Finanzkrise: Protagonisten der Krise

Finanzkrise: Protagonisten der Krise

Politik und Wirtschaft versuchen, einen GAU am deutschen Finanzmarkt zu verhindern. Die WirtschaftWoche stellt zusammen, wer dabei in Berlin und Frankfurt die Fäden spinnt.

Axel Weber: Der stille Experte

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Bundesbank-Chef Axel Weber

Wenn eine deutsche Bank in Schwierigkeiten gerät, ist Axel Weber einer der Ersten, die sich einschalten. Als Chef der Bundesbank ist er für die Stabilität des deutschen Finanzsystems verantwortlich, die durch eine einzelne Pleite ins Wanken geraten könnte. Banker und Politiker schätzen das Fachwissen des Wirtschaftswissenschaftlers. Seine ruhige und besonnene Art kommt bei allen Beteiligten gut an. Im Gegensatz zu BaFin-Chef Jochen Sanio bemüht er sich, seine Gesprächspartner zu überzeugen anstatt Druck auszuüben.

Jochen Sanio: Der Lautstarke

BaFin-Chef Jochen Sanio Quelle: AP

BaFin-Chef Jochen Sanio

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Dem Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist in dieser Krise bislang noch die Rettung jeder Bank gelungen. Trotzdem ist Jochen Sanio angeschlagen. Seine Behörde ist für die Kontrolle der Banken zuständig. Sie soll Risiken der Finanzsysteme erfassen und Stabilität sichern. Doch in der Finanzkrise hat das Kontrollsystem versagt. Anstatt sich um die wichtigen Dinge zu kümmern, tyrannisiere die BaFin kleine Volksbanken mit aufwendigen Sonderprüfungen, schimpfen viele Banker. Sanio selbst hat die Krise sogar noch verschärft. Als die Düsseldorfer IKB in die Krise rutschte, warnte Sanio, in Deutschland drohe die schlimmste Bankenkrise seit den Dreißigerjahren. Damit heizte er die Vertrauenskrise weiter an. Auch innerhalb der Gremien poltert Sanio gerne los. In der Branche ist er deshalb umstritten.

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Klaus-Peter Müller: Der Taktierer

Klaus-Peter Müller, Chef des Quelle: rtr

Klaus-Peter Müller, Chef des Bundesverbands deutscher Banken

Bild: rtr

Der Chef des Bundesverbands deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, ist mit öffentlichen Aussagen zur Finanzkrise eher sparsam. Die Protagonisten, so fordert er, dürften keine Panik verbreiten und müssten für Ruhe sorgen. Ständig neue Wasserstandsmeldungen, die die Märkte verunsichern könnten, lehnt er ab. Ihn treibt die Angst vor Panikreaktionen deutscher Sparer um, denn dies brächte das deutsche Finanzsystem vollends ins Wanken. Innerhalb des Bankenkonsortiums gilt Müller als Taktierer. An der Seite von Josef Ackermann ist er bemüht, für Stabilität in der Finanzbranche zu sorgen. Andererseits will er den Zuschuss der Banken möglichst gering halten und sieht eine Verantwortung des Staates. Als einer der ersten Bankenvertreter forderte er staatliche Garantien für die Verbindlichkeiten der Banken.

Das Schwergewicht

Deutsche Bank-Chef Josef Quelle: dpa

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann

Bild: dpa

Als Chef der Deutschen Bank hat Josef Ackermann von Beginn an eine tragende Rolle im Krisenmanagement inne. Gemeinsam mit anderen TopManagern der Privatbanken rief er nach dem Staat und drang auf Interventionen – zunächst vergeblich. Als die erste Rettung der Hypo Real Estate (HRE) bereits so gut wie gescheitert war, kam es in nächtlichen Telefongesprächen zwischen Ackermann, Finanzminister Steinbrück und Kanzlerin Merkel noch zu einer Lösung. Dabei preschte Ackermann vor und versprach eine Garantie der Banken von 8,5 Milliarden Euro. Die Summe ließ sich zunächst nicht auftreiben, ohne die Zusage wäre die HRE jedoch kollabiert. Ackermann steht in engem Kontakt mit den Regierungsvertretern. Sein Wort hat in Berlin und innerhalb der Branche immenses Gewicht. Dabei ist er ein sachlicher, harter Verhandlungspartner, der für unbürokratische Lösungen offen ist.

Heinrich Haasis: Der Gefragte

DSGV-Chef Heinrich Haasis Quelle: dpa

DSGV-Chef Heinrich Haasis

Bild: dpa

Als es um die Rettung der Hypo Real Estate ging, kam Heinrich Haasis, der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) am Sonntag als einer der Letzten zu den Verhandlungen. Bei der Krise der privaten Banken sieht er sich eigentlich nicht in der Pflicht. Das zeigte sich schon bei der IKB. Nur um die Stabilität des Finanzsystems nicht zu gefährden, beteiligte er sich – nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Bankenverbands-Chef Müller – am Rettungspaket. Ein Viertel der Kosten übernahmen die Sparkassen schließlich. Haasis ist in dieser Krise besonders häufig gefragt. Während sich Müller und Co. nur um die Rettung privater Kreditinstitute bemühen, muss sich Haasis zudem um die Landesbanken kümmern. Bei der Sachsen LB kam es zu einem Notverkauf, die WestLB steckt in einer existenzbedrohenden Krise, bei der BayernLB mussten die Eigentümer einspringen. Haasis muss überall vermitteln, um lebensrettende Fusionen unter den Beteiligten hinzubekommen. Mit den anderen Protagonisten der Finanzkrise wie Jochen Sanio steht er in ständigem Kontakt.

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