EZB-Modellrechnung: Anleihekäufe für 1000 Milliarden Euro jährlich geprüft

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EZB-Modellrechnung: Anleihekäufe für 1000 Milliarden Euro jährlich geprüft

, aktualisiert 04. April 2014, 17:23 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

In einem Modell hat die EZB die Effekte von Wertpapierkäufen von einer Billion Euro im Jahr berechnen lassen. Der EZB-Rat soll auf der Sitzung am Donnerstag aber noch nicht über Details möglicher Käufe gesprochen haben.

Die Europäische Zentralbank hat verschiedene Modellrechnungen zu den Auswirkungen eines massenhaften Kaufs von Wertpapieren auf die Inflation erstellen lassen. Die Simulationen rechnen dabei nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z./Samstagsausgabe) mit einem Volumen von 1000 Milliarden Euro Wertpapierkäufen innerhalb eines Jahres, also etwa 80 Milliarden Euro im Monat, die zur Bekämpfung der niedrigen Inflationsrate von im März 0,5 Prozent eingesetzt werden könnten.

Laut FAZ gehen sollen die Ergebnisse weit auseinander gehen. Im schwächsten Szenario würde die gewaltige Geldspritze die Inflationsrate nur um 0,2 Prozentpunkte erhöhen. Eine andere Simulation kommt auf eine Anhebung um 0,8 Prozentpunkte. Ein Sprecher der EZB wollte die konkreten Berechnungen auf Anfrage nicht kommentieren. EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Donnerstag verkündet, der 24-köpfige EZB-Rat habe erstmals ausführlich über eine sogenannte „Quantitative Lockerung“ gesprochen und sei einstimmig bereit, „auch unkonventionelle Maßnahmen“ zu ergreifen, einschließlich des „Quantitative Easing“.

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Die Deflationsangst in der Euro-Zone ist weiterhin groß, auch im März fällt die Inflationsrate mager aus. Doch für eine Panik gibt es keinen Grund, wer die niedrige Teuerung ausschließlich verteufelt, tut ihr Unrecht.

EZB-Chef Mario Draghi nach dem Eurogruppen-Treffen der Finanzminister am Dienstag in Athen. Quelle: AP

Laut Vizepräsident Vitor Constancio hat der EZB-Rat bei seinem jüngsten Treffen noch keine Details eines möglichen umfangreichen Wertpapierkaufprogramms diskutiert. "Dafür war das Umfeld nicht entsprechend", sagte Constancio am Freitag dem Fernsehsender CNBC. Es sei am Donnerstag nicht über die Frage gesprochen worden, ob die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen oder private Schuldtitel kaufen könnte. Vielmehr sei es vor allem darum gegangen, einen grundsätzlichen Konsens unter den Mitgliedern des Rats herzustellen, dass Wertpapierkäufe - im Fachjargon Quantitative Easing genannt - als Mittel im Kampf gegen eine drohende Deflation in der Euro-Zone eingesetzt werden könnten. "Diese Einigkeit herzustellen war sehr wichtig", sagte Constancio.

Er betonte, es sei kein konkreter Zeitrahmen genannt worden, in dem das Instrument eingesetzt werden könnte. Entscheidend sei, wie sich die Teuerung in den nächsten Wochen entwickle. Dann könne die EZB beurteilen, ob der Tiefpunkt bei der Inflation erreicht sei oder nicht. Die alle drei Monate anstehende Prognose der EZB-Ökonomen im Juni werde dann eine Antwort darauf geben, ob sich durch den Rückgang der Teuerung im März das mittelfristige Szenario für die EZB verändert hat oder nicht.

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Wie die FAZ schreibt, ist in der Europäischen Zentralbank stark umstritten, ob ein Quantitative Easing im Euroraum effektiv wirken würde. Die „Transmission“, also die Übertragung des Impulses, liefe wohl schlechter als in Amerika. „Die Frage wäre, ob in Europa der private Anleihemarkt überhaupt groß genug wäre für ein QE“, sagte ein Notenbank-Insider der Zeitung. Ein hochrangiger Zentralbanker äußerte sich zudem sehr kritisch über mögliche Marktverzerrungen. Mit Blick auf die Preise von Unternehmensanleihen sprach er schon jetzt von einer „Blase“.

Nach Angaben der F.A.Z. neigen einflussreiche Stimmen im EZB-Rat eher zu einer Erleichterung der Finanzierungskonditionen von kleinen und mittleren Unternehmen durch eine Belebung des Markts für verbriefte Mittelstandskredite. Solche Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) galten als einer der  Gründe für die Finanzkrise in Amerika, weil damit Risiken verschleiert wurden. Draghi betont aber, dass die europäischen ABS-Papiere viel transparenter konstruiert seien. Entsprechend müssten sie weniger hart bei der Eigenkapitalregulierung behandelt werden. Die EZB wolle noch in diesem Monat gemeinsam mit der Bank of England einen Vorstoß für den europäischen ABS-Markt machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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