Gefahr einer Pandemie: Schweinegrippe bedroht Weltwirtschaft

Gefahr einer Pandemie: Schweinegrippe bedroht Weltwirtschaft

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Auch in den USA wächst die Sorge vor der Schweinegrippe: Ein Mann mit Schutzmaske in der New Yorker U-Bahn.

Die globale Wirtschaft steckt in ihrer tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, und jetzt kommt auch noch die Schweinegrippe: Falls sich die gefährliche Krankheit auf allen Kontinenten ausbreiten sollte, rechnen Experten mit dramatischen Folgen.

Die Schweinegrippe hat Europa erreicht.

Ärzte wiesen bei einem kürzlich aus Mexiko zurückgekehrten Spanier erstmals das mutierte Schweinegrippevirus nach.

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Bei Regierungen und Wissenschaftlern rund um den Globus wächst damit die Sorge vor einer Pandemie. Eine die Kontinente übergreifende Ausbreitung der Krankheit könnte die Weltwirtschaft weiter belasten.

An den Aktienmärkten machte sich heute bereits starke Verunsicherung breit. Während Pharmawerte profitierten, gerieten die Aktien von Reiseveranstaltern und Luftfahrtunternehmen stark unter Druck.

An den asiatischen Märkten kam es teilweise zu deutlichen Verlusten. Auch in London, Paris und Frankfurt gaben die Kurse nach. Der Deutsche Aktienindex (Dax) gab bis zum Nachmittag um über ein Prozent nach und lag knapp über 4.600 Punkten. Der EuroStoxx50 sank um rund 1,5 Prozent auf unter 2.300 Punkte.

Die gefährliche Krankheit forderte in Mexiko bereits mehr als 100 Tote. Unklar ist, wie viele weitere Menschen mit dem Virus infiziert sind.

Die US-Regierung rief den Gesundheits-Alarmzustand aus. Mindestens 20 Infektionen wurden dort offiziell bestätigt, in Kanada sind es sechs.

In Europa gibt es neben dem bestätigten Fall 17 Verdachtsfälle in Spanien und einen in Frankreich. Weitere Verdachtsfälle gibt es in Israel, Neuseeland und Brasilien. Nach Überzeugung von Experten wird sich die Schweinegrippe bald auch in Deutschland ausbreiten. Sie warnten aber vor Panik.

Böse Erinnerungen an die Lungenkrankheit Sars

Die Lage erinnert an den Ausbruch der Lungenkrankheit Sars 2003. 

Damals traf es gerade die Aktien der Touristikunternehmen und Fluggesellschaften. Sie gerieten tief in die Verlustzone, weil viele Geschäftsleute und Urlauber auf Flugreisen in die betroffenen Weltregionen verzichteten.

"Die Angst vor einer weltweiten Pandemie dürfte die globale Rezession weiter verschärfen", fürchtet Daniel Chan, Senior Investmentstratege bei DBS Bank in Hongkong. Vor allem die Wirtschaft stark exportorientierter Länder wie Deutschland dürften darunter besonders stark leiden.

"Im Augenblick preist der Markt das schlimmstmögliche Szenario ein", sagte Philip Lawlor, Aktienstratege beim Brokerhaus Nomura.

Allerdings würden die anstehenden Unternehmensbilanzen dieses Thema in den kommenden Tagen wieder in den Hintergrund drängen.

Justin Urquhart, Investment Manager bei Seven Investment, verwies auf die Parallelen zu Sars. Obwohl die Konjunktur damals in einer besseren Verfassung gewesen sei, habe diese Lungenkrankheit den Aktienmarkt spürbar belastet. „Übertragen auf das schwächere Umfeld wird es sicher noch unerfreulicher.“

Pharmabranche freut sich über höhere Nachfrage

Wie stark eine Ausbreitung der Schweinegrippe die Weltwirtschaft belasten könnte, ist unklar.

Experten von der Weltbank schätzten 2008 – vor der aktuellen Rezession – die Kosten für eine Grippe-Pandemie auf etwa drei Billionen Dollar. Sie würde zu einem Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung um etwa fünf Prozent führen.

Profitieren von der Krise kann die Pharmabranche. Sie erwartet eine kräftig steigende Nachfrage nach Grippemitteln.

Zu den Präparaten, die die Schweinegrippe in Schach halten können, gehören die Medikamente Tamiflu des Schweizer Roche-Konzerns und Relenza des britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline.

Beide Medikamente haben sich gegen Virenstämme der neuen Krankheit als wirksam erwiesen. Die Aktien der Unternehmen sind heute begehrt: Roche legten bis zum Nachmittag rund vier Prozent auf 145 Franken zu. Glaxo stiegen um über vier Prozent auf fast 1050 Pence.

Im Falle einer Pandemie dürfte Experten zufolge das Roche-Medikament stärker nachgefragt werden als das der Briten. Denn Tamiflu kann als Tablette eingenommen werden, während das Glaxo-Präparat inhaliert werden muss.

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