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Finanzkrise: Billiges Geld schafft kein Vertrauen

Kolumne von Rolf Ackermann

Angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise wird immer lauter nach dem Staat gerufen. Doch hier ist Augenmaß gefordert. Kurzsichtiger Aktionismus der Notenbank hilft nicht weiter.

Angesichts der Zuspitzung der Quelle: AP
Angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise wird immer lauter nach dem Staat gerufen. Kurzsichtiger Aktionismus der Notenbank hilft nicht weiter. Quelle: AP

Je dramatischer sich die Finanzkrise zuspitzt, desto lauter werden die Rufe nach dem Staat. So fordert sogar Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angesichts der dramatischen Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns auch in Europa „eine konzertierte Aktion von Notenbanken, Anlegern und Regierungen“, um den Teufelskreis aus purzelnden Kursen und schwindendem Vertrauen ins Finanzsystem zu durchbrechen.

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Doch was kann der Staat in dieser Situation tun? Gibt es eine wirksame Medizin oder ist es eher wie bei einem Schnupfen, der, wie der Volksmund sagt, eine Woche dauert – und mit Behandlung sieben Tage?

Die naheliegendste Forderung ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) dem Beispiel der amerikanischen Notenbank folgen und die Leitzinsen schnell und kräftig senken sollte. Doch was würde das bringen? Verlorenes Vertrauen lässt sich nicht mit einer Politik des leichten Geldes wiederherstellen. Die hektischen Zinssenkungen der Fed lösen das Problem nicht, schaffen aber neue Inflationsrisiken. Die EZB tut deshalb gut daran, ihr vorerst nicht zu folgen.

Sicher, das ist kein leichter Weg. Zumal der Euro durch das Zinsgefälle zu Amerika immer weiter steigt – zum Schaden für den Export (siehe Grafik). Doch würde die EZB den Euro-Anstieg begrenzen, sei es durch niedrigere Zinsen oder durch Interventionen am Devisenmarkt, würde sie damit nur die notwendige Korrektur des US-Leistungsbilanzdefizits hinauszögern – und damit womöglich auch die Krise verlängern.

Sinnvoller als kurzsichtiger Aktionismus ist, was Ökonomen „Kreditgeber der letzen Instanz“ nennen: Der Staat verhindert bei drohenden Bankpleiten Schlimmeres, indem er deren Verbindlichkeiten übernimmt – wie gerade im Fall Bear Stearns geschehen. Allerdings lädt man damit die Banken ein, auch künftig bei der Risikobewertung zu schludern. Deshalb kommen solche Maßnahmen nur als Ultima Ratio infrage, um einen Kollaps des Bankensystems zu verhindern. Gut möglich, dass Bear Stearns so ein Fall war. Die Rettung der IKB durch die Staatsbank KfW wäre dagegen wohl nicht unbedingt nötig gewesen. Das zeigt, hier ist Augenmaß gefordert. Und am Ende hat wohl doch der Volksmund nicht ganz unrecht: Die Krise dauert so lange, wie sie eben dauert.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.03.2008, 15:23 UhrAnonymer Benutzer: Hans-Georg Henrich

    Der Ruf nach den in der Regel weitestgehend ökonomisch " differenziert denkenden " und operienden Vertretern öffentlich rechtlicher institutionen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eher nicht sonderlich erfolgversprechend. Das klingt erher nach einer grenzenlsen Hilflosigkeit und psychischen insolvenz. Eine seriöse, vertrauensbildende " Konzertierte Aktion " der Hauptakteure, die das schareholder - value als gegenwärtig sekundäre Zielorientierung erkennen, ist sicherlich empfehlenswert. Das nimmt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Nährboden für störende, unseriöse und kursminpulierende Unternehmensgerüchte weg.
    AbacusLabs
    Abacus international Strategy Laboratories Ltd.
    London - Munich

  • 20.03.2008, 21:41 UhrAnonymer Benutzer: Leser

    Entscheidend die Frage , ob das Finanzsystem in der Lage ist, bankenpleiten zu absorbieren. Wenn börsen ausatmen, kommt die Korrektur nicht nach Geschmack der Anleger. Alles ist über Jahre gestiegen.Also geht´s auch ´mal ´runter. Doch wie gefährlich sind die Kuckucks-Eier der Amerikaner?
    Das Ungleichgewicht der Amerikaner ließe sich schwerlich ausgleichen, nähme der Dollarverfall noch richtig an Fahrt auf; mit analoger Rallye in Öl und Gold. Das wäre wohl für den "auf Ausländer angewiesenen" amerikanischen Anleihemarkt nicht unbedingt komfortabel. Unsere Wirtschaft ginge zudem in die Knie...
    Die EZb kann auf Dauer die Konjunktur-Risiken nicht missachten. Nur zugeben darf sie es nicht...

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