Finanzkrise: Billiges Geld schafft kein Vertrauen

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Angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise wird immer lauter nach dem Staat gerufen. Kurzsichtiger Aktionismus der Notenbank hilft nicht weiter.

Kolumne

Angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise wird immer lauter nach dem Staat gerufen. Doch hier ist Augenmaß gefordert. Kurzsichtiger Aktionismus der Notenbank hilft nicht weiter.

Je dramatischer sich die Finanzkrise zuspitzt, desto lauter werden die Rufe nach dem Staat. So fordert sogar Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann angesichts der dramatischen Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns auch in Europa „eine konzertierte Aktion von Notenbanken, Anlegern und Regierungen“, um den Teufelskreis aus purzelnden Kursen und schwindendem Vertrauen ins Finanzsystem zu durchbrechen.

Doch was kann der Staat in dieser Situation tun? Gibt es eine wirksame Medizin oder ist es eher wie bei einem Schnupfen, der, wie der Volksmund sagt, eine Woche dauert – und mit Behandlung sieben Tage?

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Die naheliegendste Forderung ist, dass die Europäische Zentralbank (EZB) dem Beispiel der amerikanischen Notenbank folgen und die Leitzinsen schnell und kräftig senken sollte. Doch was würde das bringen? Verlorenes Vertrauen lässt sich nicht mit einer Politik des leichten Geldes wiederherstellen. Die hektischen Zinssenkungen der Fed lösen das Problem nicht, schaffen aber neue Inflationsrisiken. Die EZB tut deshalb gut daran, ihr vorerst nicht zu folgen.

Sicher, das ist kein leichter Weg. Zumal der Euro durch das Zinsgefälle zu Amerika immer weiter steigt – zum Schaden für den Export (siehe Grafik). Doch würde die EZB den Euro-Anstieg begrenzen, sei es durch niedrigere Zinsen oder durch Interventionen am Devisenmarkt, würde sie damit nur die notwendige Korrektur des US-Leistungsbilanzdefizits hinauszögern – und damit womöglich auch die Krise verlängern.

Sinnvoller als kurzsichtiger Aktionismus ist, was Ökonomen „Kreditgeber der letzen Instanz“ nennen: Der Staat verhindert bei drohenden Bankpleiten Schlimmeres, indem er deren Verbindlichkeiten übernimmt – wie gerade im Fall Bear Stearns geschehen. Allerdings lädt man damit die Banken ein, auch künftig bei der Risikobewertung zu schludern. Deshalb kommen solche Maßnahmen nur als Ultima Ratio infrage, um einen Kollaps des Bankensystems zu verhindern. Gut möglich, dass Bear Stearns so ein Fall war. Die Rettung der IKB durch die Staatsbank KfW wäre dagegen wohl nicht unbedingt nötig gewesen. Das zeigt, hier ist Augenmaß gefordert. Und am Ende hat wohl doch der Volksmund nicht ganz unrecht: Die Krise dauert so lange, wie sie eben dauert.

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