechnete Kredithürde ist im Oktober gestiegen. Bei der Umfrage bewerten 4000 Unternehmen die Bereitschaft der Banken Kredite zu vergeben.

In Krisenzeiten sind Konjunktur-Prognosen naturgemäß besonders vage. In der Finanzkrise sorgte der damalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, für einen Aufschrei der Empörung, als er einen Einbruch von bis zu vier Prozent vorhersagte. Am Ende war der Einbruch sogar noch schlimmer. Umgekehrt hatte niemand mit einer derart schnellen Auferstehung der deutschen Wirtschaft nach der Finanzkrise gerechnet.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 09.11.2011, 13:33 UhrAnonymer Benutzer: Joker1

    Leider muss man davon ausgehen, dass die Krise der Währungsunion
    eine "unendliche Geschichte" werden wird.
    Man doktert nur an den Symtomen herum, weiß aber genau, dass die
    Währungsunion nicht zu retten ist.
    Dass man jetzt sogar eine Wirtschaftskrise akzeptiert, deren Ausmaße noch nicht zu quantifizieren sind, zeugt von der Unfähigkeit und Leichtsinn der Politkasten.
    Man will und kann nicht anerkennen, dass der Euro nicht zu retten ist.
    Durch dieses fahrlässige Verhalten wird über das "Wohl und Wehe"
    ganzer Volkswirtschaften hinweggegangen.

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