Freytags-Frage: Wem schaden die deutschen Exportüberschüsse wirklich?

ThemaKonjunktur

kolumneFreytags-Frage: Wem schaden die deutschen Exportüberschüsse wirklich?

Kolumne von Andreas Freytag

In der deutschen Zahlungsbilanz steckt Sprengstoff. Doch die Kritik an den Exportüberschüssen macht auch Unkenntnisse über die Saldenmechanik deutlich.

Wieder einmal steht Deutschland international am Pranger, weil die deutschen Exporte so hoch sind und weil der Exportüberschuss im September mit über 20 Mrd. Euro in rekordverdächtige Höhen stieg. Der IWF und die Europäische Kommission sind besorgt. Dort wird darüber nachgedacht, wie man der deutschen Wirtschaft das Exportieren erschweren könnte. Andere sehen in den Exporterfolgen die Konsequenz deutscher Dumpinglöhne, und manche faseln gar von Wirtschaftschauvinismus.

Insgesamt zeigt die Diskussion eine bedenkliche Unkenntnis vieler Entscheidungsträger und Kommentatoren über die simpelsten Zusammenhänge der Zahlungsbilanztheorie auf. Zunächst gilt es zweierlei zu trennen, nämlich die schieren Exporterlöse einerseits und der Saldo der Handelsbilanz andererseits.

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Wirtschaftsausblick Deutschland

  • Was Hoffnung macht

    Deutschland ist bestens für den internationalen Wettbewerb gerüstet. Deutsche Waren sind weltweit gefragt. Auch die Binnennachfrage wächst. Die Arbeitslosigkeit liegt bei moderaten 6,5 Prozent.

  • Was Sorgen macht

    Die Infrastruktur ist zum Teil dringend sanierungsbedürftig. EU-Währungskommissar Olli Rehn mahnte Berlin, Investitionen zu tätigen. Nur so könne Deutschland langfristig produktiv und wettbewerbsfähig bleiben. Auch müssten mehr Frauen erwerbstätig werden.

Beginnen wir mit den absoluten oder Brutto-Exporten. Je mehr die deutsche Wirtschaft exportiert, desto mehr gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen. Denn in der Exportwirtschaft wird gerade nicht schlecht bezahlt. Hier sind die Löhne hoch, und vor allem Fachkräfte werden beschäftigt. Denn viele deutsche Exporteure verkaufen Produkte im oberen Qualitätssegment, die auch bei hohen Preisen nachgefragt sind. Insofern kann der Dumping-Vorwurf nicht überzeugen. Ohnehin kann man ja niemanden zwingen, deutsche Produkte zu importieren. Anders gewendet: Zum Export gehören zwei, nämlich der Exporteur und der Importeur. Pläne, die deutschen Exporte zu erschweren, hätten damit auch zwei Geschädigte.

Exporterlöse bedeuten auch immer Kaufkraftzuwächse in Deutschland, die wiederum zum Kauf von Importen genutzt werden können, aber nicht müssen. Nur wenn das Angebot an Importen, also ausländischen Exporten attraktiv ist, wird auch importiert. Weniger deutsche Exporte bedeuten dann aber auch zunächst einmal weniger deutsche Importe. Aber um den Saldo aus beiden zu bestimmen, muss man allerdings einen Schritt weitergehen.

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