_

Export-Rekord: Gute Zeiten, schlechte Zeiten

von Bert Losse

2011 haben die deutschen Exporte erstmals die Billionengrenze überschritten. Doch das sollte nicht zu überschäumendem Optimismus verleiten: In diesem Jahr wird das Klima für unsere Ausfuhrwirtschaft deutlich rauer.

Erstmals haben die deutschen Exporte einen Umsatz von mehr als einer Billionen Euro gemacht - Trotzdem sollte man für 2012 zunächst Vorsicht statt Euphorie walten lassen Quelle: dpa
Erstmals haben die deutschen Exporte einen Umsatz von mehr als einer Billionen Euro gemacht - Trotzdem sollte man für 2012 zunächst Vorsicht statt Euphorie walten lassen Quelle: dpa

Anzeige

Die Statistiker nahmen es ganz genau: Auf exakt 1.060,1 Milliarden Euro seien die deutschen Exporte im vergangenen Jahr gestiegen, meldete heute das Statistische Bundesamt. 2011 haben die deutschen Ausfuhren demnach erstmals die Billionengrenze überschritten ­ ein sattes Plus von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zahl zeigt die ungebrochene Stärke der deutschen Wirtschaft und das Ausmaß, in dem das Ausland deutsche Maschinen, Anlagen, Autos und Dienstleistungen schätzt. 

Vorsicht statt Optimismus

Doch trotzdem ist der neue Exportrekord mit Vorsicht zu genießen. Denn 2012 wird der Gegenwind für die Ausfuhrwirtschaft deutlich stärker. Wichtige Kunden in Europa, Japan und den USA und Übersee haben mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Die staatlichen Sparprogramme reduzieren vielerorts die öffentlichen Investitionen und damit die Geschäftschancen deutscher Firmen im Ausland. Der stockende Kreditfluss hemmt gleichzeitig die Investitionslust ausländischer Unternehmen, auch das fördert nicht die Nachfrage nach deutschen Produkten. 

Konjunkturszenario für 2012

Auf die Frage, welches Konjunkturszenario die Unternehmen ihren Planungen für das kommende Jahr zugrunde gelegt haben, fallen die Antworten vorsichtig optimistisch aus. Zwölf Prozent glauben, dass die Wirtschaft schrumpft. Nur elf Prozent der Firmen gehen davon aus, dass die Wirtschaft ebenso stark wachsen wird wie 2011. Die große Mehrheit von 76 Prozent rechnet jedoch damit, dass sie zwar langsamer wächst als 2011, aber immerhin wächst.

Quelle: Umfrage des ifo-Instituts unter knapp 600 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen im Dezember 2011, Differenz zu 100: keine Angabe. Sofern Mehrfachnennungen möglich waren, ist dies nochmals angegeben.

Quelle: dpa

Kaum Impulse zu erwarten

Bereits im Dezember, dem letzten Monat, für den aktuelle Zahlen vorliegen, gab es beim Export im Vormonatsvergleich einen überraschenden Einbruch um 4,3 Prozent. Dies war das kräftigste Minus seit Januar 2009. Der Exportklima-Indikator, den das Münchner ifo Institut exklusiv für die WirtschaftsWoche ermittelt, ist zuletzt drei Monate in Folge gefallen. Der Indikator bündelt den realen Außenwert des Euro – also die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Ausfuhrwirtschaft – sowie das Konsum- und Geschäftsklima auf den wichtigsten Absatzmärkten.

weitere Links zum Artikel

 „Damit zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das Winterhalbjahr 2011/12 für den deutschen Export kaum Impulse bringen dürfte“, heißt es bei ifo.

Auch die Bundesregierung ist skeptisch: In ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2012 geht sie nur noch von einem Exportplus von nur zwei Prozent aus. Da die Importe laut schwarz-gelber Prognose um drei Prozent zulegen, wäre der so genannte Außenbeitrag, also der Einfluss des Außenhandels auf das Wirtschaftswachstum,  in diesem Jahr sogar negativ. 

Da helfen auch Billionen-Rekorde nichts.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.02.2012, 21:31 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    Noch spannender ist die Frage: Wie hoch ist denn der Leistungsbilanzüberschuss und wer sind die jeweiligen Defizitländer? Unsere Überschüsse mit den PIIGS-Ländern können wir schonmal getrost abschreiben.

  • 08.02.2012, 14:23 UhrStephan.Locher

    Vergleiche vom 6. Febr. 2012: http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/experten-sehen-trendwende-weltkonjunktur-staerkt-deutsche-industrie/6168818.html

    Und was gilt denn nun? Trendwende oder einen Tag später angesichts Rekordexporten Vorsicht und instrumentalisiertes Gejammer?

  • 08.02.2012, 14:21 UhrStephan.Locher

    Vergleiche vom 6. Febr. 2012: http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/experten-sehen-trendwende-weltkonjunktur-staerkt-deutsche-industrie/6168818.html

    Und was gilt denn nun? Trendwende oder einen Tag später angesichts Rekordexporten Vorsicht und instrumentalisiertes Gejammer?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.