Fed: US-Notenbank verschiebt Zinswende

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Fed: US-Notenbank verschiebt Zinswende

, aktualisiert 17. September 2015, 20:40 Uhr
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Federal-Reserve-Chefin Janet Yellen bei der Pressekonferenz am Donnerstag.

Die Währungshüter der US-Notenbank Fed haben ihren Beschluss zu den Leitzinsen verkündet: Sie wagen sich noch nicht an die Zinswende. Der Leitzins bleibt unangetastet auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Die US-Notenbank Fed beendet die Ära des billigen Geldes noch nicht. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Finanzsystems mit Geld bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie die Währungshüter am Donnerstag mitteilten. In der Entscheidung war sich das Führungsgremium weitgehend einig: sie sei mit neun zu eins Stimmen gefallen, hieß es. Lediglich Jeffrey Lacker stimmte dagegen. Der Zentralbanker ist als Verfechter einer straffen geldpolitischen Linie bekannt.

Damit spielt die Fed bei der Normalisierung der Geldpolitik weiter auf Zeit. Die meisten Experten hatten damit gerechnet, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende wegen des jüngsten Börsenbebens in China und Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft vorerst weiter aufschieben würde. So lautete denn auch die Begründung der Währungshüter: Die US-Wirtschaft wachse zwar moderat, doch gebe es Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten. Globale Entwicklungen könnten die Konjunktur dämpfen, hieß es in einem Statement.

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Das sagen Experten zum Fed-Zinsentscheid

  • Marcel Fratzscher, Präsident des DIW-Instituts

    "Die Entscheidung der US-Notenbank ist enttäuschend und nicht konsequent. Die Fed hat sich vom großen Druck der Finanzmärkte beeindrucken lassen. Eine Nullzinspolitik ist nicht mehr angebracht, da die US-Volkswirtschaft nicht mehr in der Krise ist. Wachstum, Beschäftigung und Inflationserwartungen deuten alle auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in den USA hin.
    Auch bei einer ersten Zinserhöhung wäre die Geldpolitik der USA noch immer extrem expansiv gewesen. Jede geldpolitische Entscheidung enthält Risiken. Die Risiken einer zu frühen Zinserhöhung und negativer Effekte für Schwellenländer steht das größere Risiko für die Finanzstabilität gegenüber. Die US-Notenbank muss in den kommenden zwei Jahren die Zinsen nachhaltig anheben, um nicht den gleichen Fehler der 2000er-Jahre, in der eine Zinserhöhung zu lange herausgezögert wurde, zu wiederholen.
    Die größte Gefahr für die Finanzmärkte ist nicht eine Zinserhöhung der US-Notenbank, sondern eine anhaltende Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der USA. Die Entscheidung der US-Notenbank diese Woche hat die Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs nicht reduziert, sondern weiter erhöht."

  • Liana Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Öffentlicher Banken

    "Die amerikanische Notenbank verzögert die Zinserhöhung und spielt mit ihrer Glaubwürdigkeit. Obwohl die Fed eines ihrer erklärten Ziele, die Vollbeschäftigung, nahezu erreicht hat, traut sie es der US-Konjunktur noch nicht zu, eine erste Zinserhöhung zu verkraften. An den Märkten verlängert die Fed durch ihr Zögern die Unsicherheit über die lang erwartete Zinswende in den USA.

    Von einer Zinserhöhung für Europa ist auch die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit entfernt. Vor einem ersten Zinsschritt - frühestens im Jahr 2017 - muss zunächst das Anleihen-Kaufprogramm enden. Ob dies bereits, wie zunächst angedeutet, im Herbst 2016 der Fall ist, erscheint heute unwahrscheinlich. Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns somit noch länger begleiten."

  • Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef

    "Wir wünschen uns Zeiten, in der auch Zinserhöhungen möglich sind. Eine US-Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wäre aber gefährlich gewesen, weil wir vielen globalen Krisenherden ausgesetzt sind - von China bis Brasilien. Viele Schwellenländer befinden sich in einer Konjunkturkrise. Mit einer US-Zinserhöhung wäre der Kapitalabfluss aus diesen Schwellenländern noch größer als ohnehin schon.
    Die robuste Konjunktur und der verbesserte Arbeitsmarkt in den USA legen nahe, dass die Zinswende nicht außer Reichweite ist. Nach wie vor ist der Preisdruck über Lohnerhöhungen aber recht gering, so dass Eile nicht geboten ist. Irgendwann wird und muss die Zeit des billigen Geldes auch enden."

  • Bob Michele, JP Morgan Asset Management

    "Ich bin alles andere als überrascht. Es hätte mich schockiert, wenn die Fed ihre Zinsen angehoben hätte. Denn der Markt wäre darauf alles andere als vorbereitet gewesen."

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

    "Seit zwei Jahren prognostizieren Analysten weltweit den Beginn eines Zinsanhebungszyklus in den USA - und immer wieder wird dieser verschoben. Klar rechnen auch wir irgendwann mit einem Zinsschritt. Aber wir glauben nicht, dass damit auch tatsächlich langfristig eine Schubkraft für die Kapitalmärkte verbunden wäre. Denn eine Erhöhung würde ohnehin nur im minimalen Bereich erfolgen - das würde dann sicher auch für die weiteren Folgeschritte in den kommenden Monaten gelten.
    Eine andere Taktik kann sich die USA auch gar nicht erlauben. Sie ist im Prinzip gefangen in ihrer eigenen Zinsstarre - denn eine tatsächliche Wende in der Politik des billigen Geldes könnte die Erholung am US-Immobilienmarkt ins Wanken bringen. Außerdem würde bei steigenden US-Zinsen und gleichzeitig einem Null-Zins-Kurs in der restlichen Welt der US-Dollar sehr stark an Wert gewinnen. Zwei Konsequenzen wären dann naheliegend: Zum einen brächen die US-Exporte weg; zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen. Wir sind der Überzeugung, dass die US-Notenbank nicht bereit ist, diese Risiken einzugehen."

  • Brian Rehling, Wells Fargo

    "In unseren Augen ist das die richtige Entscheidung. Die Inflationsdaten stützen derzeit noch keine Zinserhöhung. Auch die globalen Turbulenzen sprechen für diese Entscheidung.

    Ein bisschen enttäuscht bin ich über die Hinweise auf die Zukunft. Ich hatte mit etwas mehr Andeutungen auf den Zeitpunkt für einen Zinsschritt erhofft. Es gab aber nicht sehr viele Signale."

  • Andreas Bley, Chefvolkswirt Deutsche Volks- und Raiffeisenbanken

    "Leider hat die Fed die lange überfällige Leitzinserhöhung noch einmal herausgeschoben. Die Konjunktur hat sich in den USA weitgehend normalisiert. Dazu passt kein Leitzins nahe null. Die Fed sollte im Dezember den Mut haben, den Leitzins anzuheben, auch wenn die Teuerung dann noch auf einem niedrigen Niveau verharrt. Der Preisanstieg dürfte wieder zunehmen, wenn die Energiepreise allmählich wieder anziehen. Auch im Euro-Raum dürfte sich die Inflation im kommenden Jahr wieder normalisieren und die wirtschaftliche Erholung fortsetzen. Für Sorgen vor einer Deflation besteht daher trotz des niedrigen Preisanstiegs kein Anlass."

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea

    "In der Fed ist man sich unsicher, wie stark die Inflation tatsächlich steigen wird. Diese Unsicherheit wird sich in den kommenden Monaten nicht unbedingt legen. Der Wille zur Zinserhöhung ist zwar nach wie vor da, aber er kann in den nächsten Monaten durchaus schwinden. Auch wenn der Leitzins in den nächsten Monaten steigt - der Zinserhöhungspfad wird wahrscheinlich flach ausfallen, denn einen zu starken Dollar kann die Fed nicht wollen."

Der Leitzins liegt seit dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise Ende 2008 bei nahe null. Die Fed hat jedoch eine Erhöhung und damit eine geldpolitische Straffung noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt - es wäre die erste seit fast zehn Jahren. Viele Beobachter rechnen damit, dass Yellen die Zinswende nun zum Jahresende vollziehen wird.

Ökonomen waren sich im Vorfeld des Zinsentscheids uneins über Yellens Kurs gewesen. So sagte etwa der US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zur WirtschaftsWoche, es gebe "keinen Grund" für eine Anhebung der Leitzinsen durch die Federal Reserve. Die Erholung der US-Konjunktur sei noch nicht stabil genug und zudem bei vielen Bürgern kaum angekommen.

Nach Definition vieler Volkswirte herrscht jedoch an den Arbeitsmärkten bereits Vollbeschäftigung, so dass das Hauptargument der Fed gegen eine Zinserhöhung wegfiele. In ihrem Statement räumte die Fed auch ein, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessert habe. Die Finanzmärkte warten nun gespannt auf neue Hinweise auf einen Zeitpunkt für die Zinswende.

Der Euro legte nach der Entscheidung deutlich zu und kletterte zeitweise über 1,14 Dollar. Die Wall Street lag leicht im Plus. Vor dem Zinsentscheid war die Wall Street kaum vom Fleck gekommen. In Erwartung des wohl spannendsten Sitzungsergebnisses der US-Währungshüter seit Jahren trauten sich die Investoren nicht aus der Deckung. Durchwachsene amerikanische Konjunkturdaten hatten keinen erkennbaren Einfluss auf die Börsenkurse.

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Der Dax war am Donnerstag kaum verändert aus dem Handel gegangen. Die Händler rechneten bereits mit einer Verschiebung der Zinswende Richtung Jahresende.

Die Geldpolitik der USA ist für die weltweite Wirtschaft von großer Bedeutung: Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, zieht das internationales Finanzkapital an. Dies lässt wiederum den Kurs des US-Dollar steigen. Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld geflossen war.

Zudem haben sich viele Unternehmen in aufstrebenden Volkswirtschaften stark in Dollar verschuldet. Sie würden deshalb unter einer weiteren Aufwertung der US-Währung leiden.

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