Euro-Zone: Industrie trotzt der Griechenland-Krise

Euro-Zone: Industrie trotzt der Griechenland-Krise

Der Einkaufsmanagerindex zeigt: Die Industrie in der Euro-Zone ist stark genug, um der Unsicherheit durch die Griechenland-Krise zu trotzen. Das Barometer fiel nur minimal. In Griechenland sieht das jedoch anders aus.

Trotz der Griechenland-Krise hat die Industrie in der Euro-Zone kaum an Fahrt verloren. Der Einkaufsmanagerindex fiel nur minimal um 0,1 auf 52,4 Punkte, wie das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 3000 Unternehmen mitteilte. Er hielt sich aber deutlich über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

In Griechenland sank das Barometer auf ein Rekordtief von 30,2 Prozent. In Deutschland wurde mit 51,8 Prozent ein Zwei-Monats-Tief erreicht. Das gilt auch für Frankreich, das allerdings mit 49,6 Prozent knapp unter der Wachstumsschwelle blieb.

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An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

  • Problem Euro

    Seit Wochen betonen die Euro-Partner, dass die Ansteckungsgefahr nach einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone eher gering wäre. Zum einen wird darauf verwiesen, dass sich heute fast alle griechischen Schulden bis auf 40 bis 50 Milliarden Euro in der öffentlichen Hand befinden - eine Kettenreaktion kollabierender Banken also nicht zu befürchten sei. Zum anderen hätten sich Gläubiger seit langem auf mögliche Probleme eingestellt und ihre griechischen Geschäfte reduziert.

    Alles falsch, meint Schulz und verweist darauf, dass die Risikoaufschläge etwa für spanische Staatsanleihen in den vergangenen Wochen erheblich gestiegen seien. Kommt ein Staatsbankrott, würde der möglicherweise einen Schuldenschnitt nach sich ziehen - mit erheblichen Belastungen für die klammen Haushalte etwa der südlichen EU-Staaten, aber auch Frankreichs.

    Außerdem könnte das Vertrauen in den Euro als Währung weltweit Schaden nehmen, wenn eines der 19 Mitglieder ausbreche, heißt es in der Bundesregierung. Dabei spiele keine große Rolle, dass Griechenland weniger als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Währungszone beisteuere. Denn die angebliche Unumkehrbarkeit der Euro-Einführung wäre widerlegt.

  • Problem Großbritannien

    In Berlin fürchtet man aber auch, dass ein Kollaps Griechenlands den Befürwortern eines britischen Austritts aus der EU Auftrieb geben könnte. Europa droht also an seinen Rändern zu zerfasern. Der Grund ist einfach: Die EU wäre nach einem Ausstieg Athens wahrscheinlich in einem so desolaten Zustand und müsste so viel kurzatmige Rettungsaktionen für Griechenland starten, dass die Gemeinschaft auf britische Wähler kaum noch attraktiv wirken dürfte. Möglicherweise würden zudem mehr Griechen das eigene Land auch Richtung Großbritannien verlassen wollen. Die Briten schimpfen aber bereits jetzt über zu viele Migranten aus anderen EU-Ländern - dies ist einer der Kritikpunkte der EU-Gegner auf der Insel.

  • Problem Russland

    Griechenland ist nicht nur ein angeschlagener Euro-Staat, sondern auch ein schwieriger EU-Partner. Mit seiner Linksaußen- Rechtsaußen-Regierung betonte Ministerpräsident Alexis Tsipras politische Nähe zum Kreml und hat sich mehrfach mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. In der EU gibt man sich zwar gelassen, dass Russland nicht als alternativer Geldgeber gegen die EU ausgespielt werden kann - dafür sind die nötigen Hilfssummen viel zu groß. Auch die Träume des Links-Politikers, dass Griechenland Verteilland für russisches Gas in der EU werden könnte, dürften sich angesichts des Vorgehens der EU-Kommission gegen den russischen Gasriesen Gazprom zerschlagen. Aber Putin hat nach Ansicht von EU-Diplomaten durchaus schon bewiesen, dass er Differenzen zwischen EU-Staaten ausnutzen kann. Bei der Verlängerung von EU-Sanktionen gegen Russland braucht es etwa auch die Zustimmung Griechenlands.

  • Problem Balkan

    In Berlin sorgt man sich zunehmend, dass die gesamte Balkan-Region ohnehin sehr instabil werden kann. Immer noch gärt der Namensstreit zwischen Griechenland mit dem EU-Beitrittsaspiranten Mazedonien - in dem ein heftiger innenpolitischer Machtkampf tobt. Und Geheimdienste warnen, dass die radikalislamische Miliz Islamischer Staat (IS) in den vergangenen Monaten massiv versucht hat, in den moslemischen Bevölkerungen Bosnien-Herzegowinas, Albaniens oder Mazedoniens Fuß zu fassen. Ein zusammenbrechender Nachbarstaat Griechenland würde die Unruhe in der Region noch verstärken.

  • Problem Flüchtlinge

    Kaum diskutiert worden ist die Rolle Griechenlands bei der Abwehr eines unkontrollierten Zuzugs von Flüchtlingen in die EU. In den vergangenen Jahren hat der bessere Schutz der griechisch-türkischen Grenze Flüchtlingen aus dem Nahen Osten die Einwanderung in die EU zumindest zum Teil erschwert. Die linke Syriza-Partei könnte im Falle eines Staatsbankrotts die Schleusen für afrikanische oder syrische Flüchtlinge aufmachen. Entsprechende Drohungen waren aus Athen bereits zu hören. Denn seit Jahresbeginn seien bereits 46.000 Flüchtlinge nach Griechenland gekommen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. 2014 waren es im selben Zeitraum nur 34.000 Personen. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einer Flüchtlingskatastrophe in Griechenland.

    EU-Kommissar Günther Oettinger forderte die Brüsseler Behörde auch deshalb auf, einen "Plan B" zu erarbeiten. Dabei soll Hilfe für das Land für den Fall eines Bankrotts vorbereitet werden. Neben humanitärer Hilfe gehe es um die Frage, wie man eigentlich die Sicherheit in dem EU-Land noch gewährleisten will, wenn die Regierung den Polizisten keine Löhne mehr zahlen kann.

In Griechenland, wo die Banken über Wochen geschlossen blieben, sackten die Indizes für Produktion, Auftragseingang und auch für das Exportneugeschäft auf die tiefsten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 1999. Die Talfahrt in dem Ägäis-Land hatte jedoch keine direkten negativen Auswirkungen auf andere Industriesektoren der Euro-Zone, wie aus der Umfrage hervorgeht. "Die Konjunktur in der Euro-Zone dürfte nach dem Überwinden der letzten Hürde in der griechischen Schuldenkrise wahrscheinlich wieder an Dynamik gewinnen", prophezeit Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Seit dem Regierungswechsel in Athen Anfang des Jahres hat sich die dortige Wirtschaftslage Experten zufolge massiv verschlechtert. Zuletzt kamen viele Unternehmen nur schwer an Geld, eine Pleitewelle wird befürchtet. Die Industrie Griechenlands stellt nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin allerdings nur 12,6 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit weit weniger als der Tourismus, auf den ein Anteil von 16,4 Prozent entfällt.

Griechenland Die Zeit für neues Hilfspaket wird knapp

Die Geldgeber verlangen harte Reformen, während Griechenland gleich zu Beginn eine Auszahlung von angeblich über 20 Milliarden Euro aus dem geplanten Hilfsprogramm möchte. Die Zeit für Verhandlungen wird derweil knapp.

Griechenland erwartet im Rahmen des geplanten Hilfsprogramms gleich zu Beginn eine Auszahlung von angeblich über 20 Milliarden Euro. Die Zeit für Verhandlungen wird knapp. Quelle: dpa

Auch der vom griechischen Institut IOBE erhobene Stimmungsindikator gab deutlich nach. Der Index misst die Erwartungen in der Industrie, der Dienstleister, im Einzelhandel, am Bau sowie das Verbrauchervertrauen. Mit 81,3 Zählern für Juli wurde das niedrigste Niveau seit fast drei Jahren festgestellt.

Wegen der drohenden Staatspleite Griechenlands waren Börse und Banken Ende Juni geschlossen worden. Die Geldhäuser haben ihre Schalter seit dem 20. Juli wieder geöffnet. Transaktionen sind aber weiterhin nur eingeschränkt möglich. Am ersten Tag nach ihrer fünfwöchigen Zwangspause brach die griechische Börse am Montag so stark ein wie nie zuvor.

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