Frühjahrsgutachten: Kein Grund zur Freude

KommentarFrühjahrsgutachten: Kein Grund zur Freude

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Die Wirtschaft brummt: Führende deutsche Ökonomen haben in ihrem Frühjahrsgutachten für die Regierung ihre Wachstumsprognose für 2012 erhöht. Doch die Gefahren sind groß.

von Malte Fischer

Das Frühjahrsgutachten zeigt: Die viel zu lockere Geldpolitik der EZB beschert Deutschland einem Boom, wie ihn die Südländer der Eurozone vor zehn Jahren hatten. Die Folgen sind fatal.

Man muss sich nur die Überschriften der einzelnen Kapitel im Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zu Gemüte führen, um die Hauptbotschaft zu erkennen. „Rezession im Euroraum“ heißt es da im Abschnitt zur Europäischen Union und „Einbruch der Binnennachfrage in Spanien“.  Im Kapitel zur Konjunktur in Deutschland wechseln die Institutsökonomen dann von Moll zu Dur. „Gestiegenes Vertrauen stimuliert Ausrüstungsinvestitionen“ und „privater Konsum weiter im Aufwind“ lauten die Schlagzeilen. 

Damit ist die Botschaft klar: Während die Länder im Süden der Euro-Zone vor sich hin darben,  geht es hierzulande mit der Konjunktur bergauf. Nach einem Plus von 0,9 Prozent in diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt im nächsten Jahr nach Einschätzung der Institutsökonomen um 2,0 Prozent zulegen. Ein kurzer Blick auf die Zahlenkolonnen im Gutachten zeigt, woher der Schub kommt: Die Inlandsnachfrage macht der deutschen Konjunktur Beine.

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Importe wachsen stärker als die Exporte

In diesem und im nächsten Jahr wird die inländische Güterverwendung mit Raten von 1,1  beziehungsweise 2,2 Prozent kräftiger wachsen als das gesamte BIP. Der Außenhandel dagegen bremst das Wirtschaftswachstum in beiden Jahren, und zwar um minus 0,2 beziehungsweise minus 0,1 Prozentpunkte. Zwar legt der Export laut Institutsprognose um  3,1 und 5,1 Prozent zu. Angetrieben von der boomenden Inlandsnachfrage wachsen die Importe jedoch in beiden Jahren stärker als die Exporte. 

Binnen weniger Jahre ist Deutschland vom exportabhängigen Bremsklotz der Eurozone zur binnengetriebenen Konjunkturlok des Kontinents geworden. Ein Teil dieser Metamorphose ist sicherlich auf die Reformpolitik  unter der Kanzlerschaft Gerhard Schröders zurück zu führen, die den Arbeitsmarkt von seinen jahrzehntelangen Fesseln befreit hat.

Doch weit wichtiger ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die nach dem Ausbruch der Finanzkrise die Leitzinsen drastisch herunter gefahren hat. Um die Banken und die überschuldeten Staaten im Süden der Eurozone vor dem Bankrott zu bewahren, hat die EZB die Geldschleusen weit geöffnet und  hunderte von Milliarden in den Finanzsektor gepumpt. Die Mannen um EZB-Chef Mario Draghi behaupten zwar stets, ihre Entscheidungen am Durchschnitt des gesamten Euroraums auszurichten. Tatsächlich aber betreiben sie eine Geldpolitik für den Süden der Währungsunion. Die EZB ist zur Zentralbank des Club Med geworden, der in den Entscheidungsgremien der Notenbank ohnehin die Mehrheit hat.

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