Fed-Beschluss: Wer Janet Yellen Kontra gibt

Fed-Beschluss: Wer Janet Yellen Kontra gibt

, aktualisiert 23. September 2016, 13:38 Uhr
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Seit Jahren ist Griechenland das Sorgenkind der Europäischen Union. Das durchschnittliche Netto-Geldvermögen pro Kopf im Jahr 2015 beträgt in Griechenland 11.231 Euro. Die Zahlen stammen aus dem Allianz Global Wealth Report.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Drei Entscheidungsträger stimmten gegen den Fed-Beschluss, die Zinsen nicht anzufassen. Das hatte sich zuletzt angedeutet. Notenbank-Chefin Yellen dürfte viel dafür tun, damit im Dezember wieder Einigkeit herrscht.

New YorkWenn Esther George ruft, folgen ihrer Einladung die wichtigsten Notenbanker der USA und auch der Welt. Einmal im Jahr veranstaltet die Chefin des US-Notenbankzweiges von Kansas City das Spitzentreffen im Grand Teton Nationalpark. In diesem August fehlte zwar die US-Notenbankchefin Janet Yellen und so konnte George ihren Widerspruch in Sachen US-Geldpolitik nicht vor der malerischen Kulisse von Jackson Hole mit Yellen persönlich diskutieren. Doch auch in Washington gibt die 58-Jährige Kontra.

Zusammen mit Loretta Mester und Eric Rosengren hatte George am Mittwoch gegen die Mehrheit des geldpolitischen Ausschusses der US-Notenbank (Fed) gestimmt. Die drei „Falken“, wie Anhänger einer härteren geldpolitischen Linie genannt werden, hätten lieber eine Zinserhöhung gesehen. Doch letztlich setze sich Fed-Chefin Yellen durch – und schob die Zinswende in die Zukunft.

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George hatte sich gemeinsam mit anderen regionalen Fed-Chefs am Rande der Konferenz in Jackson Hole sogar mit Vertretern einer Kampagne getroffen, die nicht ihre Sicht der Dinge teilt. Die Gruppe „Fed Up“ tritt für dauerhaft niedrige Leitzinsen ein, da dadurch Vollbeschäftigung erreicht werden könne. George sieht das anders. Es herrsche beinahe Vollbeschäftigung, die Inflation liege zumindest nahe dem gewünschten Ziel von zwei Prozent und die Zinsen verharrten trotzdem auf ihrem Rekordtief, ist ihre Position. „Ich unterstützte eine langsame Normalisierung der Leitzinsen, aber meiner Meinung nach ist das heutige Niveau zu niedrig“, sagte sie bereits im Mai.

Georges Warnung: Es bestehe die Gefahr, dass „zinssensible“ Bereiche der Wirtschaft „zu viele Schulden machen und zu schnell wachsen“ – und dann auf gefährliche Weise wieder abspecken müssten. „Wir haben das bei der Immobilienkrise gesehen und bei den heutigen Anpassungen im Energiesektor“, sagte sie in Anspielung auf die vergangene Finanzkrise und die Pleiten von überschuldeten Öl- und Gasfirmen.

Im geldpolitischen Ausschuss sitzen Fed-Chefin Janet Yellen, ihr Stellvertreter Stanley Fischer und drei Gouverneure, die alle permanent stimmberechtigt sind. Hinzu kommen zwölf Präsidenten der regionalen Notenbanken, die quasi den Unterbau des gesamten Notenbank-Systems der USA bilden. Von ihnen ist aber nur Bill Dudley aus New York permanent stimmberechtigt, die anderen wechseln sich in einem bestimmten Turnus regelmäßig ab, sodass bei jeder Sitzung insgesamt zehn Stimmen vorhanden sind. George hatte schon im Juli gegen die Mehrheit gestimmt, damals noch als einzige Stimmberechtigte. Im Juni hatt es gar keine Abweichler geegben.

Bereits seit 1982 arbeitet George für die Fed Kansas, 2011 folgte sie als Präsidentin auf den zur US-Einlagensicherung gewechselten Tom Hoenig. Er selbst war als geldpolitischer Falke bekannt und gilt als einer der schärfsten Bankenkritiker innerhalb der Aufsichtsbehörden.

Die Zusammenarbeit mit ihrem Vorgänger hat George lange geprägt. In ihrer Vergangenheit hat sie sich intensiv mit dem Thema der Bankenaufsicht beschäftigt – und hat daher einen besonderen Blick für mögliche negative Auswirkungen niedriger Zinsen für das Finanzsystem. Sie zitiert auch gerne Paul Volcker, den Helden aller Falken, der in seiner Amtszeit als Fed-Chef (1979 bis 1987) die Inflation ausgebremst und dafür eine Rezession in Kauf genommen hatte.


Zweite Widersacherin: Loretta Mester

Loretta Mester, wie George 1958 geboren, ist Präsidentin der Fed Cleveland. Zuvor arbeitete sie bei der regionalen Notenbank in Philadelphia. Ende August ließ sie in einem Interview durchblicken, dass sie an eine robuste Erholung der US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr glaubt. Eine Abstimmungstendenz für den gestrigen Abend war damals noch nicht erkennbar.

Ähnlich wie George hatte auch sie bereits im Juni in einer Rede davor gewarnt, die Zinsen auf einem langfristig niedrigen Niveau verharren zu lassen. Ein durch langes Zögern verursachte aggressive Anhebung der Zinsen könne die Stabilität des Finanzsystems gefährden, so Mester damals.

Dritter Widersacher Eric Rosengren

Die Entscheidung der Falken hatte sich also angedeutet. Eric Rosengren, Chef der Fed Boston seit 2007 und damit geldpolitischer Entscheidungsträger schon unmittelbar vor der Finanzkrise, mahnte kürzlich eine Überhitzung des Gewerbeimmobilienmarktes an, verursacht durch eine laxe Geldpolitik über einen längeren Zeitraum. Durch ihr Zögern, so Rosengren, riskiere die Fed eine Rezession – insofern war es nur konsequent, dass auch er sich gegen die Mehrheit gestellt hat.

US-Medien sprechen dieser Tage von einer „tief gespaltenen Fed“ – eine durchaus fragliche Bezeichnung. Auch die Falken fordern nur sehr vorsichtige Zinserhöhungen. Fed-Chefin Yellen und ihre Befürworter haben die Risiken einer zu langsamen Normalisierung durchaus im Blick. Niemand bestreitet etwa, dass auf dem Markt für Gewerbeimmobilien eine Überhitzung droht. Dieser Bereich umfasst allerdings nur einen kleinen Teil des Immobilienmarktes – daher sei er nach Ansicht der „Tauben“, also den Anhängern einer weichen Geldpolitik, nicht ausschlaggebend.

Auch bei der Analyse der wirtschaftspolitischen Situation herrscht Konsens. Die US-Wirtschaft wächst langsam und stetig, der Arbeitsmarkt ist relativ stark und die Inflation auf einem guten Weg. Doch ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Die Falken glauben Ersteres und plädieren daher für eine vorausschauende Geldpolitik. die Tauben hingegen denken etwas pessimistischer – und sehen noch keinen Handlungsdruck.

Letztlich hängt die Entscheidung allen voran an den ständigen Vertretern. Yellen, ihr Stellvertreter Fischer und New-York-Chef Dudley haben den größten Einfluss. Ihr Spitzname: die „Troika“. Solange die drei Entscheidungsträger zusammenhalten, dürfte die Mehrheit kaum gefährdet sein. Yellen und Dudley gelten als Tauben, Fischer hingegen folge hin und wieder einer härteren Linie, heißt es.

Als Yellen legte im vergangenen Dezember großen Wert auf ein einstimmiges Votum, als sie zum ersten und bislang einzigen Mal seit der Finanzkrise die Zinsen anhob. Im Vorfeld hatte sie intensive Gespräche mit den Ausschuss-Mitgliedern geführt. Man kann davon ausgehen, dass bei einer Zinserhöhung Einstimmigkeit vorausgesetzt wird. Andernfalls – so wie in diesem Monat – dürfte die Anhebung verschoben werden.

Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl im November tagt die Fed ein weiteres Mal. Doch eine Zinserhöhung gilt zu diesem Zeitpunkt als unwahrscheinlich, die meisten Beobachter rechnen eher mit einem im Dezember. Bereits der Tonfall des jüngsten Fed-Statements sei härter und „falkenhafter“ geworden, analysierte Torsten Slok von der Deutschen Bank. Und Yellen dürfte hart daran arbeiten, im Dezember eine möglichst einstimmige Entscheidung herbeizuführen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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