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kolumneFreytags-Frage: Warum hört keiner auf James Buchanan?

18. Januar 2013
Wirtschaftsnobelpreisträger und "Public Choice"-Pionier James McGill Buchanan ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 93 Jahren verstorben. Quelle: Creative Commons-LizenzBild vergrößern
Wirtschaftsnobelpreisträger und "Public Choice"-Pionier James McGill Buchanan ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 93 Jahren verstorben. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Kolumne von Andreas Freytag

Der Wirtschaftsnobelpreisträger warnte: Greift der Staat zu aktiv in die Wirtschaft ein, wird er anfällig für die Einflussnahme von Interessengruppen. Genau das passiert in der Schuldenkrise. Auf Staatsversagen folgt Staatsversagen.

Vor wenigen Tagen ist der große Ökonom und Nobelpreisträger James Buchanan aus Virginia gestorben. Mit Buchanan geht eine mächtige Stimme für die Freiheit.

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In den über 60 Jahren seines wissenschaftlichen Wirkens hat er einen wesentlichen Beitrag und große Impulse für weitere Arbeiten anderer zur Erklärung der Logik kollektiver Entscheidungen geleistet. Ihm verdanken wir die Einsicht, dass Politik nach ökonomischen Gesetzmäßigkeiten funktioniert. Als Buchanan gemeinsam mit Gordon Tullock das Buch "The Calculus of Consent" war die Idee, die ökonomische Theorie auf politische Akteure anzuwenden, neu und erzeugte heftige Diskussionen. Heute lernen das die Studierenden in einem frühen Semester; es handelt sich fast schon um Allgemeinplätze. Den Namen Buchanan hören sie dabei vermutlich gar nicht.

Buchanan war zum Einen wie erwähnt Mitbegründer der sog. Public-Choice-School, die politische Entscheidungen mit Hilfe der ökonomischen Theorie und empirischer Methoden zu verstehen versucht. Diese auch als (in Abgrenzung zu Karl Marx) Neue Politische Ökonomik bekannte Denkrichtung ist inzwischen im Mainstream der Volkswirtschaftslehre angekommen. Daneben hat er auch die Verfassungsökonomik als eine Teildisziplin etabliert; sie beschäftigt sich mit der Organisation einer Gesellschaft, sozusagen den Spielregeln. Verfassungsökonomen interpretieren den Staat als einen Gesellschaftsvertrag, dem alle Bürger deshalb zustimmen können, weil die Zukunft offen ist und sich alle hinter dem sprichwörtlichen Schleier der Ungewissheit befinden.

In dieser Welt der Verfassungsökonomen gibt es eine klare Arbeitsteilung, die sich vereinfacht wie folgt darstellt. Der Staat ist Regelsetzer (als Stellvertreter und Beauftragter der Bürger) und Regeldurchsetzer, die Privaten spielen innerhalb dieser Regeln das Spiel des Lebens; auch und vor Allem in der Wirtschaft. Es ist somit impliziert, dass staatliche Organe sich aus dem täglichen Wirtschaftsgeschehen weitgehend herauszuhalten haben und dass ihre Rolle in der Wirtschaft darauf beschränkt ist, Marktversagen zu beseitigen. Greift der Staat zu aktiv in die Wirtschaft ein, wird er anfällig für die Einflussnahme von Interessengruppen. Der Glaube an die Allmacht der Politik sowie die Gutwilligkeit der Politiker ist bei Verfassungsökonomen und politische Ökonomen sehr begrenzt.

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Kommentare | 6Alle Kommentare
  • 18.01.2013, 08:01 UhrWegweiser

    Leider hat er dabei etwas übersehen. Wir befinden uns in Europa in einer Währungsunion. Diese Währungsunion wurde entgegen den eindringlichen Warnungen von Wirtschaftsfachleuten begonnen. Es war also zunächst einmal eine folgenreiche politische Entscheidung, die zu dieser katastrophalen ökonomischen Verschuldungssituationen in Europa geführt haben. Durch den Wegfall des flexiblen, zeitnahen und marktkonformen Wechselkurses und durch die Einebnung des Zinsniveaus wurden die Kapitalströme umgelenkt und kaum oder wenig leistungsfähige Volkswirtschaften wurden mit viel zuviel billigem Geld überschwemmt. Weder die EU-Kommission (Herr Almunja) noch die EZB unternahmen dagegen etwas. Hier liegt schon das erste gravierende politische Versagen vor.

    Die Eurorettung ist in erster Linie eine Gläubigerrettung, deren Fehlinvestitionen wurden zu Lasten der Steuerzahler vergemeinschaftlicht und monetarisiert. Ohne den Euro wäre diese heutige Situation so sicherlich nicht entstanden. Leider ist das Bankensystem in der Eurosüdzone ist noch äußerst fragil, viele südliche Eurovolkswirtschaften befinden sich in einer tiefen und nachhaltigen Abschwungphase mit stark steigenden Arbeitslosigkeiten und bedürfen der permanenten Drittmittelzuführung der anderen Eurostaaten und der EZB.

    http://www.youtube.com/watch?v=fE4HmWT9f8c
    http://www.youtube.com/watch?v=QERfizizp28

  • 18.01.2013, 11:42 UhrEinBuerger

    Und noch etwas:

    "Retten" heißt Geld verteilen.

    Wer über Geld verfügt und nach Belieben verteilen kann genießt das Gefühl der Macht über das Wohl der Empfänger frei verfügen zu können. Ganz toll für das eigene Ego.
    Und noch schöner ist es dann wenn man sich mit den Geschenken seinen Freunden helfen kann und auch einen eigenen Gutschein für künftige Zeiten sichern kann.

    Und Macht und Top-Ego ist schließlich alles und das einzige was Politiker antreibt.

    Große Firmenbosse übrigens auch. Oder glaubt jemand wirklich dass es Leuten wie Kohl um Europas kleine Bürger, oder Schrempp um Daimler ging?

  • 18.01.2013, 11:44 UhrGalgenstein

    Zum Vorposten: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Einmal abgesehen davon, dass es Fachleute für und gegen den Euro gab - Sie versuchen den Eindruck zu erwecken, dass alle dagegen waren - ist der Steuerzahler auch bei einem Zahlungsausfall der Leidtragende. Die größten Gläubiger von Staatsanleihen sind nun einmal die Pensionskassen und diese verwalten die Gelder von vielen, nicht von wenigen. Zum anderen wissen wir alle, dass im Falle eines Konkurses Werte nicht geschaffen, sondern vernichtet werden, da die wirtschaftliche Entität ihre Geschäfte einfach einstellt und vorhandene Vermögenswerte weit unter Buchwert realisiert werden müssen. Der Konkurs befreit den Schuldner auch von einer möglichen Sanierung. Wer pleite ist, dem kann man nichts mehr vorschreiben. Ein Trugschluss ist es zudem zu glauben, dass ein System variabler Wechselkurse dem entgegenwirken könnte, da dies immer voraussetzt, dass das abwertende Land seine Exporte dadurch steigern könnte. Im Falle Griechenlands stellt sich die Frage: Womit?

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