Euro unter Druck: Wie teuer wird die Währungsunion?

Euro unter Druck: Wie teuer wird die Währungsunion?

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Euro unter Druck

Von Irland bis Österreich wächst die Zahl der Euro-Länder mit Zahlungsproblemen. Müssen die Starken den Schwachen zu Hilfe eilen – und wie teuer kommt die Schicksalsgemeinschaft Euro für Deutschland?

Über Langeweile können die europäischen Finanzminister derzeit nicht klagen. In Krisenzeiten wie diesen sind Entscheidungen oft im Tagestakt zu treffen – die Zeit ist knapp. Doch um ein Thema blieb es in Brüssel beim jüngsten Ecofin-Gipfel merkwürdig still, obgleich es allen unter den Nägeln brennt – es ist die Frage nach dem Bailout: Wie kann krisengeschüttelten Euro- und EU-Ländern im Notfall geholfen werden?

Nach der Kakofonie der letzten Wochen herrscht nun großes Schweigen im Walde – vor allem bei denen, die zur Kasse gebeten würden. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) gab sich in Brüssel wortkarg, nachdem er unlängst noch seine Solidarität mit den angeschlagenen Euro-Staaten bekundet hatte. Diese Länder sollten selbst ihren Job machen und sich konsolidieren, mahnte er nun. Und: „Die Wirtschafts- und Währungsunion ist absolut stabil.“

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„Irland ist Wackelkandidat Nummer eins in Euroland“

Wirklich? Die Lage ist heikel: Eine Reihe von Euro-Staaten ist zuletzt in arge Bedrängnis geraten. Längst sind es nicht mehr nur die üblichen Verdächtigen aus dem Süden.

Irland etwa hat sein Haushaltsdefizit im Januar und Februar auf 2,1 Milliarden von 125 Millionen Euro im Vorjahr nahezu verzwanzigfacht. Die Regierung will die Defizitquote in diesem Jahr unter zehn Prozent halten. Das wäre immer noch gut das Dreifache der Höchstgrenze des EU-Stabilitätspakts. Doch niemand weiß, ob selbst dieses Minimalziel noch erreicht werden kann: Irlands Wirtschaft wird nach neusten Regierungsprognosen dieses Jahr um satte 6,5 Prozent schrumpfen, die Arbeitslosigkeit um 30 Prozent in die Höhe schellen.

Noch im Januar hatte man ein Minuswachstum von vier Prozent erwartet. Die Banken des Landes sind so exponiert wie in wenigen Staaten Europas. Das Land hat ein Bankenrettungspaket aufgelegt, das sein BIP um das Mehrfache übersteigt. „Irland ist Wackelkandidat Nummer eins in Euroland“, heißt es an den Anleihemärkten.

Das einstige Musterland Österreich gerät unter Druck

Mit Argusaugen blicken die Euro-Finanzminister auch auf das einstige Muster-Mitglied Österreich. Hier geraten die Banken wegen ihres hohen Engagements in Osteuropa immer stärker unter Druck – deren Forderungen in die Region belaufen sich auf rund 218 Milliarden Euro, rund 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

In Osteuropa hat derweil Rumänien als drittes EU-Land Brüssel und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Milliardenhilfen gebeten, da es mit massiven Kapitalabflüssen zu kämpfen hat. Weitere Länder dürften folgen. Brüssel soll für Rumänien 7 von insgesamt 19 Milliarden Euro lockermachen. Doch damit ist der 25-Milliarden-Euro-Notfalltopf der EU-Zahlungsbilanzfazilität schon nahezu erschöpft.

Knapp zehn Milliarden sind schon an Ungarn und Lettland geflossen. Nun macht sich Österreich – wenig überraschend – dafür stark, den Topf zugunsten von Osteuropa aufzustocken. Nein, heißt es aus Berlin und Brüssel, das reicht jetzt erst einmal. Vorerst ja, aber wie lange noch?

Die Märkte strafen die angeschlagenen Länder derweil mit steigenden Risikoaufschlägen ab. Irland muss derzeit für seine Staatsanleihen mit 5,5 Prozent fast doppelt so hohe Zinsen zahlen wie Deutschland. Gleiches gilt für Griechenland. Der Renditeabstand der zehnjährigen österreichischen zur deutschen Staatsanleihe ist mit rund 1,3 Prozentpunkten so groß wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr. Noch sprengt dies alles nicht den Rahmen. „Kein einziges Euroland ist konkret in Zahlungsschwierigkeiten“, sagt Steinbrück. Wohl wahr, doch konkret wie lange noch?

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