Finanzpolitik: Entzauberer der Notenbanker

Finanzpolitik: Entzauberer der Notenbanker

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Ökonom John Taylor löste das Geheimnis hinter dem Leitzins

Massen billigen Geldes sind kein Mittel gegen die Krise. Der US-Ökonom John Taylor fordert stattdessen transparente Bankbilanzen und neue Regeln für staatliche Eingriffe.

Bei öffentlichen Auftritten zeigt sich der 62-jährige Stanford-Professor gern ohne Krawatte. Mit seiner lockeren, freundlichen Art gewinnt er vor allem junge Leute für sich. Doch John Taylor kann auch anders: „Die Fed hat Fehler gemacht“, brandmarkt er die Krisenpolitik des Präsidenten der US-Notenbank Federal Reserve, Ben Bernanke. Die Attacke dürfte dem ohnehin angeschlagenen Zentralbanker besonders zu schaffen machen, kritisiert ihn da doch eine Koryphäe auf dem Feld der Geldpolitik. So vernichtend und dabei ökonomisch fundiert wie Taylor kommentiert kein anderer Wissenschaftler von Rang Bernankes Politik: Amerikas Notenbank habe die Finanzkrise nicht nur verursacht, sondern ihre Folgen durch falsche Reaktionen noch verschlimmert. Die aktuelle Krise sei mit der Großen Depression und der Weltwirtschaftskrise von 1928 nicht vergleichbar. „Geld drucken reicht nicht“, sagt Taylor.

Kompetenzgerangel zwischen Taylor und Bernanke

Damit stellt er Bernankes Kompetenz infrage. Der US-Zentralbankchef gilt als Experte in Fragen der Großen Depression und betont stets, die Fehler dieser Zeit nicht wiederholen zu wollen. Doch für Taylor entscheiden nicht Geldspritzen den Krisenkampf. Das Hauptproblem sei, dass Banken nach dem Crash ihren Schuldnern nicht mehr über den Weg trauen. Dafür gibt es aus seiner Sicht nur eine Lösung: Die Institute müssen schonungslos offenlegen, welche Verluste sie durch die Krise erleiden. Dann könnten andere Banken die Höhe des Kreditrisikos abschätzen und müssten auf dem Interbankenmarkt keine überzogenen Zinsforderungen stellen. Der US-Regierung wirft Taylor Konzeptlosigkeit vor. Das amerikanische Finanzministerium hat etwa die Investmentbank Bear Stearns vor dem Kollaps bewahrt, den Konkurrenten Lehman Brothers dagegen in die Pleite stürzen lassen. Der Ökonom will daher klare Regeln für staatliche Eingriffe in die Wirtschaft.

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Taylors Kritik dürfte neben Bernanke auch anderen wichtigen Zentralbankern nicht gefallen, denn im Krisensturm geben sie sich gern als Felsen in der Brandung. Mit rekordverdächtigen Niedrigzinsen und massenhaft zusätzlicher Liquidität hätten sie nicht ohne Erfolg dazu beigetragen, den Totalabsturz der Wirtschaft zu verhindern – dieses Bild wollen Bernanke und auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, am liebsten von sich vermitteln. Doch Taylor zerstört den Mythos von den Rettern der Welt und beruft sich dabei auf seine bahnbrechende Analyse der amerikanischen Geldpolitik, die den Nimbus der allwissenden Notenbanker entzaubert hat.

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