Federal Reserve: US-Notenbank senkt Wachstumsprognose

Federal Reserve: US-Notenbank senkt Wachstumsprognose

, aktualisiert 02. November 2011, 20:35 Uhr
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Ben Bernanke, Chef der Federal Reserve Bank bei einer Rede in Boston.

Quelle:Handelsblatt Online

Während die US-Notenbank an ihrer Niedrigzinspolitik festhält, macht die hohe Inflation im Euroraum eine rasche Zinssenkung durch die EZB unwahrscheinlich. Die OECD rechnet nur noch mit einem Mini-Wachstum.

WashingtonDie US-Notenbank bleibt trotz einiger zaghafter Anzeichen einer konjunkturellen Belebung pessimistisch. Vor allem die Lage am Arbeitsmarkt und auf den Immobilienmärkten sei weiterhin alles andere als rosig, erklärte die Federal Reserve am Mittwoch nach einer Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington. Zwar habe die US-Wirtschaft im dritten Quartal an Stärke zugelegt, allerdings bleibe die Konjunktur auf dünnem Eis. Auch die Krise der europäischen Währungsunion bleibe ein Risikofaktor, der genau beobachtet werden müsse.

Fed-Chef Ben Bernanke machte zwar deutlich, dass er jederzeit Gewehr bei Fuß stehe, um die Wirtschaft noch stärker als bisher zu unterstützen. Er wurde allerdings nicht konkreter. Den Leitzins beließen die Notenbanker erwartungsgemäß bei null bis 0,25 Prozent. Bernanke sagte bei der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss, das Wachstumstempo dürfte „frustrierend langsam“ bleiben. Er und die anderen Mitglieder des FOMC seien „unzufrieden mit der konjunkturellen Entwicklung“, vor allem die Arbeitslosigkeit sei „deutlich zu hoch“.

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Bernanke bekräftigte, er sei „nötigenfalls bereit für weitere Maßnahmen, um die wirtschaftliche Erholung zu sichern und die Preise stabil zu halten“. Bei der jüngsten Sitzung sprach sich jedoch nur einer der zehn stimmberechtigten Notenbanker in dem Ausschuss für weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur aus. Die US-Börsen konnten ihre Gewinne trotz der pessimistischen Einschätzung halten.

Keine Hinweise auf QE3

Die Notenbanker bekräftigten, dass der Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld aller Voraussicht nach bis Mitte übernächsten Jahres auf diesem extrem niedrigen Niveau bleiben dürfte. Die Ende September beschlossene Umschichtung der Bilanz gehe weiter. Gelder aus auslaufenden Anleihen würden zudem in Immobilienpapiere reinvestiert, um den Häusermarkt zu stützen. Mit diesen bereits bei der letzten FOMC-Sitzung vor sechs Wochen beschlossenen Maßnahmen will die Notenbank das langfristige Zinsniveau drücken.

Hinweise auf zusätzliche, von einigen Investoren und Ökonomen erwartete Staatsanleihenkäufe gab Bernanke nicht - es wäre bereits die dritte Welle der im Fachjargon „quantitative easing“ (QE3) genannten geldpolitischen Lockerung seit Ausbruch der Krise. Bernanke ließ allerdings auf Nachfrage durchblicken, dass zusätzliche Ankäufe von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren (MBS) eine „brauchbare Möglichkeit“ sein könnten, um dem Häusermarkt stärker unter die Arme zu greifen - „wenn die Bedingungen angemessen sind“.

Schwächere Konjunkturprognosen

Kurz vor der Pressekonferenz Bernankes hatte die Fed deutlich gedämpfte Konjunkturprognosen veröffentlicht. So erwarten die Zentralbanker im Schnitt nur noch ein Plus von 1,6 bis 1,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr. Im Sommer hatten sie noch ein deutlich höheres Plus von rund 2,8 Prozent vorhergesagt. 2012 soll die Wirtschaftsleistung in den USA dann um 2,5 bis 2,9 Prozent zulegen (Junischätzung: 3,5 Prozent).

Für den Arbeitsmarkt, neben dem Immobiliensektor die zweite Achillesferse der US-Wirtschaft, erwartet Bernanke im kommenden Jahr eine leichte Besserung. In diesem Jahr werde die Arbeitslosenquote noch über neun Prozent verharren, 2012 dann auf 8,5 bis 8,7 Prozent sinken. Auch diese Werte sind für die USA, die jahrelang so gut wie keine Arbeitslosigkeit kannten, extrem hoch.

Im September hatte die Fed beschlossen, zur Stützung der lahmenden Konjunktur bis Mitte kommenden Jahres für 400 Milliarden Dollar lang laufende Anleihen zu kaufen. Parallel dazu sollen aus der in der Krise auf 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz kurz laufende Papiere im selben Umfang abgestoßen werden. Mit dieser nach dem historischen Vorbild der 60er-Jahre „Operation Twist“ genannten Operation will die Fed die langfristigen Zinsen niedrig halten. An der Preisfront droht nach Einschätzung der Fed vorerst keine Gefahr: Für 2011 erwartet die Zentralbank im Schnitt eine Kerninflationsrate von 1,85 Prozent, im nächsten Jahr sollen es 1,75 Prozent werden.

Unterdes wird angesichts der hartnäckig hohen Inflation in Europa eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank immer unwahrscheinlicher. Die jährliche Teuerungsrate in der Euro-Zone verharrte im Oktober überraschend auf dem Drei-Jahres-Hoch von 3,0 Prozent, teilte das Statistikamt Eurostat am Montag mit.

Analysten hatten mit einem Rückgang auf 2,9 Prozent gerechnet. Sie erwarten deshalb, dass die EZB am Donnerstag bei der ersten Zinsentscheidung unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi die Geldpolitik noch nicht lockert. Angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und der befürchteten Rezession geht die Mehrheit aber davon aus, dass der Zins im Dezember gesenkt wird.

„Es wird schwierig für die EZB, den Leitzins schon in dieser Woche zurückzunehmen“, sagte ING-Analyst Peter Vanden Houte. „Besonders, wenn die Inflationsrate um mehr als einen Prozentpunkt über der Zielmarke liegt.“

Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Das war zuletzt vor einem Jahr der Fall. Draghi dürfte zudem kein Interesse daran haben, sich bei seiner Premiere sogleich den Ruf einer wenig an Preisstabilität orientierten „Taube“ zu erwerben.

Analystin Jennifer McKeown von Capital Economics geht aber davon aus, dass der neue „Mr. Euro“ eine Zinssenkung für Dezember signalisieren wird. Viele Experten erwarten eine Rücknahme von 1,5 auf 1,0 Prozent. Billigeres Geld kann Konsum und Investitionen ankurbeln.

„Es riecht nach Stagflation“

Für die Euro-Zone wäre das ein willkommener Konjunkturimpuls, denn sie steuert im nächsten Jahr auf einen kräftigen Abschwung zu. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet nur noch ein Miniwachstum von 0,3 Prozent. Bislang war sie von 2,0 Prozent ausgegangen. In einigen Ländern werde die Wirtschaftskraft sogar sinken.

Als Gründe für die Konjunkturflaute gelten die harten Sparprogramme vieler Regierungen, die Angst vor einer neuen Finanzkrise und die schwächere Weltwirtschaft. „Es sieht ein bisschen nach einer Stagflation aus mit schrumpfender Wirtschaft und hoher Inflation“, sagte Analyst Vanden Houte.

Für eine Zinssenkung spricht auch die steigende Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote im Währungsraum kletterte im September auf 10,2 Prozent, nachdem sie im August noch 10,1 Prozent betragen hatte. Besonders düster sieht es in Spanien aus: Hier liegt die Arbeitslosenquote mit 22,6 Prozent um mehr als das Doppelte über dem Durchschnitt der Währungsunion.

Quelle:  Handelsblatt Online
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