Freytags-Frage: Wie stärken wir die Weltwirtschaft?

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kolumneFreytags-Frage: Wie stärken wir die Weltwirtschaft?

Kolumne von Andreas Freytag

Die Konjunkturaussichten sind ordentlich - aber zwischen den einzelnen Ländern gibt es große Unterschiede. Für fast alle Nationen gilt: Investitionen und Strukturreformen bleiben unerlässlich.

Pünktlich zur heute beginnenden Frühjahrstagung von Weltbankgruppe und Internationalem Währungsfonds (IWF) hat der IWF den halbjährlich erscheinenden World Economic Outlook (WEO), April 2015, veröffentlicht. Der Titel lautet ”Uneven Growth. Short- and Long-Term Factors“ und weist auf eine Problematik hin, die seit einigen Jahren die Weltwirtschaft prägt, nämlich auf ganz unterschiedliche Perspektiven verschiedener Regionen und Länder.

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Insgesamt, so der WEO, wächst die Weltwirtschaft 2015 etwas schneller als im Vorjahr (3,5 Prozent Zuwachs nach 3,4 Prozent in 2014). Dabei verlangsamt sich das Wachstum in den Schwellenländern, vor allem in China, während die Industrieländer ein wenig zulegen werden, hier vor allem die Vereinigten Staaten (USA) und Großbritannien. Die Eurozone wächst mit 1,5 Prozent etwas stärker als im Vorjahr (0,9 Prozent), liegt dabei aber nur vor Japan (1,0 Prozent) und hinter den anderen OECD-Ländern.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Die Aussichten für den Außenhandel sind ebenfalls eher durchschnittlich. Der WEO sagt für 2015 einen Zuwachs im Handel von 3,7 Prozent (nach 3,4 Prozent in 2014) voraus, wesentlich getrieben durch Exportzuwächse der Schwellenländer.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2015 nur eine geringe Dynamik erleben wird, aber auch nicht in eine Rezession rutscht. Der IWF nennt jedoch einige Faktoren, die die Entwicklung der Tendenz nach noch weiter gefährden können:

Wirtschaftsausblick Der IWF warnt

Der Internationale Währungsfonds fordert die Nationalstaaten weltweit auf, mehr für Wirtschaftswachstum zu tun. Dies gelte besonders für Europa. Sorgen bereiten dem IWF auch die Griechen.

Eine E-Fahne Quelle: dpa

Der IWF nennt einige günstige Begleiterscheinungen, so zum Beispiel den niedrigen Ölpreis und damit verbunden die geringe Inflation. Auch die Wechselkursentwicklungen mögen eine positive Dynamik entfalten, so der WEO.

Ein ganzes Kapitel ist der gegenwärtigen Investitionsschwäche gewidmet, die natürlich auf die Krise(n), aber auch auf andere, strukturelle Ursachen zurückgeführt wird. Zwei wesentliche Maßnahmen werden genannt, um die Investitionsnachfrage zu steigern, öffentliche Investitionen und Strukturreformen. Zusätzliche geld- und fiskalpolitische Impulse werden nicht abgelehnt; dies macht Sinn, aber nur wenn die Reformen und Infrastrukturinvestitionen nicht durch die Impulse ersetzt werden.

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