Frederick Taylor: "Es braucht keine Hyperinflation, um Vermögen zu zerstören"

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InterviewFrederick Taylor: "Es braucht keine Hyperinflation, um Vermögen zu zerstören"

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Frederick Taylor kennt und versteht die Ängste der Deutschen vor der Geldentwertung. Dennoch glaubt er, dass die Bundesrepublik etwas weniger Druck auf die Euro-Krisenländer ausüben sollte.

von Tim Rahmann

Der britische Autor Frederick Taylor versteht die deutsche Urangst vor Inflation. Er kritisiert, wie Regierungen Druck auf die EZB ausüben und dass die Notenbank das Vertrauen in den Euro untergrabe.

WirtschaftsWoche: Herr Taylor, eine Umfrage der R+V-Versicherung fragt die Deutschen Jahr für Jahr, wovor sie am meisten Angst haben. Raten Sie mal, welches 2013 die drei häufigsten Antworten waren!

Frederick Taylor: Ich würde sagen, die Deutschen haben Angst, dass ihr Auto eine Schramme bekommt, dass sie in der Euro-Rettung für alle zahlen müssen – und, sonst würden Sie mich nicht fragen, dass die Preise weiter steigen.

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Sie haben zwei von drei richtige Antworten genannt. Die Bundesbürger fürchten sich am häufigsten vor Naturkatastrophen (Platz 3), den Kosten der Euro-Rettung (Platz 1) und der Inflation (Platz 2).

Ich kenne also die Deutschen gut! (lacht) Es ist wirklich erstaunlich, dass die Angst vor der Geldentwertung so fest im Bewusstsein verankert ist. Das Trauma der Hyperinflation sitzt sehr tief. Aber ich kann das durchaus nachvollziehen. Denn die Deutschen haben es im 20. Jahrhundert gleich zwei Mal erlebt, dass ihr Geld plötzlich nichts mehr wert ist: 1922/1923 und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das hat Spuren hinterlassen.

Aber warum beschäftigt die Angst vor der Inflation die Deutschen noch heute – gut 90 Jahre später? Zumal auch andere Staaten wie Griechenland oder Österreich Hyperinflationen erlebt haben.

Das stimmt. Auch Österreicher, Griechen und Italiener haben erlebt, wie eine Inflation ihr Erspartes aufgefressen hat. Aber sie haben nicht diese Angst, wie die Deutschen. In Deutschland war der Fall viel tiefer. Deutschland war vor dem Ersten Weltkrieg die kommende Weltmacht. Die Wirtschaft war stark, die Bevölkerung nahm stetig zu und das Militär war gefürchtet. Wenn man damit rechnet, die wichtigste Nation zu werden und plötzlich einen enormen Bedeutungsverlust erleidet, wiegt die Erfahrung umso schwerer.

Hinzu kommt: Das Bildungsbürgertum spielte in Deutschland zum Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Und diese Schicht, die mittleren und oberen Beamten, zählten zu den größten Verlierern der Hyperinflation. Während die Regierung die Rentner, Soldaten und Arbeiter mit Staatsleistungen wie angepassten Renten so lange wie möglich unterstütze, war die gehobene Mittelschicht auf sich alleine gelassen. Sie haben praktisch alles verloren. Die Kinder und Enkel der so schwer getroffenen Bildungsbürger haben die Geschichte tausendmal zu hören bekommen. Und genau sie sind heute überproportional oft in den Medien und im öffentlichen Dienst beschäftigt und prägen so die öffentliche Meinung.

Zur Person

  • Frederick Taylor

    Der Brite hat Neue Geschichte und Germanistik studiert. Seit Langem beschäftigen ihn die deutschen Traumata: Sein Buch über die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg "Dresden. Dienstag, 13. Februar 1945" (2004) wurde ein internationaler Bestseller. Am 23. September 2013 erschien sein Buch "Inflation – Der Untergang des Geldes in der Weimarer Republik und die Geburt eines deutschen Traumas".

Welche Rolle spielt die Angst der Deutschen vor der Inflation im heutigen Alltag und Politikbetrieb?

Die Deutschen agieren im Wirtschaftsleben äußerst vorsichtig. Sie wählen mehrheitlich immer den sicheren Weg. Das zeigt sich daran, dass nur wenige Deutsche Aktien besitzen. Von der Rallye an der Börse hat der Durchschnittsbürger nichts. Dabei lehrt die Geschichte der Hyperinflation: Die scheinbar sichersten Anlagen, festverzinste Anlagen, waren die schlechteste Versicherung gegen die Krise. Am besten durch die Hyperinflation sind diejenigen gekommen, die zum Beginn der Hyperinflation Unternehmensanteile besaßen. Also: Die Deutschen sehnen sich nach Sicherheit. Sie reagieren empfindlich auf Verschuldung, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich, und auf eine lockere Geldpolitik der Regierung und Notenbank.

 

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