Gefahr der sinkenden Preise: Warum wir das Deflationsgespenst (noch) nicht fürchten müssen

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Gefahr der sinkenden Preise: Warum wir das Deflationsgespenst (noch) nicht fürchten müssen

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Aufgrund der niedrigen Inflationsraten in der Euro-Zone ist die Diskussion um eine drohende Deflation neu entbrannt.

von Saskia Littmann

Wenn Europas Notenbanker morgen über den Leitzins abstimmen, dürfte die mögliche Deflationsgefahr eine zentrale Rolle spielen. Warum Ökonomen noch Entwarnung geben und warum sinkende Preise so gefährlich sind.

In Europa grassieren zwei Gespenster. In Deutschland hat die Angst vor der Inflation weiter Oberwasser. Doch vor allem im Süden Europas sorgen sich Verbraucher über eine mögliche Deflationsspirale. Der Grund: Im Oktober stiegen die Verbraucherpreise in Europa nur um 0,7 Prozent. Das ist die niedrigste Rate seit November 2009.  

Eine Institution dürfte deshalb bei ihrem nächsten Treffen am Donnerstag mehr zu debattieren haben als ihr lieb ist. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Für die 23 Räte bietet die niedrige Inflation Spielraum für eine Zinssenkung. Die Rolle der Befürworter und Gegner wäre bei diesem Szenario klar verteilt. Bundesbankchef Jens Weidmann führt seit langem einen bekennenden Kampf gegen niedrigere Zinsen, die Vertreter der kriselnden Südstaaten fürchten dagegen nichts mehr als Deflation und wollen die Zinsen niedrig halten.

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Eigentlich hat die EZB ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent. Im September allerdings wiesen 13 der 27 EU-Staaten eine Teuerungsrate von unter einem Prozent aus. Es sind vor allem die Peripheriestaaten, in denen die Preise eher stagnieren. Einige, beispielsweise Griechenland oder Bulgarien, haben bereits negative Inflationsraten. Kein Wunder, dass das Deflationsgespenst so präsent ist wie lange nicht. Gefährlich wird das vor allem dann, wenn die Verbraucher in der Euro-Zone anfangen, an zukünftig sinkende Preise zu glauben. Die EU-Kommission hat deswegen beschwichtigt. Sie hält eine Deflation für unwahrscheinlich. „Das Risiko dafür scheint in weiter Ferne zu liegen“, sagt EU-Währungskommissar Olli Rehn.  

Die Commerzbank gibt sich ebenfalls gelassen. Die niedrigen Inflationsraten seien nicht unbedingt negativ. Sie seien vor allem der Entwicklung in den Krisenländern geschuldet, schreibt die Bank. In Spanien oder Griechenland würden die Unternehmen die Lohnstückkosten senken, dadurch steige die Wettbewerbsfähigkeit. Schon Anfang des Jahres hatten Volkswirte mit sinkenden Inflationsraten gerechnet. Es handelt sich dabei um einen nachlaufenden Indikator, erst jetzt spiegeln sich die niedrigen Wachstumsraten der Euro-Zone in den Preissteigerungen wider.

Gefürchteter Teufelskreis

Trotzdem könnte der EZB-Rat die niedrigen Inflationsraten nutzen, um eine weitere Senkung der Leitzinsen zu rechtfertigen. Experten erwarten jedoch, dass sich die Zentralbanker damit Zeit lassen werden. „Noch machen sich die Notenbanker in Europa keine allzu großen Sorgen“, sagt Scheuerle. Denn entscheidend sind nicht die aktuellen Inflationsraten, sondern die zukünftig erwartete Preissteigerung. Noch liegen die erwarteten Inflationsraten nahe des Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent. Erst wenn Verbraucher mit sinkenden Preisen rechnen, wird es richtig gefährlich. Dann setzt der gefürchtete Deflations-Teufelskreis ein. Mit der Aussicht auf günstigere Produkte wird das Einkaufen eingestellt, Anschaffungen werden immer weiter in die Zukunft verschoben. Durch den ausbleibenden Konsum und fehlende Investitionen wird die Konjunktur immer weiter abgewürgt.

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