
An den Finanzmärkten hat die Talfahrt des Euro in den vergangenen Wochen manchem Investor schlaflose Nächte bereitet. Nicht so den Managern des krisengeplagten Maschinenbauers Heidelberger Druck. Dort herrscht eher Erleichterung ob der Schwäche der Gemeinschaftswährung. Seit November hat der Euro im Gefolge der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone gegenüber US-Dollar und japanischem Yen um knapp 20 Prozent abgewertet. Das macht die Druckmaschinen des Heidelberger Herstellers billiger. Seine Wettbewerbsposition gegenüber den Konkurrenten aus Japan hat sich verbessert.
Nicht nur bei Heidelberger Druck freut man sich über den schwächelnden Euro – die gesamte deutsche Exportwirtschaft verspricht sich davon zusätzliche Aufträge. Tatsächlich haben die deutschen Exporte im ersten Quartal 2010 um über zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt.
Dennoch wäre es verfehlt, das Plus allein auf die Abwertung des Euro zurückzuführen. Denn die Exporte reagieren erst mit einer Verzögerung von mehreren Quartalen auf veränderte Wechselkurse. Der Grund: Lieferverträge werden meist über längere Zeiträume geschlossen. Erst wenn die Verträge neu verhandelt werden, können die Käufer ihre Abnahmemengen anpassen.
Der Einfluss der Auslandskonjunktur
Empirische Studien zeigen zudem, dass der Wechselkurs nicht die wichtigste Determinante für die deutschen Exporte ist. Entscheidend ist vielmehr die Konjunktur auf den ausländischen Absatzmärkten. Die Ökonomen der Deutschen Bank Research haben errechnet, dass die deutschen Ausfuhren bei einem einprozentigen Wachstum der Weltwirtschaft um 2,1 Prozent zulegen, während sie bei einer Abwertung des Euro um ebenfalls ein Prozent nur um 0,5 Prozent zulegen. Die Auslandskonjunktur hat demnach einen vier Mal so großen Einfluss auf die Exporte wie der Wechselkurs. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Erstens spielt der Euro-Wechselkurs für fast die Hälfte der deutschen Ausfuhren nur eine untergeordnete Rolle: Sie gehen in die Länder der Euro-Zone. Wertet der Euro auf oder ab, ändern sich die Preise deutscher Waren in diesen Ländern nicht. Auswirkungen sind nur zu spüren, wenn deutsche Exporteure dort mit Produzenten aus anderen Währungsräumen konkurrieren, etwa wenn sich ein französischer Konsument aus Preisgründen für ein japanisches statt für ein deutsches Auto entscheidet.
Zweitens besteht Deutschlands Exportsortiment in erster Linie aus Investitionsgütern. Dabei haben Maschinen und Anlagen einen Anteil am Gesamtexport von 15,1 Prozent. Der Anteil von Autos beläuft sich auf 14,9 Prozent, der chemischer Produkte auf 9,1 Prozent, und der Anteil elektronischer und optischer Erzeugnisse beläuft sich auf acht Prozent. „Bei diesen Investitionsgütern spielen Qualität, Zuverlässigkeit und Kundenorientierung eine große Rolle“, sagt Stefan Schneider, Ökonom der Deutschen Bank Research. Und da haben deutsche Anbieter traditionell die Nase vorn. Viele Exporteure sind hoch spezialisierte Technologieführer. Hat ein Kunde erst einmal eine Anlage made in Germany gekauft, ist ein Wechsel des Anbieters bei Erweiterungs- oder Ersatzinvestitionen mit hohen Zusatzkosten verbunden, da die Anlagen anderer Hersteller nur schwer mit denen der Deutschen kombiniert werden können. Das schützt deutsche Exporteure vor raschen Nachfrageänderungen bei Wechselkursschwankungen.
Drittens sichern sich viele Exporteure am Devisenterminmarkt gegen schwankende Wechselkurse ab. Gegen Zahlung einer Prämie erhalten sie das Recht, einen in Zukunft eingehenden Betrag an Fremdwährungen zu einem vorab festgelegten Kurs in Euro zu tauschen. Großunternehmen wappnen sich gegen schwankende Kurse zudem dadurch, dass sie die Produktion (und damit auch die Lohnkosten) auf verschiedene Währungsräume verteilen. BMW etwa fertigt seine Autos für den Weltmarkt auch im US-Werk Spartanburg.
Viertens beeinflussen schwankende Wechselkurse auch die Beschaffungskosten. Wertet der Euro auf, verteuert dies zwar die Exporte. Zugleich verbilligen sich jedoch die importierten Vorprodukte, die in Auslandswährung fakturiert sind. Das spüren vor allem Branchen wie die Chemieindustrie, die stark auf Rohstoffe aus dem Ausland angewiesen sind. Die Unternehmen nutzen die niedrigeren Beschaffungskosten, um Preiszugeständnisse im Exportgeschäft zu machen. So können sie die Verteuerung durch die Euro-Aufwertung teilweise kompensieren – und dafür sorgen, dass sich die Wechselkurseffekte nur gedämpft in ihrer Bilanz niederschlagen.













