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EZB-Politik: Schäuble und Weidmann gehen auf Distanz

Quelle: Handelsblatt Online

Wolfgang Schäuble und Jens Weidmann haben sich nichts mehr zu sagen. Weidmann sagte eine Pressekonferenz mit dem Finanzminister ab, der sich die Kritik an der EZB verbittet. Streit gibt es nun um die neue Bankenaufsicht.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble haben sich inzwischen immer mehr voneinander entfernt. Quelle: Reuters
Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble haben sich inzwischen immer mehr voneinander entfernt. Quelle: Reuters

Berlin/NikosiaIm Streit um den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB geht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf Distanz zum obersten Notenbanker Deutschlands. Der Minister untermauerte am Wochenende seine Kritik an Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der als Vertreter der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone im Rat der Europäischen Zentralbank gegen die Entscheidung gestimmt hat. Es gebe eine Debatte innerhalb der EZB, die er mit Respekt zur Kenntnis nehme, sagte Schäuble der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eine öffentliche Debatte jedoch lehnte Schäuble ab.

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Weidmann sagte am Samstag kurzfristig seine Teilnahme der Pressekonferenz Schäubles zum Abschluss des EU-Finanzministertreffens in Nikosia ab, das dank der EZB-Ankündigung am Ende einer ausgesprochen positiven Woche für die Finanzmärkte lag. Der Bundesbankchef habe schon zum Flughafen aufbrechen müssen, sagte Schäubles Sprecher. "Es gibt nur eine Maschine nach Frankfurt", fügte der Finanzminister hinzu.

Dass ein Regierungsmitglied Kritik an Notenbankern übt, ist ungewöhnlich. Ein Streit zwischen politischer und geldpolitischer Führung der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone droht zudem eine Beruhigung der Schuldenkrise zu gefährden.

Weidmann hatte schon vor der Entscheidung der EZB, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Staatsanleihen der Mitgliedsländer zu kaufen, dagegen Front gemacht. In der EZB-Ratssitzung votierte er als einziger mit Nein. Auch unmittelbar vor dem Beschluss hatte Schäuble kritisiert, dass Beratungen in den EZB-Gremien in Teilen veröffentlicht würden.

Eine Studie zeigt jetzt aufs Neue, dass die Angelsachsen mit der „German Angst“ grundsätzlich nicht falsch liegen: Auch 2012 wird in der Bundesrepublik wie eh und je gefürchtet. Anders als die Definition der „German Angst“ jedoch impliziert, sind es dabei aber keineswegs diffuse Ängste, die die Deutschen umtreibt. In der am Donnerstag veröffentlichten R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ erreichen in diesem Jahr ausschließlich wirtschaftlich-politische Sorgen Spitzenwerte.

Bild: AP

Schäuble bekräftigte seine Unterstützung für den EZB-Beschluss, gegen die Kritiker aus Sorge vor einer Staatsfinanzierung durch die Notenbank Sturm laufen. "Die EZB hat immer gesagt, sie kaufe Staatsanleihen nur aus geldpolitischer Verantwortung heraus", betonte Schäuble. "Und sie wird das nur in solchen Ländern tun, die unter dem Rettungsschirm sind und die sich an strikte Auflagen halten. Es geht darum, Übertreibungen an den Märkten einzudämmen."

Der Minister pochte in Nikosia auf diese strikten Auflagen. Krisenstaaten wie Spanien müssten im Gegenzug für jede Hilfe aus dem gemeinsamen Rettungsfonds ESM ein Programm aus Strukturreformen zusagen, betonte er. Dies gelte auch für den Fall, wenn der ESM dank einer zentralen europäischen Bankenaufsicht Institute direkt mit Kapital unter die Arme greifen könne, um den Steuerzahlern weitere Rettungsmilliarden zu ersparen.

Eine Bankenaufsicht sei eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für direkte Hilfen an Finanzinstitute, sagte Schäuble. Es bleibe bei den Regeln des ESM: "Mit dem Land muss auch dann ein Anpassungsprogramm vereinbart werden. Daran gibt es keine Zweifel."

Große Proteste in Spanien

Nach dem grünen Licht aus Deutschland für den ESM hat sich Spanien auf den Weg zu weiteren Finanzhilfen gemacht. Die Regierung kündigte bis Ende des Monats ein Reformpaket an. In Madrid gingen am Samstag Zehntausende aus Protest gegen den Sparkurs auf die Straße.

Wie die unter dem Dach der EZB geplante Bankenaufsicht eingerichtet wird, ist unter den Regierungen umstritten. Es seien in der ersten, intensiven Debatte unter den Finanzministern einige grundsätzliche Fragen angesprochen worden, sagte Schäuble. So sei offen, "ob es nun die EZB alleine macht" oder ob eine andere Struktur gesucht werden müsse. "Die europäische Aufsicht wird nicht alle 6.000 Banken (der Euro-Zone) kontrollieren," betonte er. "Sie wird den Großteil der Banken natürlich den nationalen Behörden überlassen." Die Reichweite der Aufsicht gehört zu den größten Streitpunkten.

Anders als Deutschland drückt Frankreich zudem aufs Tempo: „Wir können und müssen schnell vorankommen“, sagte Finanzminister Pierre Moscovici in Nikosia. „Es geht nicht darum zu hetzen, aber wir müssen den Takt der Reformen halten.“ Auf die Frage, ob er mit Schäuble übereinstimme, dass der Start der neuen Behörde zum Jahreswechsel unrealistisch sei, antwortete Moscovici: „Nein.“

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.09.2012, 07:08 UhrRolf

    e, der alte Trickser und Vertuscher möchte seine Schiebereien lieber im geheimen. Er passt zu den anderen korrupten lobbyistischen Euro-Ideologen, die keine Probleme haben Verträge zu brechen, Recht zu beugen, Lügen aufzutischen, bewußt die Bevölkerung manipulieren und desinformieren. Um den Euro zu retten, wird Demokratie und Rechtsstaat und der Wohlstand der nächsten Generationen geopfert.
    Weidmann sollte die Anleihekäufe nicht mittragen und seinerseits klagen. Bis jetzt hat er einen guten Job gemacht und verdient Respekt.
    Es reicht mit der Sozialisierung fremder Privatschulden.
    Mal sehen, wie die Eurologen eine Zypern-"Rettung" (Zypern gefährdet ja nicht die Eurozone als Ganzes) verkaufen.

  • 17.09.2012, 00:28 UhrGernotMeyer

    Die linkische und unbeholfene Ausdrucksweise von Dr. S. ist eine Schande für einen Demagogen! Ständig dieses 'Ich habe immer gesagt...' Lächerlich.
    Wann studiert der endlich mal ein paar Reden von Dr. G.?!

  • 16.09.2012, 22:00 UhrMariposa

    Herr Schaeuble verbittet sich also Kritk am Euro Rettungsfonds. Ein weiterer Darsteller aus dem schlechten Schauspiel "Alternativlos". Ich kann nur hoffen, dass Herr Weidmann durchhaelt und nicht zuruecktritt. Sonst ist die Unabhaengigkeit der Bundesbank vollkommen hinueber. Als unabhaengige Institution kann er auch nicht so einfach von der Kanzlerin abgesaegt werden. Es wird nicht sehr angenehm fuer ihn aber er sollte im Dienste der Menschen bleiben. Schaeuble sollte mit seinem paranoiden Altersstarrsinn endich das Feld raeumen. Schon als Innenminister war fuer ihn jeder Deutsche schon mal grundsaetlich fuer irgendwas verdaechtig, als Finanzminister grundsatzlich jeder Deutsche ein potentieller Steuerhinterzieher.

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