Euro stärker : Fed senkt Leitzins erneut - Wachstum deutlich geschwächt

Euro stärker : Fed senkt Leitzins erneut - Wachstum deutlich geschwächt

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Fed-Chef Ben Bernanke sorgt sich um die Wirtschaft in den USA

Angesichts der Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten hat die US-Notenbank binnen weniger Tage ihren Leitzins erneut kräftig gesenkt. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve nahm den Satz für Tagesgeld wie von vielen Marktteilnehmern erwartet um 0,5 Punkte auf drei Prozent zurück, wie die Notenbank gestern mitteilte.

Erst vergangene Woche hatten die Währungshüter den Leitzins überraschend um 0,75 Prozentpunkte verringert. Beide Schritte zusammen sind US-Medien zufolge die stärkste Zinssenkung der Fed in einem solch kurzen Zeitraum seit Anfang der 1980er Jahre. Die jüngsten Entscheidungen der Notenbank sollen „im Zeitverlauf maßvolles Wachstum fördern und die Risiken für die Wirtschaft mindern“, teilte die Fed mit. Dennoch gebe es weiterhin Gefahren für das Wachstum. Derzeit stünden die Finanzmärkte weiter „unter beträchtlichem Stress“. Haushalte und Unternehmen hätten noch stärker Probleme, an Kredite zu gelangen. Jüngste Daten wiesen zudem auf eine Verschlechterung der Lage auf Immobilien- und Arbeitsmarkt hin.

Allerdings seit zu erwarten, dass sich der Inflationsdruck in den nächsten Quartalen abschwäche, hieß es von der Notenbank. Neue Konjunkturdaten offenbarten unterdessen eine deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft. Im vierten Quartal 2007 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,6 Prozent, wie das US-Handelsministerium gestern mitteilte. Im Vorquartal lag das Wachstum noch bei robusten 4,9 Prozent. Die jüngsten Angaben sind allerdings nur eine erste Schätzung, die sich noch deutlich ändern kann. Auf Basis dieser vorläufigen Daten wuchs die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent und damit so gering wie seit fünf Jahren nicht mehr. Wirtschaftskommentatoren unterstrichen nach den Konjunkturdaten von gestern, dass sich das Wachstum trotz aller Rezessionsgefahren immer noch im positiven Bereich bewegt.

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Damit hat die US-Notenbank die Forderungen der Finanzmärkte erfüllt und ließ zudem die Tür für abermalige Zinsschritte nach unten offen. Wie die Federal Reserve (Fed) in Washington mitteilte, wird auch der Diskontsatz, zu dem sich die Banken bei der Fed über Nacht Geld besorgen können, im gleichen Umfang auf 3,5 Prozent gekappt. Der Zielsatz für Tagesgeld, den die Fed als Leitzins benutzt, liegt nun so niedrig wie seit Juni 2005 nicht mehr. Mit neun zu eins Stimmen fiel die Entscheidung des Offenmarktausschusses allerdings nicht einmütig.

Die ersten beiden Quartale werden nach Einschätzungen von Ökonomen ebenfalls schwach ausfallen. Frühestens vom Sommer an könne die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen. Derweil verabschiedete das US-Abgeordnetenhaus mit überwältigender Mehrheit ein 146 Milliarden Dollar (98,6 Milliarden Euro) umfassendes Konjunkturprogramm, um der schwächelnden Wirtschaft wieder Schwung zu verleihen. Das Paket sieht Steuerrückzahlungen für Privatbürger zwischen 300 und 1200 Dollar sowie Investitionsanreize für Firmen vor. Präsident George W. Bush will das Programm noch im Februar in Kraft setzen. Zustimmen muss auch noch der Senat. Dort streben Republikaner sowie Demokraten eine Ausweitung des Programmes an.

Dollar schmiert nach Zinsentscheid ab

An den Börsen sorgte die zweite Zinssenkung der Notenbank innerhalb von nur acht Tagen für Aufatmen. An der New Yorker Wall Street drehten die wichtigsten Indizes ins Plus. An den Terminmärkten signalisierten die Futures eine weitere Zinssenkung Mitte März. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung um dann 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent wurde mit 62 Prozent taxiert. Einen herben Dämpfer musste deshalb der Dollar hinnehmen. Er fiel zum Euro um rund einen Cent. Der Leitzins in den USA liegt nun 100 Basispunkte unter dem der Euro-Zone (4,0 Prozent). Dadurch werden Finanzanlagen im Dollar-Raum unattraktiver als in der Euro-Zone.

US-Analysten lobten den Schritt der Währungshüter um Fed-Chef Ben Bernanke: „Sie sind nicht im Panik-Modus. Sie schauen auf die Realwirtschaft, und was die braucht sind niedrigere Zinsen“, sagte Währungsstratege Ken Landon von JP Morgan Chase in New York. Jeff Kleintop, Stratege bei LPL Financial in Boston meinte: „Die Fed demonstriert, dass sie das Heft des Handelns wieder in der Hand hat. Sie versucht mit dem wichtigsten Hebel die Folgen der Immobilienkrise abzumildern. Es sieht so aus, dass Bernanke glaubt, mit dieser Aktion ist die Gefahr einer tiefen Rezession zumindest erst einmal vom Tisch.“

Deutsche Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter kritisierte dagegen die Geldpolitik der US-Notenbank. „Die jüngsten Konjunkturdaten (...) signalisieren keine Rezession in den USA“, sagte er der „Berliner Zeitung“ (heutige Ausgabe). Gerechtfertigt wären Zinssenkungen aus seiner Sicht nur, wenn „die Rezession da und die Inflation weg ist“, sagte Walter. Dies sei aber nicht der Fall. Die Zinssenkung der Fed sei riskant, denn sie habe große Nebenwirkungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde der Fed nicht schnell folgen, erwartet Walter. „Für die EZB werden Zinssenkungen erst gegen Ende dieses Jahres ein Thema.“

Der frühere Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, er glaube, „dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession mindestens 50 Prozent beträgt, doch bisher gibt es wenig Hinweise dafür, dass wir schon in einer stecken“. Allein die Mittel der Notenbanker und Haushaltspolitiker könnten eine Rezession allerdings nicht verhindern. „Weltwirtschaftliche Einflüsse sind heute stärker als fast alles, was die Geld- oder die Fiskalpolitik ihnen entgegensetzen kann“, sagte Greenspan.

Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass die Schwäche der US-Wirtschaft eine weltweite Rezession hervorruft. „Doch das globale Wachstum wird sich wahrscheinlich recht deutlich verlangsamen.“ Nach einer gängigen Definition sind die USA in eine Rezession gerutscht, wenn die Wirtschaft zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpft. Der Internationale Währungsfonds hatte am Dienstag seine Prognose zum US-Wachstum für 2008 um 0,4 Punkte auf 1,5 Prozent zurückgekommen. Als Folge der Turbulenzen an den Finanzmärkten erwartet der IWF überdies ein schwächeres globales Wachstum von nur noch 4,1 Prozent. Zuvor war der Fonds von 4,4 ausgegangen.

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