Freytags-Frage: Wem nützen die Niedrigzinsen?

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kolumneFreytags-Frage: Wem nützen die Niedrigzinsen?

Kolumne von Andreas Freytag

Der französische Notenbanker Benoît Coeuré behauptet, die neuerliche Zinssenkung der EZB würde den Sparern helfen. Hier bringt der gute Mann etwas gehörig durcheinander.

EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hat unlängst mit einer ganz eigenen Logik überrascht. Die niedrigen Zinsen würden Sparern nützen, da nun Preisstabilität gewahrt (sic!) und die Rezession verhindert würde. Beides sei gut für den Sparer. Der Zusammenhang ist reichlich überdehnt. Natürlich hilft Rezession denen nicht, die einen Job haben wollen. Da hat Herr Coeuré Recht. Aber deswegen negativen Realzins akzeptieren zu müssen, scheint doch etwas übertrieben.

Hier bringt der gute Mann etwas gehörig durcheinander. Denn erstens ist es überhaupt fraglich, ob die niedrigen Zinsen die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Bisher haben die Banken die niedrigen Zinsen nicht dazu nutzen können, ihr Kreditgeschäft auszuweiten. Der geldpolitische Impuls ist bisher verpufft, die Eurozone verharrt offensichtlich in der Liquiditätsfalle.

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Zweitens sollte man Sparer und Arbeitnehmer analytisch trennen, wenigstens dann wenn man politische Verantwortung trägt. Negative Realzinsen bedeuten für Sparer Verlust, ohne Wenn und Aber! Will man diese vermeiden, muss man riskanter anlegen oder sich verschulden. Oder aber man spart gar nicht (und fährt zum Beispiel nach Frankreich in den Urlaub). Kurzfristig mag es Ausweichreaktionen geben. Langfristig jedoch kann ein negativer Realzins sehr teuer werden, wie an dieser Stelle schon mehrfach diskutiert. Gesamtwirtschaftlich droht ein signifikanter Anstieg der Altersarmut in der Eurozone, weil viele Altersvorsorgemodelle (darunter Lebensversicherungen und Betriebsrenten) nicht tragen werden.

Enteignung der Sparer Perfide Politik der EZB

Die Entscheidung der Frankfurter Notenbank den Leitzins zu senken, ist falsch. Es zeigt sich: Die EZB ist endgültig zur Zentralbank Südeuropas geworden.

Foto der leuchtenden Euro-Skulptur in Frankfurt vor der EZB Quelle: dpa

Drittens ist die Logik falsch. Anstatt die Rezession zu beenden, zementieren die Niedrigzinsen die aktuelle Krise. Denn es ist nicht rational für die italienische oder die französische Regierung, angesichts der günstigen Möglichkeit zur Verschuldung, damit aufzuhören und gar politisch gefährliche Reformprogramme durchzuführen. Lieber wurschtelt man weiter vor sich hin. Die Niedrigzinspolitik droht den Strukturwandel zu verschleppen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie weiter zu verschlechtern.

Darunter leiden viertens die jungen Menschen im Süden, die im Moment ohnehin nur wenige Chancen auf einen Arbeitsplatz haben. Ihnen nimmt die EZB indirekt Perspektiven und treibt sie somit ins Elend oder ins Ausland. Entweder junge Griechen, Spanier, Italiener oder Portugiesen suchen sich im Binnenmarkt einen Arbeitsplatz, was aber gar nicht so leicht ist. Oder aber sie versuchen es gleich in Australien, Lateinamerika, Nordamerika oder den ehemaligen afrikanischen Kolonien Portugals. Es werden sicherlich die produktivsten Jungen abwandern, der Schaden des jeweiligen Heimatlandes wächst.

Fünftens droht die Gefahr der Zementierung der niedrigen Zinsen. Je länger die Phase andauert, desto höher sind die Anteile der Staatsschulden, die nur geringe Zinslasten aufweisen, und umso mehr sind die Regierungen – auch die deutsche – von diesen niedrigen Zinsen abhängig. Vermutlich steigt die Schuldenlast dabei sogar an, es ist ja schließlich so günstig, sich zu verschulden. Japan zeigt die Probleme. Seit nunmehr mehr als 20 Jahren steigt die öffentliche Verschuldung dort kontinuierlich an.

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