EZB-Zinsentscheid: Gut gemacht, Monsieur Trichet!

KommentarEZB-Zinsentscheid: Gut gemacht, Monsieur Trichet!

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Die Europäische Zentralbank senkt die Leitzinsen und will demnächst begrenzt Pfandbriefe ankaufen. Eine kluge und von Pragmatismus geprägte Entscheidung.

Diesmal haben es die Währungshüter um EZB-Chef Jean-Claude Trichet besonders spannend gemacht. Auf der Sitzung am vergangenen Donnerstag ging es nicht nur um die Leitzinsen sondern auch darum, ob die EZB anderen großen Zentralbanken wie der Fed, der Bank von England und der Bank von Japan folgt und aktiv Staats- und Unternehmensanleihen ankauft um auf diese Weise Liquidität in das Bankensystem zu pumpen. Viele Ökonomen hatten genau dies gefordert, um ein Abrutschen der Euro-Wirtschaft in die Deflation zu verhindern. Mit ihren Beschlüssen vom Donnerstag ist den Eurohütern das Kunststück gelungen, die warnenden Stimmen zu beruhigen ohne jedoch ihren Forderungen im Kern nachzugeben.

Wie hat die EZB das geschafft? Ganz einfach: Durch einen bunten Strauß richtiger und pragmatischer Entscheidungen. Erstens haben die Eurohüter den Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf nunmehr 1,0 Prozent gesenkt und sich dabei die Tür für weitere Schritte offen gehalten falls die Konjunktur dies erfordern sollte. Damit tragen die Währungshüter zum einen den noch immer vorhandenen Abwärtsrisiken für die Wirtschaft Rechnung. Zum anderen können sie bei einer überraschenden Besserung der Konjunktur längere Zeit eine Zinspolitik der ruhigen Hand fahren als andere Notenbanken, die ihre Zinsen schon auf Null Prozent geschleust haben und bereits in der Frühphase des nächsten Aufschwungs wieder auf die Bremse treten müssen.

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Mehr Planungssicherheit

Zweitens haben die Eurohüter die Höchstlaufzeit ihrer Refinanzierungsgeschäfte für die Geschäftsbanken von sechs auf zwölf Monate verlängert. Das gibt den Banken mehr Planungssicherheit bei der Beschaffung von Zentralbankgeld und wird die Lage am Geldmarkt weiter entspannen.

Drittens will die EZB bald auf Euro denominierte Pfandbriefe für rund 60 Milliarden Euro ankaufen. Der Mark für diese von Banken emittierten Anleihen, die meist durch Grundpfandrechte auf Grundstücke besichert sind, ist im Zuge der Finanzkrise regelrecht zusammen gebrochen. Die Käufe der EZB sollen ihn nun wieder beleben und den Banken gezielt bei der Refinanzierung helfen. Das ist deshalb besonders wichtig, weil die Finanzierung der Unternehmen in Euroland stärker auf den Bankensektor konzentriert ist als etwa in den USA.

Jenseits des Atlantiks finanzieren sich die Unternehmen stärker über den Kapitalmarkt, etwa durch die Emission von Anleihen und anderen Papieren. Das erklärt auch, warum die US-Notenbank Fed Unternehmensanleihen ankauft: Sie will deren Kurse steigern und die Effektivzinsen für die Firmen senken. 

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