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Ex-EZB-Chefökonom Otmar Issing: "Auf wackligem Fundament"

von Bert Losse und Malte Fischer

Der frühere EZB-Chefökonom Otmar Issing über die Tücken des Aufschwungs, die Restrisiken der Finanzkrise und die Fehler der Notenbanken.

Otmar Issing Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche
Otmar Issing Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Professor Issing, die Rezession in Deutschland ging schneller vorüber als befürchtet. Dürfen wir nun auf einen nachhaltigen Aufschwung hoffen – oder droht ein konjunkturelles Strohfeuer?

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Issing: Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2010 um rund 1,5 Prozent steigen, das ist angesichts des vorangegangenen Einbruchs schon eine sehr kräftige Erholung. Der Aufschwung ist aber noch fragil. In den nächsten Monaten kommt es darauf an, dass sich die Auftragsbücher der Betriebe wieder füllen. Was danach kommt, ist derzeit kaum zu prognostizieren.

Haben wir den Aufschwung bisher nicht vor allem den staatlichen Konjunkturprogrammen und den Liquiditätsspritzen der Notenbanken zu verdanken?

Zu einem erheblichen Teil. Daher besteht das Risiko, dass die Erholung an Schwung verliert, wenn die Impulse der Finanz- und Geldpolitik abebben. Zudem kommt auf die Banken in den nächsten Monaten eine Welle an konjunkturbedingten Abschreibungen im Kreditgeschäft zu. Die Bundesbank schätzt die Wertberichtigungen auf 30 bis 50 Milliarden Euro. Das ist von der Dimension her zwar beherrschbar. Aber es darf eben nichts anderes dazukommen.

Viele Experten fürchten, die Banken könnten wegen der zusätzlichen Abschreibungen die Kreditvergabe weiter einschränken. Wie groß ist die Gefahr einer flächendeckenden Kreditklemme?

Es gibt für eine generelle Kreditklemme derzeit keine empirische Evidenz...

...das sehen viele Unternehmen aber ganz anders.

Wie immer in solchen Situationen beklagen sich vor allem jene Unternehmen, bei denen die Banken zu Recht vorsichtig sind. Es ist schon merkwürdig, dass die Banken jetzt unter politischen Druck geraten, mehr Kredite zu vergeben. Zuvor hat man ihnen vorgeworfen, zu viel Kredite zu leichtfertig vergeben zu haben. Es mag sein, dass es an der einen oder anderen Stelle bei der Kreditvergabe klemmt. Aber bei langfristigen Geschäftsbeziehungen bekommen die meisten Unternehmen weiterhin Geld von ihrer Bank.

Wie erklären Sie sich dann, dass die Buchkredite im Euro-Raum sinken?

Wegen der schwachen Konjunktur investieren die Unternehmen weniger und fragen weniger Kredite nach. Die Ursache für die schwache Kreditvergabe allein in Engpässen auf der Angebotsseite zu suchen ist ein Ablenkungsmanöver.

Die Kapazitätsauslastung der Wirtschaft liegt weiter unter dem Normalniveau. Warum sollten die Unternehmen jetzt in zusätzliche Maschinen investieren?

Wie groß die Unterauslastung tatsächlich ist, lässt sich schwer quantifizieren. Da gibt es einen großen Unschärfebereich. Der Auslastungsgrad lässt sich erst einigermaßen verlässlich feststellen, wenn alle Daten vollständig und zuverlässig vorliegen. Die Krise dürfte das Produktionspotenzial nicht unerheblich beschädigt haben. Schätzungen gehen davon aus, dass bei normaler Auslastung der Kapazitäten derzeit nur ein Wachstum der Produktion von weniger als einem Prozent realistisch ist. Die Bundesbank geht von 0,75 Prozent aus. Wächst die Wirtschaft 2010 tatsächlich um 1,5 Prozent, bedeutet dies, dass die Kapa-zitätsauslastung steigt und die Unternehmen wieder Anreize für Investitionen erhalten...

...und der Aufschwung selbsttragend wird?

Die These eines selbsttragenden Aufschwungs steht noch auf wackligem Fundament. Auf jeden Fall ist nur mit einem moderaten Wachstum zu rechnen.

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7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.12.2009, 18:50 UhrAnonymer Benutzer: Joker1

    Wenn man Geld -ohne Hemmungen- in den Markt pumpt, das eigentlich nichts mehr Wert ist, darf man sich nicht wundern,
    dass wir unsere Volkswirtschaften zerstören.
    1,6 billionen Schulden, wer soll das jemals zurück bezahlen ?
    Die sog. kleinen bürger werden immer mehr in die Armut getrieben.
    Elend wohin man schaut, Schüler bekommen keine Ausbildungs- und
    Arbeitsplätze; Alkohol- und Drogenkonsum nehmen zu, hinzu kommen die seelischen Krankheiten. banker und Ganoven haben
    "Freifahrscheine" Geld, das bereits mehrfach versteuert ist, wird
    bei 0,75 % Zinsen nochmals geschröpft.
    Konzerne entlassen tausende, damit die Kasse wieder stimmt.
    Hemmungen gibt es keine mehr, die Auslese nach Darwin gewinnt
    an Fahrt; wir vernichten unsere Kultur und unsere Zukunft im
    Sauseschritt, weiter so !

  • 29.12.2009, 11:48 UhrAnonymer Benutzer: Das bewegt die Welt

    Ja Herr issing da haben Sie ein schönes inerview gemacht.
    Toll. Das beste an diesem ist diese Aussage " das System ist nicht perfekt". Man hätte es auch deutlicher sagen können. Das System ist der totale Müll. Erklären Sie doch mal den lesern das Zinseszinssystem. Denn das ist der wirkliche Fehler im System. Dieser wird über kurz oder lang gnadenlos auf die Staatshaushalte einschlagen. Rein von der mathematik her ist es unmöglich ein Zinseszinssystem auf immer und ewig durch zu halten. Das ist nun einfach mal fakt. Wahrheiten müssen auf den Tisch. Wenn das jeder versteht wird er merken das es keinen Ausweg geben wird wie den Weltweiten Staatsbankrott. So siehts aus Frau Maus. Alles was sie erklären mag richtig sein oder falsch. Wär aber nur an den Symptomen herum docktert und die Wahrheit verschweigt wird niemals auf eine Lösung der Probleme kommen.
    Gute infos gibt es hier.
    http://das-bewegt-die-welt.de/

  • 28.12.2009, 17:57 UhrAnonymer Benutzer: Igel

    "... die Goldwährung ... ist völlig abwegig. Sie können doch die monetäre Versorgung nicht von Zufälligkeiten der Goldproduktion ... abhängig machen! Das beste institutionelle Arrangement ist und bleibt eine unabhängige Notenbank mit klarem Mandat für Preisstabilität."

    Achso. Herr Prof. issing hat in seinem Lehrbuch eine schöne Grafik, die die Korrelation von Geldmenge und inflation klar und deutlich aufzeigt. Wenn nun der Dollar nach 100 Jahren 95% seines Wertes verloren hat, sollte die Geldmenge (ohne Wirtschaftswachstum) heute mindestens 20-mal größer als vor 100 Jahren sein. Glaubt der Mann wirklich an einen so riesigen Goldfund in den nächsten 100 Jahren ? Wenn nicht, wäre doch mit einer besseren Geltwertstabilität zu rechnen, als wir sie heute vorfinden. Tatsächlich beträgt die Goldproduktion etwa 2% der Weltgoldmenge pro Jahr mit wenig Schwankungen. Dagegen steigt M3 mal eben 12%. Die Geschäftswelt ist heute zwar nicht der Zufälligkeit der Goldproduktion aber dafür der beliebigkeit der Zentralbanken ausgeliefert. Hier was Herr Prof. issing noch verschweigt:

    1. Ein Goldanker funktioniert nur dann niemals, wenn die Deckung des Geldes nicht 100% beträgt.
    2. Er glaubt ernsthaft, das Preisniveau und das Wirtschaftswachtsum ließe sich genau messen. (ein Tagtraum!)
    3. basierend auf 2. glaubt er, man könne die Preise exakt mit dem biP wachsen lassen.
    4. Er glaubt, exakt 2% inflation sind optimal für eine Wirtschaft.
    5. Mit "Preisstabilität" meint Herr Prof. issing die jährlichen Schwankungen der Preise. Das schließt eine schleichende chronische Geldentwertung auf langfristige sich nicht aus, z.b. eine Halbierung nach 35 Jahren bei 2% inflation.
    6. Würde er Gold als Währung anerkennen, hieße das weniger Macht für die Zentralbanken und der Gruppierungen, die ihre Leute dort eingeschleust haben, wie z.b. Goldman Sachs.

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