Gbureks Geld-Geklimper: Die böse und die gute Inflation

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kolumneGbureks Geld-Geklimper: Die böse und die gute Inflation

Kolumne von Manfred Gburek

Die Erfahrung aus den 70er und 80er Jahren lehrt: Gerät die Inflation erst einmal in Schwung, lässt sie sich kaum bremsen. Das ist der Hauptgrund, warum es im EZB-Rat Streit gibt – und warum der Goldpreis noch nicht vom Fleck kommt.

Noch 0,9 Prozent im November, nur 0,8 Prozent im Dezember, auf dieses niedrige Niveau ist der Preisanstieg im Euroraum gesunken. Nach der Definition des EZB-Rats ist Preisstabilität bei einer „Preissteigerungsrate von mittelfristig unter, aber nahe 2 Prozent“ erreicht, ließ Ratsmitglied Jens Weidmann am 8. Dezember wiederholt die Öffentlichkeit wissen, dieses Mal im Interview mit der italienischen Zeitung „Il Sole 24 Ore“. Am 28. Dezember legte er in „Bild“ zunächst beruhigend nach: „Die Preisgefahren sind gering.“ Doch fast im selben Atemzug warnte er: „Wir müssen darauf achten, die Zinsen wieder rechtzeitig anzuheben, sollte sich Inflationsdruck aufbauen.“

Nanu, der Euroraum liegt mehr als einen Prozentpunkt unter dem Preisanstieg, den der EZB-Rat als Preisstabilität definiert hat, und Weidmann warnt schon vor dem nächsten Inflationsdruck, wie passt das zusammen? Noch verwirrender wird das Ganze, wenn man Weidmanns Aussagen in „Bild“ mit denen von EZB-Präsident Mario Draghi im „Spiegel“ nur zwei Tage später vergleicht: „Wir müssen sehr wachsam sein, dass wir nicht dauerhaft unter ein Prozent Inflation und damit in die Gefahrenzone rutschen“, warnte Draghi da. Auf den Konflikt zwischen ihm und Weidmann angesprochen, sorgte er schließlich für noch mehr Verwirrung: „Unsere Positionen haben sich einander angenähert, und die Zusammenarbeit hat sich verbessert.“

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Mario Draghi gerät immer weiter zwischen die Fronten. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Doppelte Disharmonie im Euroraum

Harmonie hört sich anders an, und es käme bereits einem kleinen Wunder gleich, wenn die Disharmonie allein mithilfe solcher Wortgefechte über Bande – mittels Medien – erkennbar würde. Doch das wäre zu schön, um wahr zu sein. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Draghi vertritt den europäischen Standpunkt, Weidmann den deutschen. Der eine muss sich primär an der Mehrheit der gerade ein wenig aus schlimmer Krise auftauchenden schwachen Euroländer orientieren, der andere kann sich schon erlauben, den mahnenden Zeigefinger zu heben. Das heißt, es gibt eine doppelte Disharmonie: zum einen wegen der einst von ökonomisch ungebildeten Politikern in die gemeinsame Währung Euro gezwungenen starken und schwachen Länder, zum anderen wegen der unterschiedlichen Dauer an Jahren, bis die schwachen Länder wirtschaftlich zu den starken aufschließen werden.

Natürlich ergeben sich daraus ständig Konflikte, die weit über die Meinungsverschiedenheiten zwischen Draghi und Weidmann hinausgehen – schließlich ist der Euroraum ja nicht isoliert, sondern Teil der Weltwirtschaft und damit unter anderem auch der Kritik angelsächsischer Besserwisser ausgeliefert. Die würden gern allen Zentralbanken der Welt, besonders der EZB, lieber heute als morgen ein Doppelmandat unterjubeln: neben der Währungsstabilität auch für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Von solchen Leuten gibt es mittlerweile eine Unzahl. Hier sei allerdings einer hervorgehoben, der mehr ist als nur Besserwisser und dessen Wort wirklich zählt : Der Kanadier Mark Carney, seit Mitte 2013 Gouverneur der Bank von England, der die Geldpolitik bereits vor einem Jahr wie folgt bereichern wollte: Angst vor Inflation schüren, damit die Konjunktur in Schwung kommt.

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