Gbureks Geld-Geklimper: Von wegen Deflation – Inflation!

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Niemand will Deflation, also wird sie von den Notenbanken bereits auf Verdacht bekämpft – unter Inkaufnahme der Inflation.

Kolumne von Manfred Gburek

"Was nicht sein kann, das nicht sein darf." Niemand will Deflation, also wird sie von den Notenbanken bereits auf Verdacht bekämpft – unter Inkaufnahme der Inflation.

Ein Gespenst geht um: Deflation. Weil die Euroraum-Inflation auf Jahresbasis im März nur noch 0,5 Prozent nach 0,7 Prozent im Februar betrug. Beim weiteren Rückgang um monatlich jeweils 0,2 Prozentpunkte sei demzufolge die Deflation, also ein Preisrückgang, schon im Juni zu erwarten, lautet die dazu passende Argumentation. Oder sogar noch früher, veranlasse doch eine rückläufige Inflationsrate potenzielle Käufer von Autos, Möbeln, Fernsehern oder Smartphones, mit deren Anschaffung trotz Rabattschlachten und Amazon-Sonderaktionen zu warten.

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Diese Denkweise ist zurzeit aus vielen Köpfen ebenso wenig herauszubekommen wie die entgegengesetzte, die auf eine nochmalige Hyperinflation wie 1923 und 1948 hinausläuft. Warum mögen es die Deutschen so extrem? Zwei Antworten drängen sich auf: Erstens, weil der Mittelweg, die in anderen Ländern schon immer übliche schleichende Inflation, mit der es sich ganz gut leben lässt, in Deutschland während der vergangenen Jahrzehnte eher die Ausnahme als die Regel war. Und zweitens, weil die Deutschen, denen die Euro-Bürokraten die geliebte Bundesbank als Garantin eines stabilen Geldwerts nahezu kampfunfähig gemacht haben, der EZB als Bundesbank-Ersatz ein tiefes Misstrauen entgegenbringen.

Die Maus und der Elefant

Um eines von vornherein klarzustellen: Die eingangs erwähnte Inflationsrate von 0,5 Prozent bedeutet weder Deflation noch Beginn einer Deflationsspirale. Sie ist durch Sondereffekte zustande gekommen, wie gesunkene Sprit-, Heizöl- und Nahrungsmittelpreise, das relativ warme Wetter und die traditionell konsumlastige vorösterliche Woche im April statt wie 2013 Ende März. Folglich dürfte die Inflationsrate im April allein schon rein rechnerisch höher sein als im März.

Und nicht zu vergessen: Bezogen auf den Euroraum ist sie eine Durchschnittsgröße. Sie spiegelt die Aufwärtsentwicklung der Preise im von der Konjunktur begünstigten Deutschland ebenso wider wie die Abwärtsentwicklung der Preise im krisengebeutelten Spanien. Da drängt sich die Metapher von der Maus und dem Elefanten auf, die zusammen über eine Brücke gehen. Da ruft die Maus stolz: Wir beide machen ganz schön viel Krach. Dazu muss man sich einfach nur vor Augen halten, dass der Euroraum aus 18 Ländern mit unterschiedlicher Geschichte, Kultur und eben auch Geldmentalität besteht. Nicht zu vergessen seine eigene unvollendete Geschichte, während der es kaum gelungen ist, Gemeinsamkeiten über die einheitliche Währung und die EZB hinaus entscheidend zu festigen.

Preiserhöhungen Inflationsrate in Deutschland so niedrig wie zuletzt 2010

Wie das Statistische Bundesamt bekannt gab, verteuern sich Waren und Dienstleistungen nur geringfügig. Die Inflationsrate im März 2014 ist so niedrig wie lange nicht mehr.

Die Kunden einschlägiger Discounter profitieren von der Rabattschlacht. Die Inflationsrate von März 2014 ist so niedrig wie das letzte Mal 2010. Quelle: dpa

Super-Mario in Hochform

Während die Große Koalition über Energiewende, Mindestlohn, Mietpreisbremse und weitere unlösbare, weil viel zu komplexe Probleme debattiert, reißt EZB-Chef Mario Draghi im Euroraum neben dem geldpolitischen Mandat mehr und mehr auch Teile der Politik an sich. Das kann er sich leisten, weil der Euroraum keine eigene Regierung hat, dessen Geldsystem aber schnelles Handeln statt langatmiges Debattieren erfordert. Handeln bedeutet hier: Die EZB nimmt Abschied vom stabilen Geldwert und setzt sich vorrangig zum Ziel, das von Banken und Staaten aufgebauschte Schuldensystem aufrecht zu erhalten – was im Endeffekt nichts anderes bedeutet, als über die Fiskalpolitik der Euroländer mitzuentscheiden.

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