Freytags-Frage: Welche Bedeutung haben Schwellenländer für die deutsche Wirtschaft?

kolumneFreytags-Frage: Welche Bedeutung haben Schwellenländer für die deutsche Wirtschaft?

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Die wirtschaftliche Dynamik der Schwellenländer lässt sich nicht wegdiskutieren. Gerade die BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) sind recht stark gewachsen.

Kolumne von Andreas Freytag

Die wirtschaftliche Bedeutung der Schwellenländer hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Auch sind die wirtschaftlichen Beziehungen und der Außenhandel deutscher Unternehmen in diesen Ländern überproportional gewachsen. Wie kann die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft in diesen Ländern unterstützen?

Vor kurzem merkte ein Vertreter der deutschen Industrie auf einem Workshop quasi nebenbei an, dass der deutsche Mittelstand in Zukunft seine Umsatzzuwächse ausschließlich in den Schwellenländern erzielen würde. Diese Bemerkung ließ aufhorchen, macht sie doch zweierlei deutlich: Erstens wird der entwickelten Welt nicht mehr sehr viel zugetraut, und zweitens setzen einige Akteure auf die neuen Märkte in Schwellenländern und Entwicklungsländern.

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Dies ist Anlass genug, einmal nachzuhaken. Drei Fragen sind hier von Interesse:

1. Sind die Industrieländer wirklich so schwach, dass von ihnen keine Dynamik mehr ausgeht?

2. Haben die Schwellenländer wirklich die hier angedeutete Bedeutung?

3. Und wenn dem so ist, wie kann die deutsche Politik die Wirtschaft unterstützen, wenn es darum geht, diese Märkte zu bedienen und langfristige Beziehungen und Strukturen aufzubauen?

Es ist mit Blick auf die erste Frage festzuhalten, dass die Industrieländer schon länger in einer Krise stecken. Japan ist dabei ein besonders schwieriger Fall, dauert die Strukturkrise doch schon über 20 Jahre. Die fehlende Kraft zu wirtschaftspolitischen Reformen wird mit Niedrigzinspolitik kompensiert, ohne dass nachhaltiges Wachstum erzielt würde. Der Eurozone droht ein ähnliches Schicksal, wenn die politischen Eliten nicht bald umschwenken und die (in den Mitgliedsländern unterschiedlich) notwendig gewordenen Reformschritte bald einleiten. Dann nämlich würden die Regierungen von den niedrigen Zinsen abhängig und Probleme müssten mit höheren Staatsausgaben verdeckt werden. Die USA weist etwas mehr Dynamik auf, steht aber ebenfalls vor enormen Herausforderungen. Stichworte sind beispielsweise Schuldenabbau auf allen Ebenen und Investitionen in die Infrastruktur. Insgesamt ist das Bild eher grau, und die oben zitierte Aussage zu Umsatzzuwächsen ist in dieser Hinsicht vermutlich realistisch.

Märkte von morgen

Was zweitens die Schwellenländer angeht, so kann die Dynamik der letzten Jahre nicht wegdiskutiert werden. Gerade die BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) sind recht stark gewachsen und haben dabei zum Teil (mit der Ausnahme Russlands und zum Teil Chinas) erhebliche Fortschritte hinsichtlich marktwirtschaftlicher Öffnung machen können. Allerdings sind im Moment auch Probleme und Rückschritte erkennbar, die wohl zu erwarten waren. So hat die wirtschaftliche Dynamik soziale Ungleichgewichte hervorgerufen, da nicht alle Menschen in den BRICS gleichermaßen am Aufschwung beteiligt worden sind. Es sind also Konsolidierung und sozialer Ausgleich erforderlich, um den Aufhol- und Wachstumsprozess besser zu legitimieren. Auch hat der Wachstumsprozess in den beteiligten Ländern die Korruption nicht beseitigen können.

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